Aufräumarbeiten

Mir wird immer klarer warum ich Therapie der klassischen Art immer mehr ablehne. Sie macht hilflos, stellt falsche Weichen, vermittelt uns Hoffnung in eine Richtung, die für Selbstwirksamkeit eher kontraindiziert ist. Es müsste uns Mut vermittelt werden, Neues auszuprobieren, alte Gleise zu verlassen, an uns selbst zu glauben, unseren Selbstwert zu steigern, statt uns selbst immer kleiner zu machen, damit wir endlich Mitgefühl bekommen von einer bezahlten Kraft, die uns dieses schenkt.

Eine meiner Innens habe ich durch MEIN Mitgefühl erlöst, durch mein Verständnis durch meine Annahme dieses gequälten Wesens. Die damalige Therapeutin begriff nichts und ich war auch gar nicht fähig – all dieses Sein meines Innenkindes – damals zu vermitteln. Aber ich spürte es äußerst deutlich – sein Leid, seine Angst, seine Verzweiflung. Das war der Schlüssel: mein Verständnis, meine Annahme, meine intensive Beachtung und Zuwendung haben diese 6 Jährige damals befreit.

Hätte ich dieses Innenkind in der Therapiesitzung kennengelernt, (sie kam stattdessen zwischen Tag und Traum in vielen schlafgestörten Nächten) hätte ich wahrscheinlich geglaubt, dass die Therapeutin es retten müsste und es ihr überlassen es zu heilen. Das wäre eine große Enttäuschung geworden, denn ein Aussenstehender kann – selbst wenn man es vermitteln könnte – nicht das leisten, was ich an Verständnis und Mitgefühl dem Kind schenken konnte. Die Lösung lag darin, dass NUR ICH diese Arbeit leisten konnte.

Auch wenn ich oft davon las, dass die Täter doch endlich zugeben und Verständnis aufbringen müssten, dann käme die Erlösung, ich glaube das nicht und es geschieht ohnehin fast nie – höchstens noch auf dem Sterbebett des Täters.

Doch gibt es scheinbar vereinzelt DISler, die von Therapie profitieren konnten und sie vielleicht sogar lebensrettend war. So ganz habe ich noch nicht kapiert, warum es bei denen geklappt hat. Und das wirft natürlich auch die Frage auf: um welchen Preis. (Damit meine ich – ob es im Verhältnis steht – Jahrzehnte Therapie zu machen?)

Lag es nur an wirklich guten Therapeuten, die Spezialisten für das Thema DIS waren? Lag es daran, dass diese Therapeuten den Klienten eben Jahrzehnte Therapie Zeit ließen? Oder lag es daran, dass sie besonders mitfühlend waren? Oder lag es vielleicht daran, dass sie ihre Klienten sehr herausforderten schnell (?) und intensiv zu arbeiten. Lag es daran, dass sie diesen Vor-und Zurück-Tanz nicht jahrelang mitmachten? Oder lag es an den Klienten, dass die die es schafften nicht so stark geschädigt waren? Oder waren diese besonders geschädigt und hatten durch ihr vermehrtes Leid auch eine größere Motivation gesund zu werden? Oder lag es nur an der Chemie zwischen Therapeut und Klient. Da sind noch viele Fragen offen – auch die, ob nur die mit dieser Diagnose im Blog schreiben, die noch keine adäquate Hilfe in der Therapie erhalten haben. Man hört so wenig bis gar nichts von DISlern, die es geschafft haben durch Therapie. Hören die dann einfach auf zu berichten, weil der Drang sich mitzuteilen dann erloschen ist, wenn sie „durch“ sind? Und was ist mit denen, die zur gleichen Zeit wie ich hier geschrieben haben und im Teufelskreis des Leidens steckten und jetzt hört man gar nichts mehr von ihnen. Haben sie aufgegeben? Vielleicht haben sie jetzt einen Ausgang gefunden, oder wirksame Therapie oder vielleicht sind sie tot ? Solche Fragen beschäftigen mich.

Als ich die Entscheidung traf ohne Therapie mein Leben weiter zu leben, hätte ich auch nicht mehr auf dem bisherigen Blog (MelinasBlog) DIS-Blog weiterschreiben können/ wollen. Ich wollte aber auch über den neuen Weg berichten, weil Schreiben für mich ein sehr gutes Medium ist und so verschwand ich nicht einfach, sondern verabschiedete mich und betrat einen anderen Weg der Weiterentwicklung und gründete diesen neuen Blog.

 

 

Anders als gedacht….

Bei Sophie0816 (grade bemerke ich zum ersten Mal die Bedeutung dieser Bezeichnung) habe ich vor kurzem einen Satz gelesen, der mich sehr berührt hat:

Alles die Veränderung betreffend wahrzunehmen, das meine Möglichkeiten ganz woanders liegen, als ich dachte. Das mein Leben ein anderes ist als ich dachte. Das alles was ich dachte zu wollen und zu müssen und zu brauchen, nicht wahr ist.“

Ja, als ich dachte – so ist es bei mir auch gewesen…. Ich hatte einen Weg vorgedacht, der mich in die Irre führte und jetzt, nach meiner Entscheidung, diesen Weg zu verlassen, die bekannten Gedanken und Wege ernsthaft zu verlassen und mich konzentriert daran gemacht habe, das Neue einzulassen – ist beinahe sowas wie ein Glücksgefühl bei mir eingekehrt – eine Faszination bezüglich meiner neuen Möglichkeiten, die ich mir vorher nicht mal vorstellen konnte. Und es ist so leicht (wenngleich auch schwer, die alten Muster nicht wieder einhaken zu lassen) und spannend, all die kleinen notwendigen Schritte zu gehen und sie einzulassen in meine Seele.

Nein, ich will keinen falschen Eindruck erwecken, mit leicht meine ich, dass wenn man diese neuen Schritte und Wege geht – im vollen Bewusstsein, dass es so viel leichter ist sie zu gehen, als die Schmerzenswege von früher in den ewigen Wiederholungen.

Gleichwohl weiß ich, dass es diese „Schmerzenszeiten“ irgendwie nochmal brauchte – dass diese mich letztlich zum betreten neuer Wege brachten – wir hatten es einfach satt zu leiden, zu leiden, zu leiden….. Wir sind immer schon gut im leiden gewesen, hatten eine enorme ‚Leidensertragsfähigkeit‘ – hm, halt gewohnt und in der Kindheit gelernt – gründlich.

Und um den Weg zu gehen, den ich jetzt vorwärts gehe – in meinem Tempo – habe ich alles genutzt, was mir begegnet ist, Menschen und ihre Aussagen, Methoden wie Selfeggio-Frequenzen,  (wer weiß ob diese nicht unmerklich den Weg für mehr Öffnung bereitet haben) EFT, Gespräche, kluge Blogbeiträge, Spirituelles, Vorträge von Menschen, die auf dem spirituellem Weg sind, Glaubenssätze-Arbeit, Hermetik – Gesetze des Lebens, meinen Mut benutzt, Umschreibgeschichten, Rückblick gehalten, Achtsamkeit geübt, Systemische Aufstellungen…. u.v.m. Ich habe so viel Hilfreiches gefunden, mich dafür geöffnet, und habe nicht mehr nur in eine Richtung gestarrt und meine Komfort-Zone verlassen.

Ich danke meinem gesamten System für diese Zusammenarbeit!

 

 

Diktatur der Vergangenheits-Ära beendet

VERGANGENHEIT!!!! Genau | Freedom | Lebensweisheiten, Sprüche ...

Ja, es ist wichtig zurück zuschauen. Im Rückblick erkennst du erst die Zusammenhänge, die für das Jetzt und die Gestaltung der Zukunft wichtig sind.

Eigentlich ist es so, dass ich meine Blindheiten, meine unguten, gruseligen Wiederholungsschleifen,  meine unnötigen Umwege – erst im Rückblick erkenne. Und da muss ich mich echt am Riemen reissen, dass ich mich für meine mangelnde Weisheit nicht noch nachträglich verurteile.

Diese neue Phase ist sowas wie ein Reinigungsprozess und Abschied von alten Fehlern. Dafür ist es wirklich gut diesen Blog zu schreiben, dazu zu stehen, dass ich streckenweise in schmerzhaften Teufelskreisen ohne Ausgang steckte. Würde ich all das nur denken, was ich in den letzten Wochen geschrieben habe, wäre es vielleicht in der Flut von täglichen (unwichtigen) Gedanken untergegangen, so haben diese Veränderung mehr Gewicht und können von alten Gedankenmustern nicht wieder so schnell überschrieben werden

70.000 Gedanken fabriziert der Mensch pro Tag

70% flüchtige, nebensächliche Gedanken 

27% negative, destruktive Gedanken 

3% positive, aufbauende, kreative Gedanken

Und diese 3 % will ich festhalten (auch immer wieder nachlesen können) und fördern. Es gibt Internetseiten, wo das noch größer geschätzt wird – oder auch ein wenig kleiner. Das spielt keine Rolle. Ich will den flüchtigen, nebensächlichen Gedanken keinen so großen Raum mehr geben und erst recht nicht den negativen und destruktiven 27 %,

Ich habe mir da einen Trick angeeignet: Jedesmal wenn ich einen negativen oder destruktiven Gedanken bemerke (das erfordert wirklich Achtsamkeit) setze ich sofort einen positiven Gedanken dagegen oder hinterher – und so gleiche ich aus. Das erfordert zwar Disziplin, aber es verhindert sehr in die negative Gefühlsspirale zu rauschen. Zwar klappt das nicht immer – manchmal ist man einfach unachtsam – oder zu aufgeregt, um sich konzentrieren zu können – oder man nimmt sich auch mal voll bewusst die Freiheit sich mal aufzuregen und sich über jemanden oder etwas negativ zu äußern. Aber der Vorteil ist, dass man immer bewusster wird und schneller merkt wann die Automaten in uns wieder gewohnheitsmäßig loslaufen.

 

 

 

 

 

 

 

Neue Lektion

Nach meinem kürzlichem Einbruch in alte Seinsgefühle, ist eigentlich etwas Wunderschönes passiert. Zu erleben, wie diese Freunde reagierten- die ihn mitbekamen und (z.T. auch diesen Absturz unwissend und ganz sicher ungewollt durch ein paar Worte ausgelöst hatten und der Tatsache des selbstverständlichen Helfens –  sprich Abhängigkeit von blöden Umständen) war ein sehr intensives, tiefes Erlebnis für mich. Ihr Verständnis und die Akzeptierung meines etwas aufgeweichten seelischen Zustand  war im Nachhinein so was von hilfreich. Mir war ja nix anderes übrig geblieben als mich zu zeigen, um nicht völlig unverständlich irre dazustehen (nah an Tränen z.Bsp.) weil ja für diese hilfreichen Freunde gar kein Grund zu erkennen war, was mit mir los war. Ich öffnete mich und konnte so was von deutlich spüren – wie vorsichtig und verständnisvoll und nah sie mir rückten – durch ihr da sein – ohne zu urteilen und ohne Versuche mir meine unnötige Sicht- und Fühlweise auszureden oder mich abbringen zu wollen von den nicht zur Situation passenden Gefühlen. Keine Kritik, war zu hören, nur das ein wenig schnoddrige, scherzhafte: „Haste heut Nacht wohl schlecht geschlafen“ und nach dem öffenenden Gespräch mit meinen Erklärungen, dann das ruhige, niederschwellige Beruhigungsangebot: „Ich sag Dir schon wenn es mir zuviel wird, da kannste Dich drauf verlassen“. Und die Freundin, die mir von ähnlichen Gefühlen, die sie auch schon öfter hatte, erzählte und mir mitteilte, dass wir gar nicht so unterschiedlich wären und mich von der besonders ‚irren‘, übersensiblen“ Reaktion in die Realität zurückholte. Damit verwandelte sich plötzlich alles in einen Normalzustand – und da war plötzlich nicht mehr dieses Gefühl von, ich bin so verrückt, so krank…. nein – sondern in einen völlig menschlich normalen Zustand, der Schwäche, den man in bestimmten Situationen halt hat.

Das ist wirklich schwer zu erklären…. aber es war eine so wichtige Erfahrung für mich, die ich auf diese Weise noch nie erlebt hatte. Und das Tollste war – ich spürte die Freundschaft zwischen uns noch tiefer, die Verbundenheit verstärkte sich mit diesen beiden Menschen – noch mehr – UND ich konnte es annehmen. Wow!

Ich bin so dankbar für dieses Geschenk – das Geschenk spüren, erleben zu dürfen, dass ich schwach – nicht gleich krank bin, nicht gleich irre, nicht unnormal, nicht mehr dazugehörig – nein ganz normal war – und es schwang ganz deutlich mit dieses: Hey, das ist ganz normal, das kann jedem mal passieren.

Das war echt neu! Und es war kein großes Drama im Außen – es waren klitzekleine Veränderungen in meiner Wahrnehmung und des Annehmenkönnens meiner selbst.

 

 

Hilfen annehmen so schwer

Heute hatte ich einen „Einbruch“ – und ich fragte mich warum ausgerechnet heute. Gut die Hitze unter der leide ich – schon viel zu lange – es zermürbt. Aber eigentlich war es nicht die Hitze, es waren mal wieder Worte, die mich ankratzten, mich auf alte Gefühle der ‚Ungenügendheit‘ warfen.

Manchmal braucht es nicht viel, dass ich mich eben ’nicht genügend‘ fühle, überflüssig, abhängig…. Ich habe hier ein sehr liebes Paar, mit dem ich befreundet bin seit vielen Jahren. Seit meinem Unfall ist es sehr nah geworden und in meinem desolaten Zustand nach der OP brauchte ich wirklich Hilfe und war und bin überaus dankbar dafür. Und er hilft mir bei handwerklichen Dingen (für die ich kein Geld habe), aber nicht nur da, auch im Garten, den ich alleine so nicht mehr bewältigen könnte. Er fährt mir auch die schweren Einkaufsdinge und trägt sie mir hoch in den 2.  Stock usw. Durch die Hitzewelle jetzt (auch schon die erste) brauchte ich die beiden praktisch täglich, weil der Weg zum gießen im Garten kaum noch für meinen Kreislauf zu schaffen war. So holten sie mich jeden Abend ab im klimatisierten Auto – wo sie doch eigentlich lieber aus CO2 Einspargründen sonst mit dem Roller fahren. Und in der Küche hat er auch 3 Nachmittage geschuftet, um mir bei der notwendigen Umgestaltung zu helfen (mit Bohrmaschine und Säge). Ich kann hier gar nicht alles aufzählen was da in den Jahren an wunderbaren Hilfeleistungen zusammen kam. (Ganz zu schweigen von den guten Gesprächen, die geführt wurden und man angenommen wurde – gesehen – wie man ist.)

Und es fällt mir soooo schwer Hilfen anzunehmen – und da es jetzt einfach ziemlich viel davon auf einmal war – kamen die alten Gefühle hoch – von Unzulänglichkeit, nichts taugen, zu abhängig, Klotz am Bein, sich schuldig fühlen, weil man nicht genug Möglichkeiten hat, all die Hilfe zurück zu geben….

Außerdem hat es mich auf die Tatsache gestoßen, dass wir dem ins Auges sehen, dass wir den Garten, nicht mehr lange bewältigen können – körperlich – und schon gar nicht mit solchen Sommertemperaturen. Die Endlichkeit kam näher, das Loslassen von geliebten Gewohnheiten – wieder ein Stück verabschieden von der früheren Stärke. Die Vorstellung meinen Garten für immer zu verlieren ist für mich wirklich grausam, wo ich ein so naturverbundener Mensch bin und nicht mal einen Balkon habe.

Zu allem Überfluss war auch der Vater meiner Tochter wieder für einige Tage aus Afrika angereist und der Abschied hat mich natürlich auch wieder gebeutelt. Diese tragische Beziehungsgeschichte von den „Königskindern, die zusammen  nicht kommen konnten“ geht nun schon über Jahrzehnte. Jedesmal denken wir, dass es nun das letzte Mal war, dass wir uns gesehen haben.

Ja, vielleicht ist da auch ein Zusammenhang mit Sybilla und ihrer Traurigkeit.

Es spielt keine Rolle mehr…. Rückschau

Manchmal ist es nötig anzuhalten und zurück zu schauen, um seine Fortschritte genauer in den Blick zu nehmen, sie auch zu bemerken.

Komisch… vor fast 6 Jahren erhielt ich damals die Diagnose DIS und weiß dass ich Viele bin. Das hat mich/uns ganz schön durcheinandergewirbelt. Sich so zu erkennen, sich so zu betrachten war neu, aber durchaus auch hilfreich und erleichternd. Denn vieles erklärte sich damals z.B., dass ich nicht verrückt bin, nur eben, dass ich welche in mir hatte, die so reagierten, dass sie irgendwie nicht zu mir passten, nicht meine Art waren und unverständlich waren – für einige in mir und wir Erklärungsnot hatten, sogar vor uns selbst.

Nach der Diagnose lernten wir erst mal uns ‚auseinanderzudividieren‘, wir lernten uns kennen – besser, aber auch verwirrender und verglichen uns mit anderen mit dieser Diagnose im alten Blog (MelinasSchreibfamilie) mit anderen mit dieser Diagnose, und in der Literatur, die sich mit diesem Thema beschäftigte. Und als wir uns getrennt beäugten lernten wir viel, auch über die Gründe unseres ‚Soseins‘. Es waren so viele Informationen, die plötzlich über uns hereinbrachen, die wir nicht mehr sofort verarbeiten konnten.

Erst war da die Phase, des Vergleichens, in der wir vieles fanden in anderen Schilderungen- aber mindestens ebenso vielem, wo wir unterschiedlich waren. Sehr verwirrend. Unsere Suche nach der Wahrheit, nach unserer wahren Identität in diesem Wirrwarr, brachte uns in durcheinanderbringende Zustände. UND ERST MAL WURDE ALLES – WIRKLICH ALLES SCHLIMMER. Wir wurden Spielball unserer Gedanken, undefinierbaren Gefühlen – Ängsten und Befürchtungen, aber auch Hoffnungen. Wir erlebten eine diesmal (nicht wie in der Kindheit) bewusstere Art von Vergangenheit. Sie rückte so nah, dass wir uns total in ihr verloren und auch in der Hoffnung eines Kindes, doch endlich das zu erhalten, was wir uns ersehnten und als Kind gebraucht hätten und es trotzdem damals nicht zu denken und zu fühlen erlaubt war, weil uns diese immer wieder enttäuschte Hoffnung sonst getötet hätte. Denn sie hatte sich nie erfüllt – nicht erfüllen können mit diesen „Eltern“ – in diesen damaligen Umständen in der Kindheit. Damals wurden wir zu einem Tierchen, das keine Gefühle hatte und kein Denken – wir lebten absolut im Jetzt – ohne Reflexion und ohne einen Blick auf Zukünftiges werfen zu können. Wir lebten in einer Art Stillstand und konnten nicht wachsen und uns entwickeln.

Mit 17 erwachten wir zum ersten Mal zum Denken. Das mag spät sein, aber es rettete uns das Leben und gleichzeitig fingen damals so richtig die ‚Sterbenwollen-Zustände‘ an. Wir versuchten uns in immer kürzeren Zuständen umzubringen. Dieses Erwachen war einfach zu schwer.

Das zweite Erwachen war als ich mich in den Vater meines zukünftigen Kindes verliebte, niemals zuvor, hatte ich mich derart in eine Beziehung eingelassen. Ich spürte deutlich, dass er MEIN Seelengefährte war und ich seine. Aber die Umstände waren sehr unglücklich – Kontinente trennten uns die letzten 37 Jahre. Aber wir hielten über die Jahrzehnte den Kontakt und jedesmal, wenn er zu Besuch kommt – oft nach Jahren Stille – ist es als wäre er gerade von der Arbeit heimgekommen – so vertraut sind wir uns.

Wir haben uns jedesmal wenn wir wieder mal Abschied nahmen gesagt, dass wir das nächste Mal – im nächsten Leben – ein besseres Timing brauchen. Aber unser Wunschkind verbindet uns für alle Zeit. Und meine Tochter alleine groß zu ziehen, beschleunigte mein 2. Erwachen enorm.

Das dritte Erwachen war die Diagnose – nachdem unser schlimmer Unfall, alles zu Tage brachte, was wir energieraubend immer unter der Bewusstseinsgrenze hielten. Dieses erwachte Grauen hielt uns lange in der Hilflosigkeit, wo wir dachten, wir könnten nur noch existieren, wenn wir von Außen Hilfe bekämen, durch Therapie. Wider besseres Wissen!  (weil wir ja in den jungen Erwachsenenjahren schon so viel von jener – alles schlimmer machenden „therapeutischen Medizin“ erhalten hatten, die wir deshalb jahrzehntelang bereits als unwirksam eingeschätzte Hilfe abgeschafft hatten). Das Kindheitsgefühl von Hilflosigkeit, die Sehnsucht danach (die wohl jedes Kind in sich trägt), dass Eltern es lieben, ihm das geben was Kinder zum Leben brauchen – erwachte von Neuem, wie schon in den jungen Erwachsenenjahren, in denen wir auch wieder und wieder enttäuscht wurden, und die nötige Hilfe ausblieb um das Elend in uns zu beseitigen.

Wieder landeten wir in der alten Schreckenskindheit ohne wirkliche Hilfe zu bekommen. Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung….. Solche alten Wunden heilen nicht durch Wiederholung und Wiederbelebung der damaligen Gefühle! Sie heilen nicht durch das wiedererwachende Gefühl zu spüren (durch flashbacks und Fühlen was damals geschah, ebenso wenig wie das bewusste Durchleiden der damals für ein Kind nicht lebbaren Verhältnisse – ohne Liebe, ohne Hilfe, ohne Verständnis aufzuwachsen und sogar noch Objekt des Hasses zu sein) – nein – es heilt durch das Begreifen, dass das Damals nicht ‚wiedergutgemacht‘ werden kann, indem wir es noch einmal erleben, durchleben. Aber es war vielleicht notwendig, um zu lernen die Vergangenheit zu akzeptieren und sich dann zu verabschieden von ihr – für immer – endgültig – sie loszulassen und die Lehren daraus mitzunehmen, in den Rest des noch verbleibenden Lebens.

Wenn ich ab und zu einen alten Beitrag aus Melinas Schreibfamilie Blog lese, wird mir bewusst, wie sehr ich mich verlaufen – und verloren hatte, in einer illusionären Wunschwelt nach „Wiedergutmachung“ – nach Heilung – dieser alten Wunden. Ich habe die Sehnsucht gefüttert, dass meine Kindheit – und die ganzen Schäden daraus – ungeschehen gemacht werden könnten, dass mein Leben ohne diese Altlasten viel besser verlaufen könnte, dass durch späte Hilfe (von Außen) ein Reset erfolgen könnte.

Dies hier ist mein einziges Leben (hier auf dieser Erde) und ich habe es intensiv gelebt und all meine Kraft eingesetzt, die mir zur Verfügung stand und ich habe am Ende gelernt, dass alles so ist wie es ist und dass wir nur die Macht haben es zu akzeptieren und daraus zu lernen, was uns diese Lektion lehren kann.

Wir sind an einem Punkt angelangt, wo wir erkennen, dass wir eigentlich (wenn wir höher entwickelt wären, weiter und klüger vielleicht auch) ebenso gut nichts tun hätten können, denn es käme auf dasselbe heraus. Unser Lehrprogramm war uns zu erforschen wer wir wirklich sind und zu erkennen, dass wir das schon immer waren.

Mir fällt da gerade wieder eine Metaphergeschichte ein:

Des Meisters letzte Frage

Der junge Mann hatte schon viel gelernt, er war auf den angesehendsten Schulen, hatte verschiedene Meister besucht und unterschiedliche Lehren studiert. Da hörte er eines Tages von dem alten Meister hoch oben im Gebirge. Also beschloss er dorthin zu gehen. 

Er packte seine sieben Sachen, verabschiedete sich, und ging früh am Morgen los. Er ging den ganzen Tag und die ganze Nacht. Früh am Morgen kam er an. Der Meister saß vor seiner Höhle, er lächelte und er trank Tee. Der junge Mann setzte sich zu ihm und erzählte, was er schon alles gelernt hatte. Nach geraumer Zeit schloss er mit der Frage: „Meister, kannst Du mich jetzt lehren?“ 

Dieser lächelte, wartete einen Moment, und antwortete: „Geh zurück nach Hause, und komm in einem Monat wieder.“ Den gesamten Rückweg fragte sich der junge Mann, was er falsch gemacht haben könnte. Zu Hause diskutierte er das weiter, mit Freunden, Lehrern, jedem, den er gerade traf. Nach einem Monat ging er wieder hoch in die Berge zum Meister. Er ging den ganzen Tag und die ganze Nacht. Früh am Morgen kam er an. Der Meister saß vor seiner Höhle, er lächelte und er trank Tee. Der junge Mann setzte sich zu ihm, und erzählte, was er glaubte, beim letzten Male falsch gemacht zu haben. Nach geraumer Zeit schloss er erneut mit der Frage: „Meister, kannst Du mich jetzt lehren?“ Dieser lächelte, wartete einen Moment, und antwortete: „Geh zurück nach Hause, und komm in einem Monat wieder.“ 

So gingen mehrere Monate ins Land. Eines Morgens kam der junge Mann wieder vor der Höhle des Meisters an. Der Meister saß vor seiner Höhle, er lächelte und er trank Tee. Der junge Mann setzte sich zu ihm, lächelte, und schwieg. 
Nach einer Zeit sagte der Meister: „Jetzt bist Du bereit. In ein volles Glas kann ich nichts füllen“. –

Wieder gingen mehrere Monate ins Land. Eines Morgens sagte der Meister zu seinem Schüler: „Jetzt habe ich nur noch eine Frage, wenn Du die Antwort weißt, kann ich Dich nichts mehr lehren… 

Wenn Du ein Glas mit Wasser trinkst, was bleibt hinterher am Boden?“

Manchmal ist es wirklich so, dass wir ‚beschäftigt‘ werden müssen, uns ‚austoben‘ müssen – mit und bei allen möglichen Dingen und Zuständen – ehe wir unsere Wahrheit – unsere Essenz erkennen.