Aufmerksamkeitsspanne

Bei den Texten von Eckart Tolle z.Bsp. muss man sich schon eine Weile konzentrieren können. Angeblich – hab ich mal irgendwo gelesen – können das Leute mit der Diagnose DIS-und Co. nicht. Ich habe zwar die Diagnose bekommen, aber ich habe keine Probleme mit bewusstseinserweiternden Texten – im Gegenteil. Es fasziniert mich total, wie viel mir jetzt möglich ist zu verstehen und in Beziehung zu setzen, was damals als ich noch versuchte mit Therapeuten meinen Weg zu gehen, damit es mir besser geht – mir nie möglich war (wahrscheinlich, weil es mir so schlecht ging und ich nur noch mit überleben beschäftigt war).

Damals als ich mein Heil nur auf die Therapie und Hilfen von sog. Fachleuten aus dem Psy-Wesen setzte, war meine Welt tatsächlich sehr klein – klitzeklein. Ich las ständig in Therapie-Büchern verschiedenster Richtungen, versuchte mich und mein Traumageschehen dort einzuordnen, las die ganzen Blogbeiträge, wo es immer nur um die Vergangenheit ging und was ihnen damals geschah. Ich lebte wie mit Scheuklappen und konnte links und rechts nichts anderes mehr sehen (und auch suchen) als die ‚richtige‘ Therapie zu finden. Lebte meistens in der Vergangenheit. Meine Ressourcen waren in den versuchten und gescheiterten Therapien nie Thema. Mein Aliengefühl in dieser Welt verstärkte sich immer mehr.

Heute würde ich sogar sagen, dass diese Diagnose mich sehr weit von mir und meinem wahren Selbst entfernt hat. Es ging immer nur um die Vergangenheit, aber ich bin und war doch nie NUR das Produkt meiner Vergangenheit – ich bin die Summe meiner Erfahrungen, Kenntnisse und meinem Willen zur Veränderung anders zu leben u.v.m., und nicht nur um immer in den vergangenen Welten und alten Schmerzen zu wühlen.

Ich habe soviel gelernt dadurch, dass ich die Vergangenheit hinter mir gelassen habe, mich bewusst von den Inhalten der damaligen Zeit abgewendet habe und sie jetzt nicht mehr so wichtig finde – ich wollte wissen, was mich damals (Jahrzehnte) in einem hilflosen Zustand festnagelte. Es ist durchaus wichtig die Vergangenheit im Rückblick und die Kontexte zu beleuchten, zu vergleichen mit der jetzigen Zeit, den jetzigen Möglichkeiten, den Lerninhalten, die ich mir zusammengesucht habe, von erfahreneren Menschen gelernt habe, mich geöffnet habe für die Texte weiserer Menschen, anders zu sehen und mehr zu begreifen. Ich musste einfach nur eine totale Entscheidung treffen und für möglich halten, dass es auch für mich einen Weg gibt – jenseits von Therapien.

So viele Jahre wären für mich weniger schmerzhaft, hilflos, ausweglos verlaufen, wenn ich von vorne herein nicht geglaubt hätte, dass NUR eine Therapie mich aus meinem Elend befreien könnte. Es ist erschreckend wie viel wertvolle Lebenszeit mir dadurch verloren gegangen ist, und die Einseitigkeit, Engstirnigkeit, Verbohrtheit und Dummheit von damals kann ich mir kaum verzeihen, doch ich versuche es tapfer und ich bin dankbar, dass ich es grade noch geschafft habe, nicht auch noch die letzten Jahre wegzuwerfen.

Es sind nur 10 Minuten

Heute war wieder KG oder besser Orthobionomy-Sitzung. Wieder haben wir „gefühlt“ – wir – das sind meine Innens, aber auch meine KG-Frau – (so nenne ich sie mal, obwohl sie soviel mehr ist – wie ich ja schon unlängst berichtet habe), wir fühlen zusammen – irgendwie.

Nach sechs Jahren bei ihr sind wir nun endlich beim Fühlen angekommen. Die letzten 10 Minuten – fühlen wir, mehr ist noch nicht drin – mehr halte ich noch nicht aus. Aber der Körperfühlpunkt ist geknackt – wir sind endlich da angekommen – wo sie seit 6 Jahren bereit ist mich zu begleiten. Die Möglichkeit war schon immer gegeben, aber ich war zu verschlossen dafür, völlig zu dafür, redete weg, und ließ sie meine Verspannungen auf der Körperebene ‚wegmachen‘ – ohne dass ich es richtig mitkriegte. Ja, ich wusste nicht mal, was mir fehlte, wozu ich keinen Zugang hatte – mein Leben lang wohl.

Zum ersten Mal bin ich seit einiger Zeit fähig, in dieser Richtung etwas zuzulassen, fange an zu begreifen, was „im Körper etwas fühlen“ überhaupt bedeutet – ich meine nicht Schmerz, oder heiß und kalt, oder oder…. Ich fühle jetzt kleine Fetzen von Wahrnehmungen meiner Seele im Körper. Ich kann das noch nicht wirklich ausdrücken so sehr neu, so fremd.

Heute erbat ich wieder ihre Hand auf der Stirn, war bereit wieder die Unruhe zuzulassen, wenn die Hand auf meiner Stirn wieder die Gedanken leerte. Aber es war anders diesmal – überraschte mich. Ich spürte diesmal den Druck in meinem Oberkörper, wie einen Riesenklumpen während sich mein Hirn leerte. Sie fragte ob sie die Hand auf meinen Brustkorb legen sollte und ich bejahte – sie tat es ganz leicht und ich sah vor meinem inneren Auge, wie dieser dunkle schwere Klumpen im Rumpf sich zentrierte, noch dunkler wurde und anfing in ihre Hand zu fließen, den Arm hinauf und wie der Druck in mir langsam leichter wurde, weil er abfloss und ich begann freier zu atmen. Dann fing ich an mir Sorgen zu machen, dass dieses Dunkle meine Behandlerin schädigen könnte – und dann war die Zeit auch schon um.

Sie beruhigte mich, dass das nie passierte, wenn etwas von ihren Klienten zu ihr rüberkam, sie kann sich schützen und folgt auch öfter dem Impuls, sich nach einer Behandlung länger die Hände zu waschen, das geschähe ganz intuitiv.

Zum ersten Mal fühle ich keine Langeweile, wenn ich übe mein Seele im Körper zu fühlen.

 

Inneres tiefes Wissen

Heute hat mich der unten eingefügte Beitrag von Lotoskraft (Link) sehr gepackt. Er ist wirklich spannend im Hinblick auf einige Ähnlichkeiten

https://lotoskraft.wordpress.com/2020/02/26/gedanken-zum-tag-der-resilienz/

Auch ich war hineingeboren in eine ‚unheile‘ Welt – so wie er schreibt, eine Welt voll Elend…. Und dennoch wusste er – wie ich auch – dass er daraus irgendwann entfliehen würde. Er – und ich auch – wussten nicht wie – aber wir wussten es. Da war scheinbar etwas Heilendes in uns, eine Art Wissen, dass es da auch noch etwas Anderes gibt in dieser Welt – ohne dass wir es (in diesem Leben) erfahren hatten.

Woher stammt wohl so ein tiefes, inneres -“ nahezu vorgeburtliches Wissen“? Es kann eigentlich auch nur aus der Zeit, wo wir vor der Geburt waren – herkommen oder?  und weiter schreibt er:

„Resilienz ist allerdings kein Talent, das einem gegeben ist oder nicht. Sicher manche haben eine Extraportion an Widerstandskraft, sprich Resilienz, mitbekommen. Doch kann sie ebenso trainiert und soweit angenommen werden, dass sie sich zu einer eigenständigen Seelenkraft entwickelt, die einen Menschen stützt und ihm Selbstbehauptung vermittelt, auf dass er sich nicht auf Abwege begibt. Und mögliche Abwege gibt es für seelisch Verletzte viele, so zum Beispiel Kontakt zum Täter halten oder die erlittene Schmach nachinszenieren, um sich in den Wahn zu versetzen, man könne das Elend nachträglich beherrschen und sich so vor Wiederholung feien. Deswegen ist ein beachtlicher Teil von Resilienz stete Reflektion seiner Stimmungen und Handlungen. Das klingt anstrengend, doch ich für meinen Teil durfte sie dank der Sucht-Selbsthilfegruppen lange genug einüben, so dass sie mir heute eine selbstverständliche Konditionierung meinerselbst ist.“

Ja, so wahr und ich bin so dankbar das heute gelesen zu haben, denn es deckt sich so sehr mit meinen Erfahrungen, bestärkt meine Sichtweise, meinen Weg.

Ein so schöner Ausdruck: Durch Reflektion der eigenen Stimmungen und Handlungen und Üben entsteht allmählich eine neue selbstverständliche Konditionierung ‚meinerselbst‘.

Auch wenn letztlich jeder Mensch seine Wege alleine gehen muss, so erfüllt es einen doch mit Freude, dass man ab und zu jemanden trifft, der die Welt in einigen Punkten doch ähnlich begreift und danach handelt wie man selbst. Und es ist außerdem schön, jemanden – wenn auch nur virtuell- zu treffen, der so konstruktiv an seiner Befreiung gearbeitet hat und noch immer tut, denn wir Menschen (egal ob schwer oder leichter traumatisiert – wir sind alle nicht unbeschadet) sind genau deshalb da, um uns weiter zu entwickeln und ‚Schweres‘ fördert unser Wachstum enorm.

Hilfe 3

So oft in letzter Zeit überlege ich ernsthaft, ob ich mir die Arbeit noch antue, die ganzen wunderbaren Lektionen von E. Tolle, (und auch anderen) von denen ich so profitiere – noch hierher zu schreiben. Wenn es doch nur ‚in den Wind geschrieben ist‘ – wenn doch nur alle schlimm Traumatisierten – sie gar nicht nutzen können – weil sie erst ein Pensum an Leiden ‚erledigen‘ müssen, ehe sie aufwachen können, (und manche können es auch nach Jahren nicht, manche sterben auf diesem leidvollem Weg und manche bleiben es bis zum Totenbett).

Wieso kann man nicht helfen? Warum muss man jeden so lange leiden lassen, warum bleibt einem (ebenso wie erfolglosen Therapeuten, deren es so viele gibt) nichts anderes übrig, als sich abzuwenden, sie aufzugeben bis sie evtl. irgendwann in ein paar Jahren oder Jahrzehnten oder vielleicht auch nie, selbst einen Ausgang finden oder endlich durch eine Erschütterung sich endlich öffnen können und annehmen. Diese gequälten Kinderseelen in den Erwachsenen hätten es doch wahrlich verdient.

Jedesmal wenn ich überlege ob ich wieder eine neue Lektion von Wissenden weiter abschreibe und hier im Blog veröffentliche, frage ich mich ob es nicht vergebene Liebesmüh ist, oder ich vielleicht sogar noch mehr Gegenwehr und Widerstand erzeuge damit.

Ich selbst brauche das nicht, ich habe die wesentlichen Inhalte auf CD, auf meinem Computer, auf meinem Mp3-Player, wenn ich unterwegs bin, kann sie jederzeit hören, damit arbeiten und inzwischen habe ich sogar die CDs von Tolle schon an zwei wirklich interessierte Menschen weitergeben können, die mit diesem wertvollen Wissen etwas anfangen können.

Aber jedesmal wenn ich damit aufhören will, denke ich: ach, diese Lektion noch, die ist so wichtig….. und ich fühle, dass diese letzte noch unbedingt hierher sollte, verbreitet werden sollte und hoffe, dass sie irgend jemand nutzt, um mehr Bewusstsein zu erringen und damit weniger Leid aushalten muss. Irgendwie bin ich immer noch verbunden mit den Leidenden, deren Schicksal ich mit ihnen so lange geteilt habe.

Ab jetzt werde ich nur noch selten etwas von diesen positiven Wissen hier veröffentlichen, ich brauche meine Energien selbst, um weiter mein eigenes inneres Wachstum voran zu treiben. Ich habe mein möglichstes getan, um hilfreich zu sein, mehr vom Gleichen, ist nicht unbedingt ein mehr für andere. Es war als Geschenk für andere im Leid gedacht, (das ich ja selbst sehr gut kennengelernt habe), weil ich Gutes gerne teile, aber Geschenke sollte man vielleicht nicht einfach so verteilen, sondern gezielt. Da ich selbst der Meinung bin und es so erfahren habe, dass man wenn man auf dem vorgesehenen Lebensweg wandert (ich bin überzeugt davon, dass jeder Mensch einen speziellen Weg ‚gewählt‘ hat und dafür auf die Erde gekommen ist um dazu zu lernen) einem dann auch die hilfreichen Dinge (wie von selbst zugespielt) begegnen, dass dieses wertvolle Wissen von weisen Menschen, die mir auf meinem Weg geholfen haben, auch Menschen erreichen werden, wenn es denn sein soll und sie offen dafür sind und was Neues in sich reinlassen können.

Wir wissen nichts von den mitgebrachten Aufgaben anderer, wozu sie hier sind, ob sie vielleicht genau das Leid einmal erfahren wollten und daraus lernen, oder ob sie etwas abzutragen versuchen aus anderen Leben. Niemand weiß das – ich weiß nur von mir, dass es offensichtlich meine Aufgabe ist zu Lernen und meine Erfahrungen daraus weiterzugeben zu mir gehört. Warum weiß ich auch nicht. Aber ich spüre es ganz deutlich.

Kein EGO in Sicht – Noch mehr Gedanken zum Helfen 2

Ja, das EGO ist schlau – ganz so wie es E. Tolle sagt, es verbirgt sich – es weiß nun, dass ich es durchschaut habe – es hat keine Macht mehr über mich – solange ich achtsam bin. Vermutlich wird es warten bis ich grad ein wenig unbewusster, unaufmerksamer bin…..

Heißt das nun, dass ich für den Rest meines Lebens achtsam sein muss? Nun, selbst wenn, so ist es tausendmal besser, als ein Leben voller sich stetig wiederholender Leidkreise.

Vor kurzem nahm ich ja wieder mal an einen kostenlosen Online-Kurs von Dami Charf teil,  zumindest die ersten Lektionen konnte man kostenlos anhören. Und dabei waren einige außergewöhnliche Therapeuten zum Interview eingeladen hatte – zum Thema Trauma.

U.a. Dr. Franz Ruppert (Aufstellungsarbeit) und ich habe durch dieses Interview motiviert, ihn in Google aufgerufen und bin auf jenen Satz bei ihm gestoßen:

„Selbstbegegnung. Das ist das neue Wort für die Arbeit an sich selbst und seinen Traumafolgen. Ruppert: Wer keinen Zugang zu seinem Ich oder Selbst hat, braucht auch nicht versuchen, an seinem Trauma zu arbeiten. Erst wenn wir wieder zu unseren gesunden Anteilen Beziehung haben können, wenn ein Ich sein kann, können auch die anderen Strukturen und die Traumafolgen angegangen werden.“

Als ich Dr. Ruppert reden hörte wurde mir langsam immer mehr bewusst, dass es vergebene Liebesmühe ist Traumatisierten, wenn sie noch total in der Leidensschleife hängen – etwas zu vermitteln, was sie herausführen könnte. Sie können nicht, weil sie sich selbst nicht fühlen, nicht wissen, dass sie mehr sind als ihre Gedanken- und Glaubenssätze. Weil sie sich selbst gar nicht wahrnehmen können und blind gefangen sind. Sie hören in sich immer nur noch die gleichen Sätze aus der Vergangenheit, vom konditionierten EGO und glauben, dass dies die Wahrheit ist.

Aber warum ist es mir gelungen? Warum kann ich jetzt Neues – Konstruktives – Entwicklungsförderndes aufnehmen?…warum begeistert und erfreut mich so dieser neue Weg und warum fühle ich mich jetzt richtig und wohl in dieser Welt?… warum fühle ich meine Probleme nicht mehr als Probleme sondern nur noch als Ansporn und Herausforderung zum wachsen?… warum geht es mir nun so gut und immer besser?… warum hat plötzlich alles einen Sinn? Es kann nicht daran liegen, dass ich nicht „genug“ traumatisiert wurde – es war so schlimm, dass es ein Wunder ist, dass ich überhaupt überlebt habe. Es ist für mich ein Rätsel und es wird wohl keine Antwort darauf geben.

Es kann ja nicht sein, dass all die Erwachsenen, die jahrzehntelang in Therapien hängen bleiben und all die Leidensschleifen drehen – weniger litten als ich oder? Ich spürte vor fast einem Jahr ganz deutlich, dass es nun genug Leiden war, dass es nicht weiter bringt diesen Teufelskreis länger zu bedienen.

Vielleicht bekomme ich mehr Antworten darauf, wenn ich mehr Menschen kennengelernt habe, die da auch raus gekommen sind, ich kann ja kein Einzelfall sein.

Aber ist das wichtig? Eigentlich nein. Es wäre wichtig, wenn die Menschen von all meinen Erfahrungen und  Erkenntnissen profitieren könnten, wenn sie es überhaupt interessieren würde, wenn sie es überhaupt aufnehmen könnten, wenn sie es für möglich halten könnten, dass sie selbst einen Weg daraus finden könnten. Wenn sie Hoffnung und den Glauben an sich selbst und an Selbstwirksamkeit entwickeln könnten. Wenn sie nicht einen Geist in sich hätten „der stets verneint“.

Gedanken zum Helfen 1

Mir fällt schon auf, wie wichtig es für mich ist von meinem neuen Weg zu berichten. Ein wenig komme ich mir vor, wie jene Überlebende aus der Judenverfolgung, die ehemals im KZ waren und sich verantwortlich fühlen (die meisten über 80 Jahre) dafür, dass nicht vergessen wird was damals geschah und als noch lebende Zeitzeugen, damit diese Millionen Toten im geschichtlichem Gedächtnis verankert werden, damit sowas nie wieder passiert.

Ja, ein bisschen geht es mir auch so, denn mir liegt sehr viel daran, mitzuteilen, dass es aus scheinbar ausweglosen Leidenszuständen doch ein Entkommen gibt. Ich versuche etwas anderes mitzuteilen, nämlich dass durchlittenes Leid, durchaus angenommen werden kann und man darüber hinaus wachsen kann. Dass es trotz allem möglich ist das Leid zu überwinden und man zu einem lebenswerten Leben finden kann.

Aber bringt das etwas? Es wäre für andere wichtig – und ich hätte diese ganzen Infos und Erfahrung damals als ich noch im Leid gefangen war – gebraucht – aber hätte ich sie damals auch nützen können?

Es gibt so wenig Berichte darüber, dass es möglich ist und noch weniger hört man, wie das gehen kann. Ich war lange, lange Zeitzeugin für falsche Erziehung, Gewalt in der Familie, Missbrauch, von Vernachlässigung und den Folgen all dieser Geschehnisse, die im Verborgenen stattfanden und immer noch stattfinden – in vielen anderen Familien. Das muss aufhören! Soviele Leugner des Holocaust sind besonders in letzter Zeit wieder zu hören, die Menschen schauen lieber weg oder wollen nicht daran erinnert werden. Und viele können sich gar nicht vorstellen (oder schieben es weg, weil sie nicht darüber nachdenken wollen) was Menschen anderen Menschen antun können. Doch es ist Realität ob es in deren Bewusstsein dringt oder nicht – auch wenn sie wegschauen, leugnen oder nichts damit zu tun haben wollen. Es geschah und noch viel Schlimmeres geschieht tagaus tagein in der Welt.

Mir ist es wichtig auch von Wegen zu sprechen, die heraus führen aus dem Elend, von Wegen, die nachvollzogen werden können, die Hoffnung machen. Auch ich fühle eine Verpflichtung und Verantwortung von meinem Weg, von meiner gewonnenen Zuversicht, von meinem Stück für Stück erarbeiteten Heilung zu berichten. Es darf nicht sein, dass nur ein paar Menschen in einigen europäischen Ländern Zugang zu therapeutischen Hilfen haben und alle anderen müssen irgendwie allein überleben oder sterben. Jenseits mancher fraglicher therapeutischen Interventionen muss es auch vielfältige Hilfen für Traumatisierte geben. Durch mehr Bewusstsein für die Mechanismen, die in uns das Leid ständig vermehren, durch unser altes, unbewusstes Denken einerseits und auch die Aufforderung für mehr Offenheit, sowie die Bereitschaft einander zuzuhören und ehrlich mit einander umzugehen, hinzuschauen wo Not ist, in unserem nahen Umfeld, es benennen und mutig einschreiten dagegen. Jeder kann etwas tun, jeder ist gefragt – alle gehen Gewaltstrukturen in unserer Gesellschaft etwas an , niemand darf sich bequem wegducken, wenn er ein aufrechter Mensch sein will.

Vielleicht ist es auch so, dass ich nicht helfen kann mit diesem Blog – aber ich könnte nicht gut damit leben, wenn ich es nicht wenigstens versucht hätte.

 

Freiwerden vom Schmerz(körper)

Fortsetzung (wichtig) von E. Tolles Buch „Die neue Erde“

„Die folgende Frage wird mir häufig gestellt: Wieviel Zeit braucht es um vom Schmerzkörper frei zu werden. Die Antwort lautet natürlich, dass diese sowohl von der Stärke des jeweiligen Schmerzkörpers, als auch vom Grad oder der Intensität der Präsenz des Betreffenden abhängt. Aber nicht der Schmerzkörper sondern die Identifikation damit zwingt Dich die Vergangenheit immer wieder aufleben zu lassen und hält Dich im Zustand der Unbewusstheit fest. Deshalb wäre die wichtigere Frage die: Wie viel Zeit erfordert es, von der Identifikation mit dem Schmerzkörper frei zu werden. Die Antwort auf diese Frage lautet: Gar keine. Aber wenn der Schmerzkörper aktiviert ist, musst Du nur erkennen, dass das was Du fühlst der Schmerzkörper in Dir ist. Diese Erkenntnis ist alles was Du brauchst um die Identifikation mit ihm zu unterbrechen. Und wenn die Identifikation mit ihm aufhört beginnt die Verwandlung. Die Erkenntnis hält die alte Emotion davon ab, Dir in den Kopf aufzusteigen und nicht nur die Herrschaft über den inneren Dialog zu übernehmen, sondern auch über Dein Handeln und die Interaktionen mit anderen Menschen. Das heißt der Schmerzkörper kann Dich nicht mehr ausnutzen und sich durch Dich erneuern. Möglicherweise lebt die alte Empfindung in Dir noch eine Weile noch weiter und überkommt Dich von Zeit zu Zeit wieder, oder sie bringt Dich durch einen Trick noch einmal dazu Dich noch einmal Dich damit zu identifizieren und verdunkelt so Deine Erkenntnis, aber nicht für lange. Wenn Du die alte Empfindung nicht auf eine Situation projizierst bedeutet das, dass Du Dich ihr in Deinem Innern stellst. Das mag unangenehm sein, wird Dich aber nicht umbringen. Deine Gegenwärtigkeit nimmt es locker mit ihr auf. Du bist nicht Deine Empfindung.

Wenn Du den Schmerzkörper spürst darfst Du nicht den Fehler begehen, es sei etwas nicht richtig mit Dir. Aus Dir selbst ein Problem zu machen, das liebt das EGO. Auf das Erkennen muss das Akzeptieren folgen, alles andere sorgt wieder für Verdunkelung. Akzeptieren heißt, die Gefühle zu zulassen, die Du im Augenblick empfindest – es gehört zum Sosein des Jetzt. Du kannst Dich nicht gegen das sträuben was ist – na schön, Du kannst es aber dann leidest Du. Indem Du zulässt was ist, wirst Du das was Du bist – unendlich weit – Du wirst ganz. Du bist kein Fragment mehr, so wie das EGO sich sieht. Dein wahres Wesen, das eins ist mit dem Wesen Gottes tritt hervor. Darauf wies Jesus hin indem er sagte: Darum sollt Ihr Vollkommen sein, wie Euer Vater im Himmel vollkommen ist.

Das Vollkommensein im Neuen Testament ist eine ungenaue Übersetzung des ursprünglichen griechischen Wortes das GANZ bedeutet. Das heißt Du musst nicht erst vollkommen werden, sondern brauchst nur ganz zu sein – was Du schon bist – mit oder ohne Schmerzkörper.“

Das ist eine prima Anleitung wie wir unbewusste alte Schmerzen aus der Vergangenheit unterbrechen können und sie stoppen müssen. Wie ich schon erfahren habe ist das gar nicht so leicht, denn es fordert von uns stete Aufmerksamkeit gegenüber dem was uns triggert und alte Schmerzen wiederbelebt. Ich übe es momentan noch so, dass ich sobald ich merke, dass mich etwas schmerzt (eine Reaktion von einem Gegenüber z.B., ein Vorwurf der mir völlig unberechtigt erscheint und das Gefühl in mir aufsteigen lässt, dass jemand mir damit unrecht tut, mich verkennt, mich nicht so sieht wie ich gesehen werden will – weil ich mir z.B. sicher bin, dass ich etwas völlig anders gemeint habe, wie es der andere aufgefasst hat und bei mir Rechtfertigungs- und Klarstellungsdruck hochkommt – und damit fängt die „Mühle“ dann an….) akzeptiere ich (wenigstens im Nachhinein, sobald ich es bemerke) das Gefühl der Enttäuschung, des Nichtwahrgenommenseins oder falsch Wahrgenommenseins) das es so ist und halte es aus. Ich habe die Wahl, es dennoch dem anderen gegenüber klarzustellen oder nicht, aber wichtig ist dann vor allem, dass ich es in aller Klarheit vor mir selbst sehe und bemerke den Zusammenhang mit dem getriggerten Kindheitsgefühl von damals. Dass es mich deshalb so traurig macht, weil ich damals nicht gesehen wurde in meiner ‚Unschuld‘. Und so erkenne ich aus der Distanz, dass es zwar traurig ist, dass Menschen mich ‚immer noch‘ so sehen in diesem Augenblick – aber ich weiß und spüre auch, dass es mich jetzt nicht mehr beeinträchtigt, in meinem Wesen – es genügt dann zu erkennen, dass ich nicht die bin, die der andere in mir erkennt (bzw. nicht erkennen kann) und in meiner Seele kehrt wieder Frieden ein.

D.h. wenn jetzt Verletzungen in meiner Seele durch andere auftauchen, spüre ich zwar kurz den Schmerz aus der früheren Zeit als Kind, aber kurz danach wende ich mich der Untersuchung und Differenzierung zu, die mich die wahre Ursache dieses Schmerzes erkennen lässt und kann mich davon trennen. Es geht also nicht mehr der ganze bekannte Automatismus los – mich schlecht, mich angegriffen, mich nicht (wieder mal) gesehen, wertgeschätzt und verkannt fühlen – los, die Traurigkeit, die damit verbunden ist….. – sondern an seine Stelle tritt die Neugier und der Forscherdrang, was diese Gefühle in Bewegung gesetzt hat.