Das Auf und Ab des Lebens

Es gab mal eine Zeit in meinem Leben – als ich aus der letzten Psychosomatischen Klinik (die ich mit 28 Jahren verlassen habe) kam – wo ich eigentlich keine Therapie hatte, (man erkannte nach einigen Versuchen in den Therapiegruppen, dass solches nur alles schlimmer machte – schon damals 1979 war denen klar, dass das Anrühren der Vergangenheit mich lebensuntauglich machte) da fühlte ich mich sehr mächtig. Sozusagen der „Herr im eigenen Hause“ war. Ja, ich war so umgepolt worden (von einem lebensunfähigen Menschen, sich ständig suizidieren-wollenden Menschen, unfähig in dieser Welt zurecht zu kommen, von einer Katastrophe in die andere stürzenden jungen Frau) in einen Menschen, der voll Zuversicht aus der Kliniktüre schritt hinein, in mein völlig neues Leben.

Ich frage mich heute noch, wie die das geschafft haben (wohlgemerkt ohne Therapie). Sie sagten mir damals schon ich solle keine Therapie machen. Ich hatte es zwar nie verstanden warum nicht und es gab (leider) Zeiten immer wieder…. wo ich es ihnen nicht glaubte (und eigentlich immer wieder zum gleichen Ergebnis kam) und erneut die Erfahrung machte, dass sie recht hatten. Alles wurde immer schlimmer und mein Absturz war eigentlich auch immer der selbe „ich konnte und wollte nicht mehr leben“. Was ist an Therapie so tödlich für mich? ICH WAR VON ANFANG AN NICHT GEWOLLT! Das war so stark und alles endete immer an diesem Punkt, was ja eigentlich zum Leben helfen sollte, kehrte sich um.

Wenn ich könnte, ich würde durch die Straßen auf der ganzen Welt laufen, mit einem Megafon, und unentwegt hinein schreien: „Kriegt nur Kinder, wenn ihr ihr es auch wirklich wollt! Ihr habt keine Ahnung was ihr diesen ungewollten Wesen antut!

Aber zurück zu dem, was ich eigentlich in diesem Beitrag mitteilen wollte. Diese letzte Psychosomatische Klinik, hat bei mir einen tödlichen Kreislauf durchbrochen – durch Nichttherapie! Ich bekam reichlich Sonderbeschäftigungen, während der Therapie-Gruppen-Stundenzeit für die anderen, ansonsten war ich immer eingebunden in den sonstigen Abläufen im Hause (Sport, gemeinsame Sitzungen bezüglich Hausinternas). Ich konnte mich frei bewegen, spazierengehen, raus in die Natur, mit anderen lachen und Ausflüge machen …. nur zu den Essenszeiten musste ich pünktlich das sein. Ein wichtiges Ritual war in diesem Haus (zur damaligen Zeit für Aussenstehende sehr befremdliches Verhalten) immer und überall sich zu umarmen – lange und ausdauernd – wie man es halt wollte. Das war ich nicht gewohnt! Da brauchte ich lange, bis ich das tun konnte. Aber ich war dort 7 Monate und ich lernte es schließlich doch – (übrigens sexuelle Beziehungen untereinander waren therapeutisch verboten – und man flog raus, wenn man sich nicht daran hielt) und zwar außerordentlich gut, ich war Meisterin darin geworden und liebte dieses „Bäuche-fühlen“ (wie ich es nannte). Mein Bauch wurde dann ganz weit und ich verschmolz auf eine nie vorher gekannte Weise mit dem Anderen. (Es fühlte sich an – als würde die Vorderseite meines Gegenübers sich auftun und mich miteinschließen und hinter mir wieder zu gehen – völlige Geborgenheit.) Manchmal standen wir sogar in 3-5er Gruppen ganz eng zusammen – gaaanz lange und fühlten uns. So zeigten wir uns unsere Sympathie und trösteten uns und andere. Vielleicht war das sogar das Heilsamste in dieser Klinik. Wer weiß!

Ich muss grad an Dami Charf denken, die eigentlich sagt, dass Therapie nur sinnvoll ist, wenn man den Körper mit einbezieht.

Und wieder zurück zu dem, was ich eigentlich mit diesem Beitrag ausdrücken möchte: Damals als ich diese wunderbare Klinik verließ, (die es leider nicht mehr gibt) voller Tatendrang und Freude auf ein neues Leben voller Überzeugung, dass es mir von nun an immer gut gehen würde – stürzte ich dann doch noch einmal ab – DENN EIN LEBEN NUR IMMER OBEN GIBT ES NICHT. Ich kehrte für ein paar Tage zurück in die Klinik – zu Besuch – wo ich erst lernen musste, dass ich etwas noch nicht richtig verstanden hatte. Nämlich, dass das Leben eben schwingt – auf und ab – und dass das ein natürlicher Zustand ist. Als ich das begriff, war wieder alles gut! Und ich hatte die letzte Lektion gelernt, die ich für mein weiteres Leben nach der Klinik, lernen konnte.

Auch jetzt in dieser „Selbstwirksamszeit“ nach der letzten gescheiterten Therapie – darf ich nicht wieder der Illusion trauen, dass ich nun immerzu selbstwirksam bleiben  kann. Es wird Zeiten geben, wo mein Lebenswägelchen wieder nach unten fährt – vielleicht weil es wieder etwas Neues zu lernen gibt, was ich noch nicht weiß, oder was ich vergessen habe. ❣

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Überlegungen zur Sehnsucht „Heilewerden“

Nachdem ich den vorvorletzten Beitrag hier geschrieben habe, ist mir erst so nach und nach bewusst geworden, dass sich irgendwie in meinem Hirn der Gedanke breit gemacht hat, dass ich im neuen Blog mit den Alternativen zu konventioneller Therapie, nichts „Schweres“, nichts „Problembeladenes“ schreiben sollte. Mir wurde bewusst, dass ich ein „Gegengewicht“ herstellen wollte, etwas, das wie rechtfertigend wäre, weil mein letzter Versuch Therapie zu machen doch wieder schief gegangen war. Weiterlesen

Sehnsucht

Gestern in unserem Mystik-Kurs – liefen mir dauernd die Tränen. Peinlich war das… echt! Momentan erfahren wir in diesem Kurs schon seit Monaten viel von Hildegard von Bingen.

Die stete innere Suche in meinem Leben (außer wenn wir Therapie machten, da ist das Spirituelle völlig weg, wird verschluckt vom „überlebenmüssen“) ist eine wichtige Sache in meinem Leben. Dumm ist dabei nur immer diese Sehnsucht nach dem „Jenseits“, die taucht dann regelmäßig auf und lässt sich kaum noch bremsen. Weiterlesen