Starke Kinder – schwache Erwachsene

Ich glaube der Ralf von Zeitzuleben.de, (den ich vorgestern schon mal zitiert habe) der schreibt nicht für DISler und Co. oder doch? Oder vielleicht erst recht? Oder nur für solche, die sich auf den Weg machen wollen ihre Lebenszeit wirklich  leben und nutzen wollen?

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Es gibt nur eine Zeit – deine Zeit

In der folgenden Kurzgeschichte versucht ein Mann verzweifelt die Zeit aufzuhalten. Erst ein Samurai macht der Suche ein Ende. Ob es ihm gelungen ist die Zeit anzuhalten erfahrt ihr in folgendem Gleichnis.

„Vor sehr langer Zeit versuchte ein Mann verzweifelt die Zeit anzuhalten. Als ihm dieses nicht gelang ging er auf eine Anhöhe vor seinem Heimatdorf und schrie in den Himmel:
„Zeit, steh still!“
Doch auch das hielt die Zeit nicht an. So flehte er mit lauter Stimme weiter:
„Bitte, Zeit, bleib endlich stehen!“
Ein Samurai der des Weges kam hörte den Mann und sprach:
„Wenn es dein Wunsch ist, werde ich dir den Wunsch erfüllen.“
Als der Mann nickte, zog der Samurai sein Schwert, und enthauptete den Mann. Er beugte sich über den Toten und sprach:
„Alles bewegt sich in dieser Welt und ist einer stetigen Wandlung unterworfen. Es gibt nur eine Zeit – deine Zeit. Das Wesen der Zeit ist ebenfalls Wandlung. Wer keine Veränderung will, der will auch das Leben nicht.“
(nach Georg Danzer)

Lieber spät als nie

Ohne Glauben an etwas Höheres ….. wie kann man da leben? Ich könnte es nicht und wollte es auch nicht. Doch ich habe phasenweise früher auch ab und zu so gelebt. In dieser Zeit fühlte ich mich entweder absolut mächtig und glaubte – nur meine Sichtweise – wäre die einzig richtige….. Oder ich „war von allen guten Geistern verlassen“ und voller Hass auf alles und jeden, dem es besser ging als mir.

Damals – so begriff ich irgendwann, als ich wieder heraus war aus dieser
‚gottlosen Phase‘, dass ich wohl ein grausamer und erbarmungsloser Mensch werden würde, wenn es keinen Gott gäbe, bzw. nicht an einen glauben würde. Diese gottlosen Zeiten hatte ich in meinen jungen Erwachsenenjahren immer dann, wenn ich gerade vom Leben total enttäuscht worden war. Ich war dann wütend und böse und nichts mehr war mir ‚heilig‘. Es war ein furchtbarer Zustand, ich erinnere mich noch sehr genau. Es fühlte sich an, wie in einer Falle zu sitzen, allein und für immer. Alles war negativ, es gab keinen Sinn mehr, keine Hoffnung, kein Entkommen – das machte die Verzweiflung komplett. Denn hinter diesem „sich-gefangen-fühlen“ und der vordergründigen Wut – saß diese Verzweiflung, die Traurigkeit und die Hilflosigkeit.

Doch wie ich ja von klein auf gelernt hatte, es galt immer und überall zu kämpfen, nur so konnte man überleben. Damals kämpfte ich auch, ich kämpfte die Trauer weg, die Machtlosigkeit, die Wehrlosigkeit, das Gefühl der Ausweglosigkeit.

Solche Phasen dauerten nie sehr lange, denn sie sind unaushaltbar, zerstörerisch, so eng, so unnütz und zerissen einen innerlich richtig. Besonders ein Teil von mir lebte in diesem grausamen Zustand. Mein Rumpelchen! (Rumpelchen benannte sich so oder andere von meinen Innens gaben ihm diesen Namen, weil es in uns das Bild aus dem Märchen: Rumpelstilzchen bediente. Das Rumpelstilzchen aus der Märchenwelt, verfolgte seine (irdischen) Ziele mit Finesse und Ausdauer, als es aber merkte, dass es keinen Erfolg hatte, dann zerstörte es sich selbst, indem es sich ein Bein ausriss. Denn es trug unaushaltbare Spannungen in sich, die waren so stark, dass es kurz vor der Explosion stand). Mein Rumpelchen – wenn es auftauchte – war immer kurz vor dem explodieren, ich fühlte wie es inmitten von uns stand, die Fäuste geballt und ich wusste es wollte etwas…. nein alles zerreißen und zerstören, es wollte schreien, ganz schrill und laut, trampelte wütend mit den Füßen. Ich denke als es ‚geboren‘ wurde, waren wir so  um die zwei/drei Jahre alt. Es war ein sehr wütendes Innenkind. Es ist jetzt nur noch selten aufgetaucht, aber ich weiß, es ist noch da – in mir.

Und solche Gefühle von mörderischen Hass auf alles und jedes, weil man sich so hilflos fühlt, wenn man mit seinen Enttäuschungen nicht weiß wohin – sind wirklich zerstörerisch. Nicht den anderen tun wir mit solchen Gefühlen so etwas an, sondern uns selbst.

Ich habe gerade überlegt, wie ich damals vor Jahrzehnten aus solchen Gefühlen wieder rausgekommen bin. Nun, als junge Erwachsene landete ich damals ständig in der Psychiatrie, weil ich mich wieder erfolglos suizidieren wollte. Das war die Essenz – das Ergebnis meines Hasses – er richtete sich auf mich selbst letztendlich und wollte auch mich zerstören. Eigentlich logisch, denn wenn ich die Ursache meines Hasses war (in mir war er ja entstanden) war es nur logisch ihn auf diese Weise zu bekämpfen, indem ich mich eliminierte.

Mit dem Auslöschungsversuch tötete ich auch meinen Hass, und andere als Rumpelchen, konnten wieder weitermachen. (Bis zur nächsten Enttäuschung)

Nun, es ist wohl klar, dass das nicht eine wirklich intelligente Lösung war, sie war eher sowas wie eine wiederkehrende Plage.

Die „Suizid-Lösung“ ist jetzt sehr weit weg gerückt – besonders weit, weil ich inzwischen begriffen habe, dass da andere in mir sind, die einen vorzeitigen Tod immer vereiteln werden, denn die haben ja noch gar nicht richtig gelebt. oder leben gerne. Und ohne alle mitzunehmen, die da innendrin sind, wird uns nichts gelingen. Das haben wir kapiert.

Die Sehnsucht nach der jenseitigen Welt – unserer wahren Heimat, aus der wir kamen – ist immer noch da, besonders in Krisenzeiten, aber seit ich Verantwortung für meine Tochter damals vor 38 Jahren übernommen habe, geht das nicht mehr – sich davon zu schleichen. Die alten Bewältigungsmuster wurden durch das Verantwortlichsein für dieses Wesen, das ich geboren und gewollt hatte, ausgehebelt. Seit 38 Jahren versuche ich nun mit dieser Welt und seinen Lehren zurecht zu kommen, ohne zu kneifen. Ach, wäre ich doch nicht so ein „Langschläfer“gewesen, und hätte schon eher begriffen, meine Lebenszeit zu nutzen für Konstruktives statt für Destruktives und ständig wiederholender Qual. Nun, es ist wie es ist und ich brauchte halt so lange.

Wie heißt es so wahr im Volksmund: Lieber spät als nie!

 

Alles hat seine Zeit

Zeit um Therapie zu machen und daraus zu lernen (auch wenn sie schief geht)

Zeit ohne Therapie zu sein und sich nicht mehr als Opfer zu erleben

Zeit Neues zu erkunden, anzufangen, zu wagen

Zeit Altes loszulassen, auch wenn es schwer fällt

Zeit anders hinzuschauen, nicht wegzuschauen

Zeit tiefer zu blicken, ohne sich zu verlieren

Zeit sich zu bedauern und zu weinen

Zeit – sich mutig den Herausforderungen zu stellen

Alles hat seine Zeit

Und es gab eine Zeit, wo man klein war und auf andere hören musste

und eine Zeit, wo man sich löste von anderen und eigene Erfahrungen machte

und eine Zeit, wo man sich anpasste, weil man glaubte so muss es richtig sein

und eine Zeit wo man sich lange verirrte – Umwege ging

und eine Zeit, der Befreiung und eigene Wege zu gehen

und eine Zeit um Verantwortung zu übernehmen

und eine Zeit, in der man viele Freunde hatte

und eine Zeit, wo man lieber mit sich alleine ist

und eine Zeit wo man sich und sein Tun in Frage stellt

und eine Zeit in der man endlich begreift

und es gibt eine Zeit wo man sich entscheiden muss

ob man sich weiter bedauert oder endlich aufsteht!