Beste Therapeutin?

Ich bin noch immer dabei, den gestrigen Abend mit den vielfältigen Eindrücken und Gesprächen zu verarbeiten.

Mir fiel im Nachhinein noch ein Satz ein und besonders auf. Nach der Vorstellungsrunde, bei der ich u.a. als einen der Gründe angegeben habe, wie ich aus meiner Situation des damaligen Leidenskreiseln herausgekommen bin, erwähnte ich, dass eigentlich der Hauptgrund war, dass ich eine grottenschlechte Therapeutin hatte. Eine aus der Gruppe meinte: Vielleicht war die gar nicht so schlecht sondern besonders gut. Darüber muss ich jetzt heftig nachdenken. Wenn ich es mir so recht überlege, könnte das sogar so sein. Denn diese Frau war wirklich völlig anders wie die meisten anderen Therapeuten, die ich früher in meinem Leben kennengelernt hatte und auch die beiden letzten, vor jener üblen, aus den gescheiterten Therapieversuchen. Sie war weder einfühlsam, noch mitfühlend, wirkte hilflos, stellte die doofesten Fragen, die man sich ausdenken konnte,  oder saß inaktiv einfach nur da. Also das krasse Gegenteil von mitfühlend, klug, zugewandt, und hilfreich wie man von Therapeuten generell erwartet hätte.

Also das wäre echt der Hammer gewesen – aber wenn tatsächlich geplant, sehr erfolgreich! Wer heilt hat recht, heißt es doch so schön. Fakt ist, durch die wahre oder falsche „Behandlung“ ist mir ein Licht aufgegangen und ich konnte erkennen, dass ich nur selbst mich aus dem Sumpf der ewigen Leidenskreisel befreien konnte, dass ich allemal mehr Fähigkeiten hatte, mich selbst viel besser kannte und auch ich selbst viel besser wusste, was mir gut tut und was nicht, als jeder Aussenstehende.  Das tat ich dann auch und fällte mit großer Erleichterung eine sehr lebensverändernde Entscheidung.

Eigentlich spielt es keine Rolle wodurch ich mich aus dem Teufelskreis herausschälen konnte, sondern nur, dass es mir möglich wurde meine Selbstwirksamkeitsfähigkeit zu erkennen und zu begreifen, dass niemand von Außen mir tatsächlich so wirksam helfen kann, wie ich mir selbst, indem ich mich auf meine Kräfte besinne und danach handle. Insofern war das Geld vom Fond doch gut angelegt – wenn dem so war (so oder so). Das was ich einfach begreifen musste war, dass ich im Außen niemals das finden würde, was mir wirklich hilft und ich mich auf meine Ressourcen – die ja trotz meiner schlimmen Kindheit übrig geblieben waren (und/oder auch deshalb erworben hatte). Und vielleicht hat genau dies diese „unfähige“ Therapeutin erkannt und mich auf mich selbst zurück geworfen. Dass sie gesehen hat wie sehr da eine kräftige Instanz (Verteidiger) vorhanden war, die mich durch all das Schlimme geleitet hat und mich trotz der widerlichen Umstände hat überleben lassen.

Ich erinnere mich gerade an einen Blogger, der von einer solch „provozierenden“ Therapeutin während der Anfänge seiner Therapie gesprochen hatte, der er am liebsten ‚die Zähne eingeschlagen‘ hätte, die er aber als sehr wichtig empfunden hat auf seinem Weg.

Ja, es ist nicht leicht diesen Gedanken zu akzeptieren, dass die eigentliche Therapie eigentlich ‚keine‘ ist, bzw. wir selbst unsere Therapeuten sein müssen. Dass wir völlig auf dem falschen Dampfer waren und unsere Verantwortung nicht übernehmen wollten und diese nach außen verlagern wollten (und hofften, dass uns endlich – nach all dem Leid in unserer Kindheit – Gerechtigkeit und Ausgleich zustand und man uns gäbe).

Ich denke solche Taktiken müssten dann auch sehr vorsichtig angewandt werden,  denn nach vielen gescheiterten Therapieversuchen (früher in jungen Erwachsenenalter und jetzt noch 3 dazu) könnte der Klient durchaus wie gewohnt den Herausforderungen ausweichen – sich nicht gewachsen fühlen – und aufgeben und sich töten. Meine unglaublich starken Verteidigerinnens machten es der letzten Therapeutin – so glaube ich – sehr leicht, diese Methode anzuwenden, da es sehr offensichtlich war – wie kraftvoll ich kämpfen konnte (eine Superressource, die ich schon als Kind deutlich herausgebildet hatte und lebte).

Also, so eine unfähige Therapeutin zu ’spielen‘ ist auch eine Leistung, denn vom Klienten wird man ganz schön gehasst dafür, das muss einer erst mal aushalten. Ich denke, wenn Therapeuten den Weg des Tröstens, des gekauften Mitgefühls, des Alles-Verstehens mit dem Klienten gehen und die Schleifen pausenlos mitdrehen, sich vielleicht sogar darin verfangen – ist das sicherlich um einiges weniger anstrengend – nehme ich jedenfalls an. Solche bekommen die Verehrung, Freundlichkeit und Dankbarkeit vom Klienten und auch gespiegelt wie toll sie doch sind.

Und wenn es tatsächlich so war, dass diese Therapeutin mir auf diese Weise helfen wollte, dann war sie perfekt darin. Jedenfalls – egal ob so oder so – sie war perfekt für mich.

2 Gedanken zu “Beste Therapeutin?

  1. Darüber kann man sicher streiten, ob sie gut oder schlecht war, ob sie doch ihre Rolle perfekt spielte und damit das erreichte, was sie auch erreichen wollte. Aber das soll Dir wirklich egal sein, denn Du bist auf diese Weise über Dich hinaus gewachsen. Und das ist gut so.

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