Der einfache oder der schwierige Weg?

Ein Schüler kam zum Meister.

„Ach Herr,“ stöhnte er, „um Euren Lehren zu folgen, ist so viel Veränderung nötig. Das ist mir eigentlich alles viel zu anstrengend. Ich glaube, ich werde das Studium hier beenden.“

Da schaute der Alte mit einem traurigen Blick auf seinen Schüler. „Kennst du die Geschichte von der Raupe?“ fragte er. Der Schüler verneinte.

„Es war einmal eine Raupe, die das Gefühl hatte, dass die Metamorphose zum Schmetterling zu anstrengend sei. Also beschloss sie, Raupe zu bleiben. Und während sie mühsam und langsam durchs Leben kroch, schaute sie immer mal wieder hinauf zu all den Schmetterlingen, die im Sommerwind von Blume zu Blume tanzten…” erzählte der Meister die Geschichte.

„Und nun überleg wohl, ob der scheinbar einfachere Weg auch tatsächlich der einfachere ist.“

Auf der Durchreise

Gestern war in meiner Lebensphilosophischen Gesprächsgruppe das Thema: „Minimalismus – Weniger ist mehr“. Wie immer sehr spannend! Und gleich zu Beginn habe ich (wie meistens wenn ich eine finde) eine Metaphergeschichte zu dem Thema und Einstieg erzählt. Die will ich Euch nicht vorenthalten:

Auf der Durchreise

Im vorigen Jahrhundert besuchte ein Tourist aus den Vereinigten Staaten
den berühmten polnischen Rabbi Hofetz Chaim.

Erstaunt sah er, dass der Rabbi nur in einem einfachen Zimmer voller Bücher wohnte. Das einzige Mobiliar waren ein Tisch und eine Bank.

“Rabbi, wo sind deine Möbel?” fragte der Tourist?

“Wo sind deine?”,  erwiderte Hofetz.

Meine? Aber ich bin doch nur zu Besuch hier. Ich bin nur auf der Durchreise”, sagte der Amerikaner.

“Genau wie ich”, sagte der Rabbi

Die größte Heilung

Verzeihen ist die größte Heilung

… wenn ein Stammesmitglied der Babemba aus Südafrika ungerecht gewesen ist oder unverantwortlich gehandelt hat, wird er in die Dorfmitte gebracht, aber nicht daran gehindert wegzulaufen.
Alle im Dorf hören auf zu arbeiten und versammeln sich um den „Angeklagten“. Dann erinnert jedes Stammesmitglied, ganz gleich welchen Alters, die Person in der Mitte daran, was sie in ihrem Leben Gutes getan hat.
Alles, an das man sich in Bezug auf diesen Menschen erinnern kann, wird in allen Einzelheiten dargelegt. Alle seine positiven Eigenschaften, seine guten Taten, seine Stärken und seine Güte werden dem „Angeklagten“ in Erinnerung gerufen. Alle, die den Kreis um ihn herum bilden, schildern dies sehr ausführlich. Die einzelnen Geschichten über diese Person werden mit absoluter Ehrlichkeit und großer Liebe erzählt. Es ist niemandem erlaubt, das Geschehene zu übertreiben und alle wissen, dass sie nichts erfinden dürfen. Niemand ist bei dem, was er sagt, unehrlich und sarkastisch. Die Zeremonie wird so lange fortgeführt, bis jeder im Dorf mitgeteilt hat, wie sehr er diese Person als Mitglied der Gemeinde schätzt und respektiert. Der ganze Vorgang kann mehrere Tage dauern. Am Ende wird der Kreis geöffnet, und nachdem der Betreffende wieder in den Stamm aufgenommen worden ist, findet eine fröhliche Feier statt.
Wenn wir durch die Augen der Liebe sehen, wie es in der Zeremonie so schön sichtbar wird, entdecken wir nur Vergebung und den Wunsch nach Integration. Alle Mitglieder des Kreises und die Person, die in der Mitte steht, werden daran erinnert, dass durch Verzeihen die Möglichkeit gegeben wird, die Vergangenheit und die Angst vor der Zukunft loszulassen. Der Mensch in der Mitte wird nicht länger als schlecht bewertet oder aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Stattdessen wird er daran erinnert, wie viel Liebe in ihm steckt und dann wieder in die Gemeinschaft integriert!

Loslassen von Leid

Meine innere Instanz, mein heiler unverwüstlicher Kern, der soviel Leid gesehen und mitgefühlt hat – vom Anfang meines Lebens an und so viele lange Jahre und so beschwert wurde, vermittelt mir, dass es nicht anders ging, wenn ich frei werden wollte, dass ich all das hinter mir lassen muss. Denn das Festhalten an den alten Verletzungen bringt niemanden etwas, hat nichts geholfen, nichts leichter gemacht, im Gegenteil, das Leid vergrößerst und verlängert und hat unsere Lebensqualität enorm geschmälert. Weiterlesen

Die Sanduhr

Mal wieder eine schöne Metaphergeschichte aus dem Netz

Die Sanduhr

Eines Tages träumte ich … und fand mich auf einer großen Wiese wieder. Dort erblickte ich seltsame Blumen und Gewächse. Die meisten waren schön und bunt und dufteten herrlich. Einige jedoch waren stachlig, andere stanken faulig oder bitter und ein paar schienen mir hart und verdorrt.

Etwas entfernt entdeckte ich ein Häuschen. Als ich näher kam, sah ich, dass es eine Mühle war, die von einem kleinen Bach angetrieben wurde. Plötzlich bemerkte ich eine alte Frau, die auf mich zukam und mich gütig ansah. Sie nahm eine große Sense – und mir wurde etwas unwohl. Dann mähte sie ohne weiter hinzusehen ein Stück der Wiese und sammelte ein, was sie geschnitten hatte und nahm es mit in die Mühle.

„Komm herein“, hörte ich sie rufen. In der Mühle, im ganzen Häuschen verteilt, standen unendlich viele kleine Sanduhren. Die Alte warf das Gemähte in die Mühle und lauschte dem Klang des Mahlsteins. „Was tut Ihr hier?“, fragte ich die Alte, die zwar in meine Richtung sah, aber nicht mehr gut zu sehen schien. „Ich mahle die Zeit“, lächelte sie mich an und das von Falten zerfurchte Gesicht bekam noch etwas mehr Freundlichkeit.

Dann stellte sie einen Kessel unter die Öffnung der Mühle und heraus fiel … eine Art Sand. Erst jetzt bemerkte ich, dass all diese kleinen Sanduhren an der oberen Seite offen waren. Dann nahm sie den Kessel und warf den Sand in die Luft. Da dort so viele Sanduhren standen, fiel in viele davon etwas hinein. In manche jedoch auch nicht und Sand fiel auf den Boden.

Ich schaute sie erstaunt an, „Ihr werft den Zeitsand in die Luft? So wird ein Teil verschwendet und in einige Uhren fällt kein Sand mehr. Was geschieht dann?“. „Wenn kein Sand mehr fließt, endet ein Leben.“, antwortete sie mir, „Die Menschen verschwenden so viel meiner Zeit, dass immer etwas Sand daneben fällt.“ 

Ich fragte sie nach den sonderbaren Pflanzen, die ich gesehen hatte und sie erklärte mir, dass manche die schönen und andere die bitteren, schmerzhaften Momente schenken. „Ihr könntet die bitteren, faulen und dornigen Pflanzen aussortieren, bevor Ihr den Zeitsand mahlt.“, schlug ich ihr vor. Sie sah mich an und entgegnete, “So wie alle Blumen und Gewächse auf dieser Wiese wachsen sollen, so gehören zum Leben auch die bitteren und schmerzlichen Momente dazu. Jedes Sandkorn findet seine Uhr und lässt einen Menschen wachsen. Ich achte nur darauf, dass die Wiese bunt bleibt.“

„Welche ist meine Uhr?“, fragte ich sie ängstlich, „Wie viel Zeit bleibt mir? Was wenn sie in einer Ecke steht und dort kein Sand mehr hin gelangt?“. Ich schaute auf einige der Uhren bemerkte, dass zwar oben Sand durchlief, jedoch unten kein Sand am Boden der Sanduhr ankam. Als die Alte meinen Blick bemerkte, erklärte sie mir, dass nur gelebte Zeit am Boden gesammelt wird, als Erinnerungen an ein Leben. Verschwendete Zeit jedoch verfliegt.