Gestern las ich …

„Hitzewellen kosten nach Schätzungen Tausenden Menschen in Deutschland das Leben. «Man sieht, dass vor allem in den Altersgruppen 75 bis 84 und über 85 Jahren ein besonderes Risiko besteht», sagte Matthias an der Heiden vom Robert Koch-Institut in Berlin der Deutschen Presse-Agentur. Mit einer aktuellen Zunahme der Todesfälle in Deutschland wegen der Juni-Hitze sei zu rechnen.“

Mehr davon ist hier zu lesen: Nachrichten

Heute soll bei uns der heißeste Tag bei uns werden – na danke! Ich werde ihn überstehen! Ich bin ja auch noch nicht 75 und gehöre nicht zur ‚Hauptrisiko-Gruppe‘ der Hitzetoten. Was nicht heißt, dass es einen nicht auch schon früher erwischen könnte.

Ich hatte zu diesem Thema so Gedanken wie; die wollen uns Alten umbringen mit dem Nichtstun gegen den Klimawandel. Na ja, auch eine Lösung – nach dem Motto: „die Starken werden überleben….“

Na, ich bin aber heute drauf… Hitze zermürbt mich und auch wenn es jetzt ein wenig kühler werden sollte – nächste Woche – die nächste Hitzewelle rollt schon auf uns zu. Das ist nicht lustig, weil ich dann nur noch inaktiv sein kann, rumfletze und mir so schweißtreibende Zeiten jede Aktivität vermiesen. Und gestern habe ich mir auch noch zu allem Überfluss den Film „Hachiko“ (Eine wunderbare Freundschaft) reingezogen – was habe ich geheult. Solche Treue bringen wohl nur Hunde fertig, wir Menschen sind dazu gar nicht fähig.

He, ich habe wohl grad einen Durchhänger, ob wohl ich doch weiß, dass (schließlich kenne ich doch die Metapher-Geschichte von den 2 Wölfen) man damit dem einen Wolf erlaubt mehr zu fressen – indem ich ihn füttere – und ich diesen Zustand nur weiter ausbaue. Nun, vielleicht ist es ja auch mal nicht schlecht – sich bewusst: hängenzulassen. (Vorausgesetzt, man bleibt nicht allzulange darin hängen)

Oh ja, dieser Zustand wäre durchaus ausbaufähig: das Leben ist doch sinnlos… lohnt sich eh nicht mehr….. Weltuntergangsszenarien herauf beschwören – ach ja…. diese Depression ist sicher eine Traumafolgeerscheinung… ein Beweis, dass ich niemals heile werden kann… in der Vergangenheit habe ich als Kind auch immer gelitten unter der Hitze… hatte Atemnot und Erstickungsangst…. und der schlimmer Sommer damals vor 35 Jahren wo ich in die Psychose glitt… war es da nicht auch besonders heiß? …

Oh da fiele mir doch eine ganze Menge dazu ein. Manchmal hilft es ja vielleicht ganz rein zu steigen, in die schrecklichen Gefühle (nur munter hindurch) so wie Silke Szymura in ihrem Buch . Na, das war heute nicht grade ein so aufbauender Text aber vielleicht besser als die komischen Texter „vom Wort zum Sonntag“.

 

 

Das Auf und Ab des Lebens

Es gab mal eine Zeit in meinem Leben – als ich aus der letzten Psychosomatischen Klinik (die ich mit 28 Jahren verlassen habe) kam – wo ich eigentlich keine Therapie hatte, (man erkannte nach einigen Versuchen in den Therapiegruppen, dass solches nur alles schlimmer machte – schon damals 1979 war denen klar, dass das Anrühren der Vergangenheit mich lebensuntauglich machte) da fühlte ich mich sehr mächtig. Sozusagen der „Herr im eigenen Hause“ war. Ja, ich war so umgepolt worden (von einem lebensunfähigen Menschen, sich ständig suizidieren-wollenden Menschen, unfähig in dieser Welt zurecht zu kommen, von einer Katastrophe in die andere stürzenden jungen Frau) in einen Menschen, der voll Zuversicht aus der Kliniktüre schritt hinein, in mein völlig neues Leben.

Ich frage mich heute noch, wie die das geschafft haben (wohlgemerkt ohne Therapie). Sie sagten mir damals schon ich solle keine Therapie machen. Ich hatte es zwar nie verstanden warum nicht und es gab (leider) Zeiten immer wieder…. wo ich es ihnen nicht glaubte (und eigentlich immer wieder zum gleichen Ergebnis kam) und erneut die Erfahrung machte, dass sie recht hatten. Alles wurde immer schlimmer und mein Absturz war eigentlich auch immer der selbe „ich konnte und wollte nicht mehr leben“. Was ist an Therapie so tödlich für mich? ICH WAR VON ANFANG AN NICHT GEWOLLT! Das war so stark und alles endete immer an diesem Punkt, was ja eigentlich zum Leben helfen sollte, kehrte sich um.

Wenn ich könnte, ich würde durch die Straßen auf der ganzen Welt laufen, mit einem Megafon, und unentwegt hinein schreien: „Kriegt nur Kinder, wenn ihr ihr es auch wirklich wollt! Ihr habt keine Ahnung was ihr diesen ungewollten Wesen antut!

Aber zurück zu dem, was ich eigentlich in diesem Beitrag mitteilen wollte. Diese letzte Psychosomatische Klinik, hat bei mir einen tödlichen Kreislauf durchbrochen – durch Nichttherapie! Ich bekam reichlich Sonderbeschäftigungen, während der Therapie-Gruppen-Stundenzeit für die anderen, ansonsten war ich immer eingebunden in den sonstigen Abläufen im Hause (Sport, gemeinsame Sitzungen bezüglich Hausinternas). Ich konnte mich frei bewegen, spazierengehen, raus in die Natur, mit anderen lachen und Ausflüge machen …. nur zu den Essenszeiten musste ich pünktlich das sein. Ein wichtiges Ritual war in diesem Haus (zur damaligen Zeit für Aussenstehende sehr befremdliches Verhalten) immer und überall sich zu umarmen – lange und ausdauernd – wie man es halt wollte. Das war ich nicht gewohnt! Da brauchte ich lange, bis ich das tun konnte. Aber ich war dort 7 Monate und ich lernte es schließlich doch – (übrigens sexuelle Beziehungen untereinander waren therapeutisch verboten – und man flog raus, wenn man sich nicht daran hielt) und zwar außerordentlich gut, ich war Meisterin darin geworden und liebte dieses „Bäuche-fühlen“ (wie ich es nannte). Mein Bauch wurde dann ganz weit und ich verschmolz auf eine nie vorher gekannte Weise mit dem Anderen. (Es fühlte sich an – als würde die Vorderseite meines Gegenübers sich auftun und mich miteinschließen und hinter mir wieder zu gehen – völlige Geborgenheit.) Manchmal standen wir sogar in 3-5er Gruppen ganz eng zusammen – gaaanz lange und fühlten uns. So zeigten wir uns unsere Sympathie und trösteten uns und andere. Vielleicht war das sogar das Heilsamste in dieser Klinik. Wer weiß!

Ich muss grad an Dami Charf denken, die eigentlich sagt, dass Therapie nur sinnvoll ist, wenn man den Körper mit einbezieht.

Und wieder zurück zu dem, was ich eigentlich mit diesem Beitrag ausdrücken möchte: Damals als ich diese wunderbare Klinik verließ, (die es leider nicht mehr gibt) voller Tatendrang und Freude auf ein neues Leben voller Überzeugung, dass es mir von nun an immer gut gehen würde – stürzte ich dann doch noch einmal ab – DENN EIN LEBEN NUR IMMER OBEN GIBT ES NICHT. Ich kehrte für ein paar Tage zurück in die Klinik – zu Besuch – wo ich erst lernen musste, dass ich etwas noch nicht richtig verstanden hatte. Nämlich, dass das Leben eben schwingt – auf und ab – und dass das ein natürlicher Zustand ist. Als ich das begriff, war wieder alles gut! Und ich hatte die letzte Lektion gelernt, die ich für mein weiteres Leben nach der Klinik, lernen konnte.

Auch jetzt in dieser „Selbstwirksamszeit“ nach der letzten gescheiterten Therapie – darf ich nicht wieder der Illusion trauen, dass ich nun immerzu selbstwirksam bleiben  kann. Es wird Zeiten geben, wo mein Lebenswägelchen wieder nach unten fährt – vielleicht weil es wieder etwas Neues zu lernen gibt, was ich noch nicht weiß, oder was ich vergessen habe. ❣

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Die richtigen Fragen?

Zur Zeit geht es in den DIS und Co. Blogs um das Thema, was sie nicht können….. Darauf habe ich bei einem sogar den Tipp als Kommentar geschrieben: vielleicht mal schreiben was man alles kann?

Nur zum Vergleich (und zum „Spaß“) beschäftige ich mich mal mit allem (was übrigens einige schreiben was sie können und ich nicht) was ich nicht kann, bzw. nicht können will, weil es mir einiges abfordert:

Zum Zahnarzt gehen (bin schon über 2 Jahre nicht gewesen, hab zum Glück immer nur Zahnstein, weil ich meine Zähne ordentlich pflege, und da gibt es recherchierte Mittelchen, die den Zahnstein helfen fernzuhalten). Ich tue mir arg schwer um rechtlich mir zustehende Mittelchen einzufordern (z.B. alle 3 Wochen zum Physiotherapieschein abholen, immer die selben Sprüche: Aber Sie sind doch erst vor 3 Wochen da gewesen…. (Dabei bin ich außerhalb des Regelfalls wegen meines Unfalls.) Auch den Wohngeldantrag stellen – kostet mich unglaubliche Überwindung, überhaupt das Betteln bei den Ämtern, sich bürokratisch immer wieder aufs Neue „nackig“ machen. Manchmal verzichte ich lieber auf mir Zustehendes, obwohl ich es bräuchte, weil meine Rente so klein ist und kein versorgender Ehemann da ist. Also für mich kämpfen geht irgendwie gar nicht.

Zu Ärzten gehe ich so gut wie nie – Vorsorgeuntersuchungen auch nicht – zum Frauenarzt war ich seit der Schwangerschaft nicht mehr – das ist der Horror – überhaupt meide ich die Ärzte wo ich kann. Den KG-Schein hol ich bei der Vorzimmermamsell ab. Für mich kämpfen mag ich nicht – da kommen bei dem blöden Gewäsch der machthungrigen BeamtInnen z.B. immer meine Verteidiger raus, das ist nicht lustig – für beide Seiten. Alles was Stress macht versuche ich zu vermeiden – geht ja jetzt im Rentenalter immer besser. Man sagt einfach man ist schwach und krank und schon klappts – glaubt einem jeder.

Doch viele Jahrzehnte habe ich alles gemacht was eine Mutter eben tun muss – für andere konnte ich schon immer gut kämpfen – für mich nie. Ich weiß nicht wie viele tausende Tage ich mich mit Grauen in die Arbeit geschleppt habe, völlig ausgepowert, krank, in schlechtes Arbeitsklima, morgens um 4 in den Frühdienst oder halb tot wieder um 6 Uhr morgens nach Hause. Und da habe ich auch gekämpft für uns alle für bessere oder gegen unhaltbare Arbeitsbedingungen, für Schwächere, die sich nie wehrten… eine endlose Liste. Aber für mich ist mir die Mühe immer noch nicht wert zu kämpfen – leider habe ich das noch nicht gelernt.

Ja, ich kann immer noch nicht um etwas bitten, fällt mir extrem schwer, aber ich überwinde mich, denn alle Menschen sind irgendwann aufeinander angewiesen, ich bezahle lieber, will niemand etwas schuldig sein, lieber nicht bitten. Ja, das kann ich immer noch nicht.

Nein, ich will nicht länger suchen – dort wo ich noch viele Sachen finden könnte, was ich immer noch nicht kann. Ich will den Fokus auf das richten, was ich inzwischen recht gut kann, vielleicht nicht perfekt, aber gut und ausreichend und noch haben wir Zeit auch noch etwas dazu zu lernen, etwas Neues auszuprobieren und mich mutig in neuen Situationen zu bewähren – mich messen ob ich stärker bin als meine Angst und meine Trägheit.

 

Umschreibgeschichte 6

So, das ist die letzte Umschreibgeschichte, die ich hier veröffentlichen werde – aber natürlich werde ich weiter umschreiben…. denn ein Geheimnis von Veränderung ist, dass man dranbleiben muss – bis genug Neues sich etablieren kann.

Die Hässlichkeit

ist immer da für Amelie. Die Mutter erzählte immer wieder, wie krebsrot, faltig und hässlich die kleine Amelie war, als sie geboren war. Amelie saugt es auf, wie Kinder es eben tun.

Ja, sie war hässlich. Später als sie schon zur Schule ging und die Gemeinschaftsbilder der Klassen gemacht wurden – fand sie es bestätigt. Sie versuchte bei der Aufstellung zum Fotografieren immer möglichst hinten zu sein. Meist gelang ihr das auch, sie war in sämtlichen Klassen meist eine der Größten und standen in der hinteren Reihe dabei. Im Turnen immer die Größte, und das war fatal, weil sie als erste auch die Übungen immer vormachen musste. Meist endete das in Gelächter ihrer Mitschüler, denn sie schaffte es fast nie sich so zu konzentrieren, dass sie die Erklärungen der Sportlehrerin verstand. Da war es unvermeidlich es falsch zu machen und auch die zerrissene, nicht der damaligen Zeit angemessene Turnkleidung war Thema zum Gespött. Amelie kannte Scham in vielfältiger Weise, sie kannte wenig schamfreie Zonen in ihrem Leben. Sie spürte die Blicke der Nachbarn auf der Straße wenn sie zur Schule ging und zurück kam. Sie wusste, dass die Schreiereien, die aus dem Haus kamen, aus dem Mund ihres Stiefvaters, der viele unflätige Worte benutzte, die Nachbarn mitbekamen und sie schämte sich.

Im Wald schämte sie sich nicht, dort gab es keine eigenen Äußerlichkeiten, dort war sie so wie sie eben war. Die Tiere beurteilten sie nicht und es gab keine Spiegel und vor allem keine schlimmen, abwertenden Worte. Es gab für sie auch keine hässlichen Tiere oder Bäume, alles war in ihrer Natur einfach so wie es war.

Amelie bekam die abgelegten Sachen ihrer Schwester, die ja 6 Jahre älter als sie war. Die Farben auf den Kleidern waren ausgebleicht und bestenfalls geflickt. Lange hielten die  Kleider nicht bei ihr, selten blieben sie unversehrt auf den langen Streifzügen durch Wald und Flur und wenn man nur einmal die Woche ein neues Kleid anziehen durfte, so war das Kleid schnell verschmutzt und hatte Risse vom letzten Baumklettern, die natürlich gekonnt verborgen wurden vor Mutters Auge, die sonst wieder Ohrfeigen setzte und schlimme Worte sagte. In der Schule dann gelang es ihr nicht immer den Schmutz und die Risse zu verbergen. Wenn Amelie an die Tafel musste, hielt sie den Atem an, machte sich halbtot, denn sie wusste was jetzt kam. Zusätzlich zum „Nichtlösen der Aufgaben“ kam auch das Gelächter wenn die Lehrerin oder der Lehrer darauf hinwies, dass die Mutter wohl nicht nähen und waschen könne oder noch schlimmeres.

Ein hässliches Kind ist es nicht wert saubere, ordentliche Kleidung zu haben, das war Amelie längst klar. Froh war sie als die Neue in die Klasse kam. Roswitta hieß sie und hatte rotes Haar und war extrem dick. Sie wohnte in einem Bauernhaus und stank immer nach Kühe und Schweiß. Ihre Fingernägelränder waren sehr schwarz und auch sie trug alte, verschmutzte Kleider. Amelie lachte nicht mit über die Misslichkeiten dieser neuen Schülerin, aber sie war froh, dass der Fokus einmal nicht auf ihr lag, aber sie litt trotzdem mit, denn Roswitta spiegelte ihre eigene Scham und Hässlichkeit und den tiefen Schmerz.

Die Hässlichkeit und die Schönheit – Umgeschrieben

Die Mutter erzählt zu Hause von Amelies Geburt: „Du hättest sehen sollen, wie Amelie gleich nach der Geburt aussah. Sie war ganz rot im Gesicht, als sie zu Welt kam. Es war aber auch eine schwere Geburt, so lange musste sie kämpfen, man sah ihr die Anstrengung an.

So lernte Amelie schon von Geburt an, dass man kämpfen muss, um sich durchzusetzen. Und das tat sie auch! Sie wurde ausdauernd, mutig, gab nie auf, wenn sie sich einmal etwas vorgenommen hatte. Und sie war zäh. Eigentlich wusste sie immer genau was sie wollte und verfolgte dieses Ziel unnachgiebig. Diese Eigenschaften halfen ihr im weiteren Leben sehr, denn sie war in eine Zeit und in eine Familie hineingeboren worden, wo es nicht leicht war in dieser Welt. Aber genau das wollte sie, als sie beschloss hier auf diese Erde ihr Vorhaben umzusetzen. Sie wollte lernen, wie es ist in diesem herausfordernden Umfeld ihre Stärke zu entwickeln.

Ihre Schwester war 6 Jahre vorher in dieser Familie zur Welt gekommen und Amelie war ihrer Schwester kräftemäßig immer voraus. Das war auch leicht, denn die war das Gegenteil von ihr, fast in allen Punkten. Sie schwächelte gesundheitsbezogen von klein auf, war wenig widerstandsfähig und wurde von ihrer Mutter immer hochgepäppelt. Das war bei Amelie nicht nötig. Auch in der Schule setzte sie sich gegen ihre Klassenkameraden gut durch und war immer eine der Besten. Vor allem in Deutsch und beim Auswendiglernen war sie besonders gut. Sie schrieb gerne Aufsätze, die dann immer vor der Klasse vorgelesen wurden und die Jahreszahlen der geschichtlichen Ereignisse konnte sie sich sehr gut merken. Sport liebte sie, hatte großen Ehrgeiz darin beim Laufen immer alle zu überholen. In der Klasse war sie beliebt und tonangebend. Stolz brachte sie ihre Zeugnisse nach Hause und wurde sehr gelobt. Dank der guten Noten konnte sie später auch studieren. Sie studierte Psychologie und Medizin, denn sie wollte immer schon Menschen helfen. 

 

Allergisch

Ja, es ist wahr, man kann auch auf Menschen allergisch reagieren. Das sind Menschen, die einen triggern (d.h. uns an irgendwas – wahrscheinlich Unangenehmes von Früher erinnern). Oder wie ich bemerkt habe (und dafür bin ich echt dankbar), triggern können auch Menschen, wenn sie etwas an sich haben, das ich in mir selbst noch ablehne. Das kann etwas sein, was der Andere schon erreicht hat und ich noch nicht geschafft habe und doch eigentlich auch gerne schon leben möchte und es irgendwie noch nicht wahrhaben wollte, oder mir bislang zu schwierig war, es zu erreichen, es aber gerne auch schon leben können würde.

Ja, es gibt Menschen, die uns schon bei der ersten flüchtigen Begegnung  irgendwie reizen – zu Widerworten, zur Ausgrenzung, zum ‚aus-dem-Weg-gehen‘, die uns zuviel, zu laut, zu fordernd, zu ängstlich, zu schwach, zu nervig, zu borniert, zu schnell, zu langsam, zu penetrant, zu störend, zu langweilig, zu oberflächig, zu neugierig, unsympathisch ….. Diese Liste könnte endlos erweitert werden.

Es ist wohl eine menschliche Reaktion, dass wir etwas nach Außen verlagern, meist auf andere Menschen übertragen, was wir nicht (bei uns) sehen und wahrnehmen wollen.  Den Spiegel halt – unserer unbewussten oder verdrängten Regungen. Es ist so leicht Unangenehmes nur beim Anderen zu bemerken und so schwer, sich selbst darin zu erkennen.

Ich glaub es ist jetzt mindestens 30 Jahre her, als mir ein Spruch von Martin Gutl in die Hände fiel und ich schnitt ihn aus, kopierte ihn, und hing ihn in meinem damaligen Büroarbeitsplatz an die Wand. Er kam zu dieser Ehre, weil er mit 2 anderen Plakaten, die ich dort aufgehängt hatte (Martin Luthers „I have a Dream“ aus seiner Rede“ und dem Gelassenheitsspruch) genauso wichtig erschien.

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Deepak-Chopra

Sollte jemand das Filmchen nicht mehr rechtzeitig geschafft haben zu gucken…. Also ich habe es mir in mühsamer Arbeit – Wort für Wort – abgeschrieben.

Es war mir absolut wichtig sich damit auseinander zu setzen – auch im Sinne des Leidens durch unsere Vergangenheit.

Da ich es ohnehin für meine philosophische Gesprächsgruppe abgeschrieben habe, stelle ich es gerne zur Verfügung. Gebt mir nur Bescheid.

Manno – bin ich froh

dass ich aus den ständig sich wiederholenden Auf- und Abs, ständig neuen (nie beweisbaren) Dramen-Zirkus raus bin, den ständigen Paniken, den unentwegt um sich selbst kreisenden Gedanken, dem immer auf die Schrecklichkeiten der Vergangenheit gerichteten Fokus.

Mir fällt erst jetzt so richtig auf, wie frei sich mein Leben ohne Therapie jetzt anfühlt, wie ruhig es geworden ist – gut manchmal auch zu ruhig -finden da welche in mir. In unserer Kindheit gab es ja keine ruhige Minute, überall drohende Gefahr, Aufpassen, stets in Habacht-Zuständen, ständig in Unruhe darüber was jetzt wohl kommt, wie man sich diesmal rettet….. Ein Lebensgefühl, des Verfolgtwerdens. Und irgendwie auch eine Art „Heimatgefühl“ –  ja, wirklich, wir waren es gewohnt, dass der Adrenalinpegel immer hoch war, außer in der Natur, da war ich selbstvergessen, entspannt, in Ruhe.

Gut, dass ich diese Fluchtpunkte in der Natur hatte, so lernte ich das Leben von einer ganz anderen Seite her kennen und heute sage ich sogar, dass es mein echtes Leben war. Das andere Leben war Geschrei, Erniedrigung, Lärm, Angst, Aufregung, Kampf…. es fühlte sich an, als wäre es nicht wirklich mein Leben. Und doch hatte es große Wirkung auf mein späteres Leben. Mein Sein ging in Resonanz mit ungewöhlichen Aufregungen, sehr oft geriet ich in stressige Situationen, nie lief alles ’normal‘ ab. Langeweile, Nichtstun kannten wir nicht – suchten es auch nicht – immer in Aktion – auf der Jagd nach neuen Anreizen. Ruhe halten wir noch immer nicht lange aus, dann fühlt es sich so an, als würde etwas fehlen. Das sind Altlasten! Aber es fehlt nichts – alles ist da was ich brauche!

Selbst jetzt wo wir schon 5 Jahre Rentnerin sind, ist da ein unruhiger Geist, immer aktiv, der alles erforschen will, Neues sucht und sehr viel unterwegs sein muss, um sich gut zu fühlen. Und immer noch finden wir die Entspannung meist am besten in der Natur, so wie damals, und immer noch versinken wir wie damals als Kind in interessanten Bücherwelten, selbstvergessen und gehen ganz auf in dem Lesegeschehen. Ein gesundes Wechselgeschehen von Spannung und Entspannung.

Was kann uns schon Schlimmes geschehen, wir haben bereits so ziemlich alle Schrecken  schon erlebt. Schmerz, Angst, Missbrauch, Todesdrohung …. – und wir haben all das überlebt – was kann da noch kommen, was wir davon noch nicht kennen? Viel Schönes ist uns in der Kindheit entgangen – Unbeschwertheit, Sicherheit, Freude, Zuversicht, erfüllte Wünsche und schöne Träume, Geliebtwerden, Fröhlichkeit, Schmerzfreiheit ….. all das wird nun endlich Zeit, dass wir das noch kennenlernen, wahrnehmen können in unserem Leben. Lieber spät als nie!

Es folgten uns viele auf unserem alten Blog, als wir uns als ‚Geschundene‘ fühlten, bekamen viele tröstende Kommentare und fühlten uns zugehörig durch die Anerkennung im alten Leid. Aber im neuen Blog, der in die konstruktive, sich befreiende Zukunft weist, begleiten uns kaum noch Kommentare. Es ist wie in der Zeitung – wenn die Schlagzeilen sich nicht grausam und spektakulär anhören, schwindet das Interesse des Lesers. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass es eine Zeitung gab, die die positiven Nachrichten verbreitete (was es doch durchaus auch in der Welt gibt). Sie ging unter, dort waren keine schrecklichen Details von Gewalttaten, von steten Ungerechtigkeiten, von Sensationen zu lesen, diese Nachrichten waren offensichtlich nicht so spannend. Auch das scheint mir eine grundsätzlich großes Bedürfnis der meisten Menschen zu sein: die Erwartung, dass etwas Schlimmes passiert, der Wettlauf der Sensationen, der Grausamkeiten, des Leidens… Wir werden in den Medien, in Krimis …. geradezu gefüttert mit solchen Nachrichten. Es ist ja so leicht sich in diesem Sog des Schlimmen … Schlimmsten, am Schlimmsten hineinziehen zu lassen, statt sich mit selbstwirksamen Aktionen selber an der Verbesserung der Umstände bei sich selbst und auch in der Welt einzubringen. Die fast völlig Abwesenheit von Spirituellem bei den Aufarbeitungsbemühungen in den Therapieversuchen, die eigentlich helfen sollten, können nur oberflächlich wirken, wenn nicht erkannt wird, dass es Gesetzmäßigkeiten gibt in dieser Welt, z.B. die die wir in der Metapher von den 2 Wölfen finden können. Wir haben die Wahl mehr vom Alten, das uns nicht weiter bringt immerzu zu wiederholen oder etwas Neues zu wählen.

Die Kreativität in uns, die wir als Kind schon ausgiebig lebten, ist immer noch uns eigen. Auch in ihr verschmelzen wir bis zu dem Punkt, wo wir als eigener Mensch eigentlich gar nicht mehr da sind. Was sollen wir bloß mit all den alten Kamellen, den alten Hilflosigkeiten, den uralten Schrecken? Das Leben hat soviel Schönes, das ich in meiner Kindheit nicht leben konnte, soll ich mein restliches Leben auch noch hingeben an die lebenszerstörenden Kräfte von damals?

Heute frage ich mich, wie verstört muss ich wohl durch den Unfall gewesen sein, dass ich mich wieder so in alte Ängste verfangen konnte, dass das vergangene Leid mich wieder so  eingeholt hat, so als wäre ich noch immer das Kleinkind von damals – hilflos – ausgeliefert – ohne Möglichkeit etwas dran zu verändern. Wie konnte ich nochmal in diese Falle gehen (die mich schon viele Jahre meiner Jugend und meines jungen Erwachsenenlebens gekostet hat – durch sinnlose Therapien), die mich wie ein Sog in die Vergangenheit zog? Diese Suche nach Relikten aus der Vergangenheit (Schmerz und Trauma) hatte ich schon vergessen und so ein blöder Unfall hat sie hoch gespült und mich wieder in alte Zeiten katapultiert.

Das Leben ist nicht einfach – weder damals noch heute – es war und ist voller Herausforderungen – und wir müssen es uns nicht noch schwerer machen oder? Leid, Schmerz und Angst kommen auch wenn wir es nicht ständig in unseren Gedanken kreisen lassen. Wir haben so viele Ressourcen auf unserem Lebensweg erworben, so viel gelernt – was sich durchaus sehen lassen kann. Und wir haben so viel zu geben, weiterzugeben, sind fähig anderen Freude zu machen, mit ihnen zu lachen, unsere Erfahrungen weiter zu geben. Wir können lieben und Freundschaften schließen und uns darin üben anderen zu vertrauen. Das ist doch ganz schön viel! Wir wollen uns nicht länger mit unseren Defiziten aus der damaligen – längst vergangenen Zeit beschäftigen.

Wir lassen uns nicht mehr auf die Schubladen von Diagnosen reduzieren.

 

 

Tapferkeit

ein schönes Wort für uns…. es gibt uns ein gutes Gefühl, ebenso wie das Wort: wehrhaft. Wir waren gut im uns wehren – nicht in der Schule, nicht gegenüber anderen Kindern, nicht in der Welt draußen, aber zu Hause konnten wir uns gut gegen den Stiefvater wehren, und sprangen hinein in die Gefahr jeden Tag erneut in die Gefahr des Erschlagenwerdens. Aber warum? Eigentlich doch völlig unnatürlich.

In der Systemischen Familientherapie sagt man, dass Kinder zum Symptomträger anderer Familienmitglieder sind, oder dass sie die Funktion des Zusammenhalters eines Familiensystems übernehmen, dass sie erhalten bleibt. Aber sie übernehmen auch das Leid und den Schmerz Einzelner in der Familie. Bei systemischen Aufstellungen begegnet einem das immer wieder, dass Ahnen oder Urahnen weitergeben von Generation, was verheimlicht, verschwiegen, mit Scham behaftet, nicht aufgearbeitet wurde. Beispielsweise die psychische transgenerative Weitergabe die uns Rollen und Aufgaben übernehmen lassen, die völlig unbewusst ablaufen.

Ich war eindeutig das schwarze Schaf in der Familie und meine Mutter war es in ihrer Familie auch. Und wie ist das mit den unerfüllten Träumen der Eltern? Haben wir nicht alle schon oft gehört, dass der Vater z.B. den Wunsch hatte, dass doch sein Sohn so erfolgreich werden würde, wie er es nicht geschafft hat. Oder die Mutter, die so gerne Musikerin geworden wäre und dann ihre Karriere aufgeben musste weil sie schwanger wurde und nun die Tochter ans Klavier zwingt, dass sie es einmal schafft, was ihr verwehrt war. Es gibt unendlich viele solcher Aussagen von Menschen, wenn man gut hinhört.

Und diese Söhne und Töchter von klein auf, quasi mit der Muttermilch, die verborgenen Wünsche aufsaugen und glauben es wäre ihr Wunsch auch. Sie hätten die Wahl sich zu widersetzen – vorausgesetzt – sie können es erkennen und kennen sich selbst genug um sich von den Wünschen der Eltern unterscheiden.

Wir haben sogar zwei Glaubensätze entwickelt (bestimmt sehr früh), die unser Leben sehr bestimmt haben und wenn wir sie zurückverfolgen, waren sie schon seit sehr frühen Alter bestimmend für unseren Lebensweg.  Die Suche nach solchen Glaubenssätzen kann sehr lohnend sein, weil wir so die Möglichkeit haben, sie zu überprüfen, ob sie stimmen, oder ob sie unsere Weiterentwicklung behindern. Und inzwischen habe ich gelernt, wie man sie verändern kann.

Kein Verlass…

In meinem angepinnten Beitrag hier im Blog steht am Ende der Satz: … sich nicht NUR auf die „Experten“ zu verlassen.

Schon in der Politik regt mich das Wort „Expertenrunde“ oder „Ausschuss von Experten“ richtig auf, denn die Bezahlung dieser sog. Experten kosten uns Steuerzahler enorm viel Geld und was kommt dabei raus?

Also meiner Meinung nach machen Experten viel Mist. (Gut nicht alle 😉 ) Und außerdem sind die Ergebnisse meist recht einseitig. Ich lebe lieber nach dem Motto: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.

Durch Erfahrungen, die wir im Leben machen, werden wir Experten, was unser eigenes Leben betrifft. Unsere individuellen Erfahrungen prägen unser Leben, ja bestimmen es sogar – und je vielfältiger diese, desto mehr Lösungswege stehen uns auch offen. Was ich in meinem Leben bislang so beobachtete (wohlgemerkt mit vielen Jahrzehnten auf dem Buckel), sind Experten meist ’scheuklappige‘ von sich eingenommene Menschen, wo links und rechts von ihrer Meinung nichts gelten darf.

Aber wir Menschen sind selber schuld, wenn wir uns auf sie verlassen und Wort für Wort glauben, was sie reden und schreiben und danach streben sie als einzige Wahrheit zu betrachten.

Unmündige Menschen gibt es überall, die glauben sie sind so wenig wert, dass sie auf ihre eigene Meinung verzichten und Expertenmeinungen für wahrer halten, als ihr eigenes Erleben, sogar ihren gesunden Menschenverstand beiseite legen.

Und sowas hatten wir in Deutschland schon einmal …. sog. Mitläufer, Duckmäuser, die einen Hitler das Feld, einem einzigen Menschen, (der verrückt, größenwahnsinnig, machtbesessen war) und die meisten folgten ihm, verließen sich auf seine Meinung, oder aus Mangel an Mut, aus Angst und ließen ihn machen. Ich bin auch nicht mehr diese Generation, hatte das Glück der gnädigen Geburt. Dennoch fühle ich mich als Deutsche irgendwie auch verantwortlich, dass so etwas nicht wieder passiert. Nie wieder gebe ich mein Hirn einfach an einen Machthaber, Größenwahnsinnigen sog. Experten ab. Das heißt aber auch – selber denken, recherchieren und nicht alles glauben, was da in den Medien, in Büchern, oder in groß geschwungenen Reden gehört, gesehen und geglaubt wird.

Wie kann es sein, dass z.B. grad aktuell, wir wieder am Rande eines weiteren massiven Kriegsschauplatz im Osten stehen (wieder ein Land mit großen Ölvorkommen), nur weil die sog. Experten  und ein Herr Trump, etwas ‚meinen‘, (der Iran hätte das Schiff angegriffen) was ihnen wirtschaftlich dienen würde. Wie kann es sein, dass nach all dem was im Irak passiert ist (falsche Anschuldigungen von angeblich gelagerten Massenvernichtungswaffen – und aufgrund von Experteneinschätzungen tausenden Menschen das Leben gekostet hat) und nun eine neue so durchsichtige Wiederholung fabriziert wird? Glauben die denn wirklich, dass wir völlig doof sind und das vergessen haben, oder ihnen trotzdem glauben?

Ja, die glauben das und dafür gibt es Gründe: Sie sind damit durchgekommen und werden vielleicht wieder damit durchkommen werden. Warum? Weil so viele Menschen das Denken den Experten überlassen, weil es so bequemer ist – weil wir es immer schon so gemacht haben, weil man dann keine Verantwortung hat….

In der Psychotherapie ist es doch ganz ähnlich, die Folgen falscher Therapien, schlechter Therapeuten, falschen Einschätzungen – wer trägt die Konsequenzen? Weder nach den Kriegen, noch nach gescheiterten Therapien, noch für das Leid, das darüber verbreitet wird – übernimmt jemand die Verantwortung, oder kümmert sich jemand um die ‚Kollateralschäden‘. Es gibt keine Wiedergutmachung, weder nach Kriegen, noch nach gescheiterten Therapien. Unsere Eltern glaubten auch, dass sie die ‚Experten‘ für uns waren, als wir noch klein und hilflos waren und über uns bestimmen konnten.

Ich finde sie unerträglich diese Menschen, die ihr Gehirn abgeben, die alles glauben was ein Dr. oder Professor erzählt, irgend ein Wichtigtuer vom Stapel lässt, um sich zu profilieren. Diese Menschen spielen denen geradezu in die Hände, weil sie selbst zu faul sind eigene Recherchen zu machen, sich eine eigene Meinung bilden, und diesen sog. Experten erlauben unser Leben und die ganze Welt zu gestalten.

Diese Erde ist so ein schöner Planet – und so viele Mitläufer und Feiglinge – mit ihrer Inaktivität und Bequemlichkeit – es Wenigen, die grade alles bestimmen – zuarbeiten unsere Welt zu vernichten – uns übersäen mit Kriegen, soviel Leid und Schmerz bringen und die letzten Ressourcen ausbeuten.

Sorry, aber nur weil ich auch viel Leid erfahren habe in meinem Leben, liegt mir diese Erde und die Menschheit dennoch auch am Herzen, so dass ich manchmal einfach aufschreien und mir Luft machen muss.

 

 

Umschreib-Geschichte 5

Nach der Schule

Sie versucht die Erste zu sein beim Verlassen des Schulgebäudes. Schnell, schnell – sonst sehen sie sie. Flink wie ein Wiesel flitzt sie den kleinen Steig neben der Kirchenmauer entlang. Sie huscht in den Torbogen, der zum Friedhof führt. Sie hält noch kurz an um hinter sich zu schauen – ob sie nicht doch noch jemand aus ihrer Klasse gesehen hat. Nein, Gottseidank nicht. Ein wenig atemlos vom Laufen schleicht sie leise zu ihrem Engel. Er thront im hintersten Winkel direkt an der Mauer bei einem marmornen, schwarzen, großen Grab. Sie zwängt sich in die Lücke zwischen Grab und Friedhofsmauer und wird unsichtbar. Sie beruhigt sich langsam. Es war kein Laut zu hören, sicher waren die Mitschüler längst vorbei und auf dem Weg nach Hause. Eine ganze Viertelstunde dauert es bis sich Amelie aus dem Zwischenraum auf den Kiesweg traut. Sie blickt in das vertraute Gesicht des Engels, es ist ein liebevolles Gesicht und dennoch ist die Träne auf der Wange desselben unübersehbar. Er lacht, er weint denkt Amelie und bleibt lange versunken in den Anblick dieses Wesens aus Stein, das sie beinahe fühlen kann. Die Hände gefaltet zum Gebet, der eine Daumen fehlt, ob ihn wohl jemand abgeschlagen hat?

Amelie steht lange beinahe reglos vor dem Grab, bis eine Amsel mit lautem Gezeter auf der Schulter ihres Engels landet und sie mit schiefen Köpfchen anschaut. Jetzt ist Amelie wieder da – aus ihrer Versenkung heraus und überlegt, ob es wohl noch zu früh wäre für den Heimweg. Auf keinen Fall wollte sie den anderen Schulheimgängern begegnen. Zu oft hatten sie sie mit Schimpfworten und Tannenzapfen oder gar Steinen beworfen.

Sie spürt den Hunger im Magen und setzt sich auf die Grabsteinumrandung, packt ihr Butterbrot aus dem Ranzen und schlingt es schnell hinunter. Danach ist sie bereit für den Nachhauseweg, schnell geht sie noch einmal zurück zum Dorfbrunnen, nimmt 2 Handvoll vom kühlen Wasser und trinkt. Jetzt fühlt sie sich gut und mutig genug, den Weg an der Kirche vorbei in Richtung des Waldes zu gehen, den sie erst durchqueren muss um nach Hause zu kommen.

Amelie vergisst nicht ihr Ritual: solange Ablassgebete zu leiern bis sie an Kirche und Friedhofsmauer vorbei ist: „Gott sei mir armen Sünder gnädig“ – „Heiliges Herz Jesu, erbarme Dich meiner“ – „Königin des Rosenkranzes, bitte für mich“….. Heute hat sie es 21 Mal geschafft. Heute ist alles gut!

 

Nach der Schule – umgeschrieben

Sie versucht die Erste zu sein beim Verlassen des Schulgebäudes. Schnell, schnell – sonst sehen sie sie. Flink wie ein Wiesel flitzt sie den kleinen Steig neben der Kirchenmauer entlang. Sie huscht in den Torbogen, der zum Friedhof führt. Sie hält noch kurz an um hinter sich zu schauen – ob sie nicht doch noch jemand aus ihrer Klasse gesehen hat. Nein, Gottseidank nicht. Ein wenig atemlos vom Laufen schleicht sie leise zu ihrem Engel. Er trohnt im hintersten Winkel direkt an der Mauer bei einem marmornen, schwarzen, großen Grab. Sie zwängt sich in die Lücke zwischen Grab und Friedhofsmauer und wird unsichtbar. Sie beruhigt sich langsam. Es war kein Laut zu hören, sicher waren die Mitschüler längst vorbei und auf dem Weg nach Hause. Eine ganze Viertelstunde dauert es bis sich Amelie aus dem Zwischenraum auf den Kiesweg traut. Sie blickt in das vertraute Gesicht des Engels, es ist ein liebevolles Gesicht und dennoch ist die Träne auf der Wange desselben unübersehbar. Er lacht, er weint denkt Amelie und bleibt lange versunken in den Anblick dieses Wesens aus Stein, das sie beinahe fühlen kann. Die Hände gefaltet zum Gebet, der eine Daumen fehlt, ob ihn wohl jemand abgeschlagen hat?

Amelie steht lange beinahe reglos vor dem Grab, bis eine Amsel mit lautem Gezeter auf der Schulter ihres Engels landet und sie mit schiefen Köpfchen anschaut. Jetzt ist Amelie wieder da – aus ihrer Versenkung heraus und überlegt, ob es wohl noch zu früh wäre für den Heimweg. Auf keinen Fall wollte sie den anderen Schulheimgängern begegnen. Zu oft hatten sie sie mit Schimpfworten und Tannenzapfen oder gar Steinen beworfen.

Sie sieht aus den Augenwinkeln plötzlich eine Bewegung und schaut sich den steinernen Mund genau an. Die Lippen des Engeln waren ein wenig abgeblättert und sie erschrak, als sie einen kleinen goldenen Rosenkäfer aus dem halb geöffneten Mund krabbeln sieht. Er glitzerte in allen Regenbogenfarben. Während sie ihn betrachtete hörte sie eine Stimme: „Hallo Amelie, schön, dass Du mich immer besuchst.“ – Amelie sah sich erschreckt um – aber keiner war zu sehen – nur der Engel und die Grabsteine. Und mit einem mal bemerkte sie, als die Stimme weiter sprach, dass sie aus dem Mund des Engels kam: „Ja, ich spreche mit Dir Mädchen, ich will Dir sagen, dass Du nicht länger allein bist. Du kannst immer herkommen wenn Du Kummer hast.“

Amelie staunte mit offenen Mund den Engel an: „Echt?“ – konnte sie endlich sagen. „Ja, wirklich, ich sehe schon lange in welcher Not Du bist – in der Schule und auch zu Hause. Ich finde Du bekommst genug Schläge, nicht wahr – da hast Du sehr recht, dass Du Deinen Mitschülern ausweichst, damit Du da nicht auch noch geschlagen wirst. Und ja, ich stimme Deinen Gedanken zu: Du darfst die Schule schwänzen, quäle Dich da nicht mehr hin, Du kannst in dieser Dorfschule sowieso nichts lernen. Vier Klassen in einem Raum, da kann man sich nicht auf das Lernen konzentrieren. Ich weiß einen Weg, wo Du viel Wichtigeres und besser lernen kannst.“

Amelie: „Wirklich?“ – „Ja, wirklich“, antwortet ihr der Steinerne – „Gehe einfach jeden Morgen wie immer aus dem Haus, so als gingst Du zur Schule. Du gehst bis zur ersten Biegung und folgst dem Weg ungefähr 10 Minuten lang, dann siehst Du links einen versteckten Garten mit einem Bach, einem Weidenbaum. Die Besitzer dieses Gartens kommen nur am Wochenende her um ihn zu pflegen, Du musst Dir also keine Sorgen machen und außerdem werde ich Dich behüten und um Dich sein. Ich werde auch dafür Sorge tragen, dass niemand merkt, dass Du nicht in der Schule bist.“

Amelie staunte immer noch mit offenen Mund, dann endlich konnte sie fragen: „Wie heißt Du denn? Wieso kannst Du denn sprechen? Bist Du lebendig?“

Der Engel lächelte Amelie liebevoll an und seine Gestalt verwandelte sich, er sah jetzt heller aus und gar nicht mehr steinern und antwortete ihr: „Ich heiße Ezechiel und ich bin einer Deiner Schutzengel und ich behüte Dich seit Du Deine Seelenreise begonnen hast, denn ich wusste Du hattest Dir damals ein schwieriges Leben ausgesucht und so wollte ich Dich begleiten und Dir hilfreich zur Seite stehen. Und ja, ich bin lebendig, ich bin nicht wirklich aus Stein, aber das ist eine der sichtbaren Formen, die ich hier auf der Erde annehmen kann.“ Und nach einer kleinen Pause: „Amelie, Du kannst jetzt nach Hause gehen, niemand ist mehr auf Deinem Weg zu sehen. Und vergiss nicht, Du kannst mich immer besuchen, hier oder überall, Du musst nur an mich denken.“

Amelie ging zu dem Engel – ganz nah – und flüsterte: „Darf ich Dich berühren?“ – Und Ezechiel antwortete: „Leider nicht, das ist nicht möglich, weil ich nicht von dieser Welt bin, aber Du kannst mich spüren. Schließe die Augen, lege Deine Hand auf Dein Herz und achte darauf, was Du fühlst.“

Amelie legte ihre Hand auf das Herz und spürte eine große Wärme in der Herzgegend, die sie durchströmte und ihr wurde ganz leicht. Nach einer Weile öffnete sie wieder die Augen und der steinerne Engel sah aus wie immer, nur der Rosenkäfer war nicht mehr zu sehen. Sie packte ihren Schulranzen, schulterte ihn, drehte sich nochmal zum Engel um, winkte ihm und rief laut und mehrmals: „Danke lieber Ezechiel, danke, danke…..“ Und sie lief leichtfüßig nach Hause.

Übrigens, damals als ich so ca. 9 Jahre alt war, tat ich das tatsächlich, ich schwänzte ein dreiviertel Jahr die Schule und es sieht im Nachhinein so aus, als hätte Ezechiel tatsächlich über mir gewacht und keiner hat es gemerkt. Alles was in dieser Geschichte  geschrieben steht, ist wirklich so geschehen. Ich sehe sogar den Garten mit der kleinen Mühle und Bach, mit dem Weidenbaum immer noch vor mir. Dieser Wald und Garten war der heilste Ort in meiner Kindheit.