Ein kleiner Virus lehrt uns gründlich

Wir erleben das interessanteste soziologische Experiment in der Geschichte der Bundesrepublik. Und es ist für uns eine Prüfung. Wir dürfen uns auch in Kleingruppen nicht mehr treffen. In Bayern ist sogar eine Begegnung mit einem anderen Menschen, der nicht im gleichen Haushalt wohnt, verboten. Aber anders als in Italien dürfen wir, wenn wir das alleine oder zu zweit tun, nach draußen gehen und die Sonne genießen, spazieren gehen, wandern, joggen oder radfahren. Auch Nachbarschaftshilfe, z.B. das Einkaufen für Andere, ist möglich. Die S-Bahnen sowie Straßenbahnen und Bus fahren und sogar Umsonstfahren ist nun gefahrlos möglich (die Fahrer sind nun abgeschirmt und verkaufen keine Fahrkarten mehr) und die Versorgung mit dem täglichen Bedarf an Lebensmitteln ist gesichert. Es besteht also kein Grund zur Panik. (Es sei denn es ist ein Problem für Dich, Dir mal den A…. anderweitig zu reinigen) 😉

Die Straßen sind leer und selten sieht man noch Autos. Großstädte sind so wie sie vor hundert Jahren waren. Die Benzinpreise fallen wie nie auf Grund der geringen Nachfrage. Die Corona-Krise bietet uns die historisch einmalige Chance die schädlichen Auswirkungen unserer lieb gewonnenen Lebensweise auf das Klima zu verringern. Die Flugzeuge müssen, Gott sei Dank, auf dem Boden bleiben. Und plötzlich merken wir, dass wir mit einem Mal vorher undenkbares durchaus ändern können.

Dagegen arbeiten unsere Bäuerinnen und Bauern im Akkord. Etwa 300.000 Erntehelfer werden dringend benötigt, weil die polnischen Saisionarbeitskräfte nicht mehr einreisen können. Um unsere Versorgung sicher zu stellen, müssen sich Freiwillige zum Ernteeinsatz melden, die natürlich besser bezahlt werden müssen. Obst und Gemüse würden dadurch zwar teurer werden, aber das sollte es uns wert sein. Jedenfalls muss das Verramschen von Lebensmitteln sowie der Preiskampf zwischen den großen Discountern ein Ende haben. Es hat also viel Gutes dieses kleine Virus für uns Menschen gebracht – wir merken plötzlich, dass es viel Wichtigeres gibt als Geld und Materialismus, wir wachen auf – langsam und viele von uns genießen jetzt auch die positiven Seiten dieser Notmaßnahmen – vorausgesetzt wir akzeptieren sie auch und machen das Beste daraus.

Ich bin heute mit dem Bus gefahren zum Einkaufen (in unserem Ort gibt es nur noch 2 Mal in der Woche einen Gemüsemarkt – alles andere kann man nur am Rand des Städtles kaufen – für Autofahrer kein Problem für die Alten jedoch zu viel Fußweg) – so leer war es noch nie darin – auch im Einkaufsladen – gemütliches Einkaufen ohne Stress. Nur 12 Autos waren auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt, und drin musste man nicht mal Abstand halten – kein Gedränge und die Regale waren auch gefüllt – bloß das Mehl und natürlich das Klopapier fehlte, aber es war auch schon Nachmittag, vielleicht sind vormittags immer noch die Hamsterkäufer und Angsthasen unterwegs.

Lasst uns zusammen aus der Krise lernen und unser Verhalten nachhaltig verändern.

Die Geburt der Empfindung

Ein sehr interessantes Kapitel über die Entstehung unserer Emotionen und Empfindungen von Eckhart Tolles Buch „Die neue Erde“. besonders der letzte Absatz ist wesentlich für uns, weil er uns zeigt wie der Körper auf Gedanken reagiert und uns auch körperlich krank machen kann:

Die Geburt der Empfindung

Neben der Denktätigkeit, aber nicht völlig getrennt von ihr, gibt es noch eine andere Dimension des EGO – die Empfindung. Damit soll natürlich nicht gesagt werden, dass alles Denken und Fühlen dem EGO zu zu rechnen ist. Es verwandelt sich nur in EGO, wenn Du Dich zu sehr damit identifizierst und so davon beherrscht wirst, dass es zum ICH wird. Der physische Organismus – Dein Körper – besitzt eine eigene Intelligenz, ebenso wie der Organismus aller anderen Lebensformen. Diese Intelligenz reagiert auf das, was Dein Verstand sagt, sie reagiert auf Deine Gedanken. Empfindung ist also die Reaktion des Körpers auf das was Du denkst. Die Körperintelligenz ist selbstverständlich ein untrennbarer Bestandteil der universellen Intelligenz und eine ihrer unzähligen Manifestationen. Sie gibt den unzähligen Atomen, aus denen Dein physischer Körper besteht, vorübergehend Zusammenhalt. Sie ist das Ordnungsprinzip hinter dem Zusammenwirken aller Organe des Körpers, der Umwandlung von Sauerstoff und Nahrung in Energie, dem Herzschlag und dem Blutkreislauf, dem Imunsystem, das den Körper vor Eindringlingen beschützt und der Umsetzung von Sinneseindrücken in Nervenimpulse, die zum Gehirn weitergeleitet werden, dort entschlüsselt und wieder zu einem kohärenten inneren Bild der äußeren Wirklichkeit zusammengesetzt werden. All diese und noch tausende andere Funktionen gleichzeitig werden von der Körperintelligenz perfekt wahrgenommen.

Du hältst Deinen Körper nicht in Gang, das tut seine Intelligenz, sie trägt zudem die Verantwortung  für die Reaktionen auf seine Umwelt. Das gilt für alle Lebensformen, es ist die gleiche Intelligenz, die der Pflanze seine physische Form gibt und als Blüte aus der Pflanze hervor geht. Als Blütenkelch, der sich am Morgen öffnet um die Strahlen der Sonne zu empfangen und am Abend wieder schließt. Es ist die gleiche Energie, die sich als Gaja manifestiert, als der komplexe, lebendige Mechanismus, den wir Erde nennen. Dieser Intelligenz entspringen auch die instinktiven Reaktionen des Körpers auf eine Bedrohung oder Herausforderung. Bei Tieren löst sie Regungen aus, die menschlichen Emotionen gleichen: Wut, Angst, Lust – dieser Emotionen können als ursprüngliche Empfindungsformen verstanden werden. In gewissen Situationen legen Menschen ähnliche Reaktionen an den Tag, wie Tiere, angesichts einer Gefahr, wenn das Leben bedroht ist, schlägt das Herz schneller, spannen sich die Muskeln an und beschleunigt sich die Atmung – alles zur Vorbereitung auf einen Kampf oder auf Flucht – Urangst. In die Enge getrieben erfährt der Körper einen Energieschub, der ihm eine Kraft verleiht, die er zuvor nicht hatte – Urwut. Diese Reaktion gleicht einer Empfindung, ist aber im Wortsinne keine Emotion. Der grundlegende Unterschied einer Triebreaktion und einer Emotion ist folgende: Eine instinktive Reaktion ist die unmittelbare Reaktion des Körpers auf äußere Umstände, eine Emotion hingegen ist eine durch Denken ausgelöste Körper-Reaktion. Indirekt kann eine Empfindung auch eine Reaktion auf eine aktuelle Situation oder ein aktuelles Ereignis sein, aber diese Emotion hat bereits den Filter einer mentalen Interpretation durchlaufen, ist bereits durchdacht worden, d.h. sie wurde schon mit einer Vorstellung von ‚gut oder schlecht‘ – von ‚Mögen oder Verabscheuung‘ – ‚Mein und Dein‘ – abgeglichen. Es wird Dich zum Beispiel kalt lassen, wenn Du hörst, dass jemand das Auto gestohlen wurde. Aber wenn es sich um Dein Auto handelt, bist Du höchstwahrscheinlich sauer. Es ist erstaunlich was ein Konzept wie ‚Mein‘ auslösen kann.

Obwohl der Körper sehr intelligent ist, vermag er nicht zwischen einer Situation und einem Gedanken zu unterscheiden. Er reagiert auf Gedachtes genauso wie auf die Wirklichkeit. Er weiß nicht ob es sich nur um einen Gedanken handelt. Für den Körper bedeutet ein angstvoller Gedanke, ich bin in Gefahr und entsprechend reagiert er. Selbst wenn es Nacht ist und Du behaglich in Deinem Bett liegst, das Herz schlägt schneller, die Muskeln spannen sich an, die Atmung beschleunigt sich, Energie wird aktiviert, aber da die Gefahr nur eine Fiktion ist, hat sie kein Ventil. Dann wird sie zum Teil dem Verstand zugeführt und löst dort noch beunruhigendere Gedanken aus. Die übrige Energie wirkt sich vergiftend auf das harmonische Zusammenwirken der Körperfunktionen aus.

Besonders dieser letzte Absatz ist wesentlich für uns und früher traumatisierten Menschen und wir können Schlüsse daraus ziehen – wie bestimmte Gedanken zu unseren ständigen Angstgefühlen, Paniken, Bluthochdruck, Unwohlgefühlen….. u.v.m. führen, obwohl sie völlig unbegründet sind.

Für mich ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal, das ich schon im Vorfeld nutzen kann, indem ich meine Gedanken beobachten lerne und sie dem realen Jetzt anpassen kann und so verhindern, dass ich meinen Ängsten und Retraumatisierungen ständig Nahrung gebe. Langfristig gesehen hat so – eine mangelnde Gedankenkontrolle – natürlich auch durch solches Zulassen von derartigen unbegründeten negativen Gedanken aus der Vergangenheit – einen großen Einfluss auf unsere Gesundheit.

 

Dramatik und Frieden

Aus Eckart Tolles „Eine neue Erde“(Untertitel: Bewusstseinssprung statt Selbstzerstörung)

Tolle versucht in dieser CD bzw. seinem Buch Lösungen zu präsentieren, wie wir Menschen aufhören können weiterhin uns gegenseitig, uns selbst und unsere Erde zu zerstören. Er zeigt das Warum auf – warum dies alles auf unserer Welt geschieht, was die Ursachen sind und weiß auch Wege daraus.

Heute geht es um Dramatik und Frieden

„Es gibt niemand, der sich nicht Frieden wünscht, aber irgend etwas in Dir ist auch auf Dramatik aus – auf Konflikt. Im Augenblick kannst Du es vielleicht nicht fühlen. Wahrscheinlich bedarf es einer bestimmten Situation oder auch nur eines Gedankens, um eine Gegenreaktion in Dir auszulösen. Jemand beschuldigt Dich der einen oder anderen Sache, würdigt Dich nicht angemessen, dringt in Dein Revier ein, zweifelt an Deiner Handlungsweise oder streitet mit Dir um Geld…. Kannst Du die gewaltige Energiewelle spüren, die dann läuft, die Angst, die sich möglicherweise hinter der Maske von Wut oder Feindseligkeit verbirgt? Kannst Du hören wie Deine Stimme  hart und schrill wird, manchmal auch lauter und tiefer? Bist Du Dir bewusst, dass Dein Verstand auf Hochtouren läuft, um Deine Position zu verteidigen, sich rechtfertigt, bereit macht anzugreifen oder zu beschuldigen? Mit anderen Worten, kannst Du in diesem Augenblick aus Deiner Unbewusstheit erwachen? Kannst Du spüren, dass etwas in Dir auf Krieg aus ist – etwas, das sich bedroht fühlt und das um jeden Preis überleben will? das die Dramatik liebt, weil es in diesem Theaterstück seine Identität als Sieger behaupten will? Merkst Du, dass etwas in Dir lieber Recht behalten will, als in Frieden zu sein?“

In meiner Zeit als ich mich noch als DIS-Diagnostizierter betrachtete, waren es die anderen, die mich triggerten (natürlich unrechtmäßig so fühlte ich es, obwohl mich im Grunde jede neutrale Person durch irgendwas triggern konnte, was sie gar nicht beabsichtigte) Und wenn wir solche Trigger dann erlebten und nicht unsere Gegenüber verantwortlich machten, so glaubten wir als Viele, dass unsere Täter aus der Vergangenheit uns das angetan hatten. Ich sagte sogar zu meiner besten Freundin immer, wenn aufgrund von Triggern oder scheinbaren Provokationen, immer wenn wir stritten: ich wäre nicht schuld, ich hätte mich nur verteidigt.  Es war eine schöne bequeme Ausrede, dass wenn die Verteidiger in mir auf dem Plan getreten waren (und da erkenne ich mich total wieder wie Tolle das ausdrückt – meine Stimme wurde dann ganz hart, tief und laut und ein verbaler Verteidigungsrausch in Worten fing an – . Das war übrigens das erste, was ich in Griff bekam, indem ich aufpasste wie meine Stimme war, wenn meine Verteidiger erschienen, so konnte ich sie langsam bemerken bzw. konnte ich die Rückmeldungen über meine Stimme überhaupt erst wahrnehmen. Mir wurde bewusst an welchen Stellen sie regelmäßig von mir Besitz ergriffen und mir mein Verstand oder mein EGO mir vorgaukelte, die ‚Angreifer‘ wären Schuld. Es passiert mir immer noch, aber es ist schon viel besser geworden und die Texte von Tolle bringen noch mehr Licht in dieses Thema. Auch das Rechthabenwollen kennen wir sehr gut und auch dieses Gefühl – es gehe dabei um Leben und Tod.

Alle Menschen kämpfen damit und Tolle beleuchtet das später auch noch mehr, woher das kommt, dass wir so reagieren. Das ist nicht nur das Thema von Vielen mit DIS und Co-diagnosen. Es ist nicht etwas so besonderes.

Sind Gefühle wahr?

Heute habe ich den Artikel von Dami Charf noch mal gelesen über die Wahrheit von Gefühlen. Die, die mich kennen wissen, dass ich diese Therapeutin und ihr Wissen sehr schätze und sie schon im alten Blog über DIS und Heilung oft zitierte und ihre Seite oft verlinkt habe. (Leider ist sie zu weit weg von mir, dass ich nicht in meinen sehr schwierigen Zeiten vor 5/6 Jahren zu ihr konnte)

Jetzt zur Weihnachtszeit – viele Blogleser haben da ja besonders viel Zeit – und da dachte ich – es wäre doch gut die Gelegenheit zu nutzen und von E. Tolle eine kleine Pause zu machen (obwohl er auch durchaus darüber schreibt) und die Gefühle unter die Lupe zu nehmen und mit Irrtümern aufzuräumen.

Hier ist der vollständige Link zu Damis ganzen Text:

Warum Gefühle nicht wahr sind

Besonders hervor heben möchte ich jenen Ausschnitt aus diesem Teil:

Gefühle als Schatten der Vergangenheit

Gefühle empfinden wir häufig als direkte Reaktion auf etwas, das gerade passiert. Wir neigen dazu, Gefühle sehr stark als Reaktion auf Reize aus der Umwelt wahrzunehmen. Wir empfinden Gefühle als authentisch und wahrhaftig. Man darf sie nicht anzweifeln und nicht in Frage stellen.

Hier begeben wir uns auf ein schwieriges Feld. Gefühle sind natürlich „echt“, in dem Sinne, dass wir sie eben jetzt real fühlen, ABER:
Gefühle entstehen aber zum großen Teil durch Erfahrungen, die wir in der Vergangenheit gemacht haben (siehe auch Emotionale Flashbacks). Sie werden ausgelöst durch einen Abgleich, welches das Gehirn von der momentanen Situation mit bereits erlebten Situationen macht. Sehr schnell werden im Gehirn Vergleiche gemacht, die unter Umständen vollkommen an der Situation vorbei gehen.

Sobald ein gewisses Erregungsniveau im Körper überschritten ist, neigt das Gehirn außerdem  zu negativen Interpretationen der Umweltreize. Gesichter werden als unfreundlich interpretiert, Dinge werden persönlich genommen.

Die Pause zwischen Reiz und Reaktion

Hier müsste nun eine Pause zwischen Reiz und Reaktion – eines der wichtigsten Therapieziele –  erfolgen, um mehr Informationen aufzunehmen und die Situation auf Grund der neuen „Daten“ neu zu interpretieren.
Leider können die Schatten der Vergangenheit so stark sein, dass sie alle neuen Erfahrungen verhindern und ein Kreislauf der Re-inszenierung in Gang hält, der für die Betroffenen und für ihr Umfeld sehr anstrengend und zerstörerisch wirken kann.

Die Kunst des „Innehaltens“

  • die Pause zwischen Reiz und Reaktion

Eine Pause zwischen Reiz und Reaktion ist letztlich nur möglich, wenn wir lernen, Gefühle und Emotionen zu beobachten, am Rand zu bleiben und sie im Körper spürbar zu halten. Dadurch werden sie nicht überwältigend und es können neue Informationen und Erfahrungen gemacht werden.

Gefühle sind wie Gedanken, sie kommen und gehen. Je mehr wir uns mit ihnen identifizieren, desto schneller und steiler wird die emotionale Achterbahn – und das aussteigen wird fast unmöglich. Dies ist besonders wichtig, da bei starken Emotionen das Beobachter-Ich aussetzt und dies oft zu Handlungen führt, die weder für uns selbst noch für unser Umfeld gut sind.

Zu guter Letzt, sollten wir uns bewusst machen, dass Gefühle einem hohen Maß an kulturellem Einfluss unterliegen. Sie verändern ihre Bedeutung und Farbe durch die Kultur, in der wir leben (und die wir als Therapeuten mitprägen). Nehmen wir z.B. das Gefühl des Stolzes. Sprechen eine deutsche Frau und ein arabischer Mann über Stolz, so können wir ziemlich sicher sein, dass sie zwar beide das gleiche Wort benutzen, aber vollkommen andere Dinge dabei fühlen.
Es gibt „hippe“ Gefühle, die von einer Kultur bevorzugt werden und dadurch mehr Aufmerksamkeit und Bedeutung bekommen und dadurch von Menschen auch für ihr persönliches Leben als wichtig wahrgenommen werden, so wie momentan authentisch, individuell, autonom, glücklich, etc.

Fazit

Gefühle sind nicht absolut, unveränderlich und wahr. Sie unterliegen unserer Interpretation, Umwelt- und gesellschaftlichen Einflüssen und sind wandelbar.

Gefühle verlieren ihre Stärke, wenn wir sie als Körperempfindung spüren lernen.
Je mehr wir das lernen, desto besser wird die Pause zwischen Reiz und Reaktion möglich. Nur dann ist es möglich, die Situation neu zu betrachten und mehr Informationen aufzunehmen, die ein neues Ergebnis liefern können.

Was dann letztlich zu neuen Erfahrungen und dadurch neuen Handlungsmöglichkeiten führt.

Außerdem kann das Beobachten von Empfindungen als Grundlage von Gefühlen genutzt werden, um dadurch andere Interpretationen auszuprobieren und damit altbekannte Gefühle und Muster neu zu bewerten.

Menschen, die nie emotionale Spiegelungen bekommen haben, sind häufig „gefühlsblind“. Sie können Gefühle einfach nicht benennen und dadurch ist es äußerst schwierig, mit diesen Menschen in Beziehung zu treten. Es ist eine äußerst wichtige soziale Fähigkeit Gefühle zu spüren und benennen zu können. Sie hilft uns bedeutsame Beziehungen zu pflegen und psychisch gesund zu bleiben.

 

 

Der Ursprung der Angst – E. Tolle

Ein so sehr wichtiges Thema im Zusammenhang mit Schmerz: Eckhart Tolle schreibt dazu in seinem Buch: Jetzt

Angst ist ein Teil der Ursache unseres grundlegenden Schmerzes. Ich werde oft gefragt: Ist gesunde Angst nicht auch ein Selbstschutz? z.B. sagte jemand: wenn ich keine Angst  vor dem Feuer hätte, würde ich vielleicht die Hand hinein halten und verletzt werden. Nicht weil du Angst hast hältst du die Hand weg vom Feuer, sondern weil du weißt, dass du dich verbrennen würdest. Du brauchst keine Angst um unnötige Gefahr zu vermeiden, nur ein Minimum an Intelligenz und Menschenverstand. Wenn es um praktische Dinge geht, ist es nützlich alles was du in der Vergangenheit gelernt hast anzuwenden. Wenn dich aber jemand mit dem Feuer oder Gewalttätigkeit bedroht, dann wirst du vielleicht Angst spüren. Instinktiv schreckst du vor der Gefahr zurück. Das ist aber nicht die psychologisch begründete (emotionale) Angst, von der wir hier reden.

Die emotionale, psychologische Angst  hat viele verschiedene Formen: Unruhe, Sorgen, Ängstlichkeit, Spannung….

Die Suche des Ego nach Ganzheit

Da ist ein tiefsitzendes Gefühl des Mangels, der Unvollkommenheit, ein Gefühl, dass dir etwas fehlt. Manchen ist das bewusst, anderen nicht. Ist es dir bewusst, zeigt es sich als ständiges, unzulängliches Selbstwertgefühl. Unbewusst wird es nur indirekt als tiefes Verlangen gefühlt, als Habenwollen, als Bedürftigkeit. In beiden Fällen versuchen Menschen dieses innere Loch zu füllen, indem sie zwanghaft nach Egobefriedigung streben und sich mit den verschiedenen Dingen identifizieren. Sie streben dann nach Besitz, Geld, Erfolg, Macht, Anerkennung oder nach einer besonderen Beziehung. Eigentlich wollen sie damit erreichen sich besser, sich vollkommener zu fühlen. Aber sogar wenn ihnen all diese Dinge gelingen, müssen sie bald erkennen, dass dieses Loch immer noch da ist, dass es bodenlos ist. Dann sind sie wirklich in Schwierigkeiten, weil sie sich selbst nichts mehr vormachen können. Nun, sie werden sich weiterhin versuchen etwas vorzumachen, aber es wird immer schwieriger. Solange der Egoverstand ihr Leben regiert, finden sie keine wirkliche Ruhe. Du kannst nicht friedlich und erfüllt sein, außer in den Augenblicken, wo du gerade bekommen hast was du wolltest – wo ein Verlangen gerade erfüllt wurde. Da es sein Selbstgefühl immer vom Selbst ableitet, besteht das Ego aus Identifikationen. Auch muss es ständig gefüttert und verteidigt werden.

Die häufigste Ego-Identifikation haben mit Besitz, Arbeit, Sozialstatus und Anerkennung zu tun, ebenso mit Wissen und Bildung, körperlicher Erscheinung, besonderer Fähigkeiten, Beziehung, persönlicher und familiärer Geschichte, Glaubenssystemen, oft auch kollektiven Identifikationen wie Politik, Nationalität, Rasse, Religion und Ähnlichem. Nichts davon bist du! Findest du das beängstigend oder ist es eine Erleichterung? All diese Dinge wirst Du früher oder später aufgeben müssen. Vielleicht findest du es noch schwer das zu glauben – ich will gewiss nicht, dass du glaubst, deine Identität sei in einem dieser Dinge zu finden. Du wirst selbst heraus finden was wahr ist. Du wirst es spätestens dann wissen, wenn der Tod naht. Der Tod nimmt alles weg, was du nicht bist. Das Geheimnis des Lebens ist – zu sterben bevor du stirbst und heraus zu finden, dass es keinen Tod gibt.“

Mut

Heute möchte ich gern über Mut sprechen. Mutigsein ist eine Eigenschaft, die einen retten kann – nein – mit Sicherheit oft rettet!

Mut ist nicht Abwesenheit von Angst, sondern Mut ist da trotz Angst, wenn man ihn benutzt.  Mut bedeutet aus der Komfortzone zu treten, Mut heißt den bequemen Pfad verlassen. Mut ist „sich etwas zu trauen – sich wert genug zu fühlen, um etwas zu riskieren“. Mut ist untrennbar mit Neugier und Offenheit verwandt, Mut ist eine kreative, selbstwirksame Lösung. Für Mut braucht man nicht unbedingt Selbstbewusstsein und das Gefühl von Stärke – oh nein. Mut macht stärker, wenn man ihn ausübt, und man vergrößert jedesmal sein Selbstwertgefühl.

Mut kann uns herausführen aus Stagnation und Leiden. Mut kann unser Leben mit einem Schlag verändern – Mut benötigt nur eine mutige Entscheidung, hinter die wir uns tatkräftig stellen.

Mut ist nichts für Feiglinge und Menschen, die keinesfalls alte Bahnen verlassen wollen. Mut ist die Überwindung von Angst. Mut macht uns zu Helden in der eigenen Welt und manchmal auch für andere. Und Mut braucht es auch, wenn wir Neues wagen wollen um ‚verbrauchtes Altes‘ hinter uns zu lassen.

Es gibt einen Unterschied von Mut und Leichtsinnigkeit, der eine ist überlegt, die andere idiotisch. Mut braucht Wachheit, Bewusstsein, Überlegung im Vorfeld, Vorbereitung und evtl. vorher  im Geiste durchspielen. Mut ist aber auch nicht ohne Risiko, aber mit Planung und Vorbereitung kann man das Risiko minimieren.

Mut ist aber auch ‚einen Weg zu gehen der unsicherer ist – obwohl es einen sichereren Weg gäbe. Es gibt auch den Mut der Verzweiflung – ein wichtiger Mut.

Mut braucht aber auch den drängenden Wunsch sich zu verbessern, sich weiterzuentwickeln – ein besserer Mensch zu werden. Danach zu streben was wichtiger ist als die Angst.

Mut braucht auch ein wenig Vertrauen, dass das Leben Sinn macht, dass es etwas Höheres als uns kleine Wesen gibt. Mut ist Lernen durch Versuch und Irrtum.

Im Alltag kann man auch sehr viel Mut beweisen, man nennt das Zivilcourage und sein Menschsein weiter auszudehnen, nicht nur um sich selbst zu kreisen, sondern das ‚aktiv sich in der Welt beteiligen‘. Mutig sein heißt Fortschritte machen.

Mut hat mich (wenn ich zurückblicke bis in die Kindheit) zeitlebens gerettet!