Zusammengezählt

Von meinem 17ten Lebensjahr an bis zum 28sten hatte ich Therapie gemacht (damals kam ich nach einem 7 monatigen Aufenthalt aus einer Psychosomatischen Klinik). Zwei Jahre später bekam ich meine Tochter (die umfangreichste Lebens-Therapie  – bisher) Mit 36  – nach einem Zusammenbruch – nochmal 3 Jahre Therapie (als der Missbrauch erinnert wurde). Dann nach 24 Jahren ohne Therapie kam der Unfall, und wieder insgesamt ca. 1,5 Jahre Therapie.

Keine der X-Therapien kamen zum Abschluß – sie scheiterten – außer der letzten, da beschloss ich selbst sie zu beenden. Es ist im Nachhinein erschreckend, dass es so lange dauerte, bis ich endlich begriff, dass Therapie nicht grad das nonplusultra für mich war. Ein falscher Weg, den ich wieder und wieder einschlug und mir Kopf und Seele schmerzhaft halb einschlug.

DENNOCH – alle seltsamen Therapiewege brachten mir Erkenntnisse über mich, die mich und meine System besser verstehen ließen – wie ich ticke – welche Mechanismen ich benutze – was mir nicht hilft – was mir schadet….. Ich lernte mich auf diese Weise kennen. Ein harter Weg, den ich da „gewählt“ hatte – unbewusst. Eigentlich die logische Fortsetzung meiner harten Kindheit – ‚Heimatgefühle‘ eben – Gewohntes. Scheinbar ging es nur so. Scheinbar konnte ich nur auf die harte Weise hilfreiche Erfahrungen machen, die mich letztlich dort landen ließen, wo ich heute bin. Nämlich endlich zu begreifen, dass es nun langsam Zeit wird – mein Leben, meine Veränderungen wieder selbst in die Hand zu nehmen, bewusst (nicht mehr getrieben) meine Wahl zu treffen welchen Weg ich gehen will. Das hatte ich schon mal relativ erfolgreich geschafft, als ich meine Tochter großzog, für sie verantwortlich war. Eigentlich hat sie mich gerettet. Die Liebe zu ihr gab mir die Kraft ihr alles zu geben was ich hatte – mich selbstlos hinten an zu stellen – eben weil ich sie liebte und ihr nicht schaden wollte. Ich wollte mit aller Kraft und allem Bemühen eine gute (eine bessere als die meine sein, das war auch mein Motor) Mutter sein.

Bilanz: meines Lebensalters von jetzt 67 Jahren hatte ich also – über den Daumen gepeilt –  ca. 16,5 Jahre Therapie. Also abzüglich lebte ich an die 50 Jahre ohne Therapie, kam mehr oder wenig gut zurecht in diesem Leben, überlebte, lernte im Laufe der Jahre drei Berufe, zog mein Kind ganz gut groß und das allein, arbeitete und verdiente Geld, um uns zu ernähren, fiel niemanden zur Last, lernte stetig dazu, machte Erfahrungen, half anderen wo ich konnte und lebte verantwortungsvoll ohne weitgehend anderen oder der Welt zu schaden. Kurz – ich schonte mich selten.

Mit meiner Geschichte kein Pappenstiel.

Ich habe was vorzuweisen – keine materiellen Reichtümer – nur die kleine Rente – aber andere Reichtümer: Meine gelungene Tochter, – meinen reichen Erfahrungsschatz, – meine Kraft, – meinen Humor (den ich trotz allem noch habe), – meinen Glauben daran, dass man alles schaffen kann: wenn man will – meine Hartnäckigkeit: niemals aufzugeben, – immerzu bereit Neues zu lernen, meine Kreativität, – meine Liebe zur Natur, – meine Fähigkeit zu lieben, – mein Streben nach Erweiterung auf allen Ebenen, – mein Einfühlungsvermögen…..

Ich wurde vom Leben herausgefordert und ich nahm diese Herausforderung an und wurde dadurch immer kräftiger, ich gab mich letztlich nie auf, ich wollte nicht, dass mich meine Eltern weiterhin zerstören konnten (über ihren Tod hinaus) ich bot ihnen die Stirn und bewies, dass sie nicht recht hatten, dass ich nicht böse war, dass ich nicht wertlos und zu nichts nutze war, dass ich nicht lebensberechtigt war.

Ein harter Kampf…. wer aus ein solchen Vergangenheit kommt, mit solchen Hypotheken belastet – hat es nicht leicht im Leben und es gibt viele Menschen, die es viel – sehr viel leichter haben und hatten. Doch ich glaube auch, dass der Sinn eines Lebens hier auf dieser Erde nicht ist „es leicht zu haben“ – wir sollten lernen solange wir hier sind und ich bin davon überzeugt, dass wir mehr lernen konnten, dadurch, dass wir nichts geschenkt bekamen, dass wir uns mordsmäßig anstrengen mussten, als so manchen, denen alles in die Wiege gelegt wurde und die Wege geebnet waren.

Wir kommen eher von der buddhistischen Richtung und glauben, dass wir schon viele Male gelebt haben – viele verschiedene Leben und Aufträge hatten. Und wer weiß schon, was wir in den Leben davor gelebt hatten, vielleicht waren wir da jemand, der sich vor Erfahrungen gedrückt haben, es uns zu leicht gemacht haben, andere verletzt….. und haben uns für dieses Leben eben vorgenommen, dass wir diesmal ’standhalten‘ und sich diesmal unseren Herausforderungen stellen werden. Dass wir vielleicht dieses Leben uns selbst ausgesucht haben, weil wir in den anderen Leben immer ausgewichen sind, oder nicht lernen wollten, den bequemeren Weg gegangen sind….

Ja, und ich will nicht vergessen zu erwähnen: Der Glaube an etwas Höheres als wir kleine Menschen uns vorstellen können, auch der war ungemein wichtig und half mir sehr, all das durchzustehen, am Leben  und positiv zu bleiben.

 

 

 

Auch ohne Therapie bleiben wir Viele

Eigentlich sind wir doch ein ganz schön in sich stimmiges Team, ein bisschen sehr unterschiedlich ja, aber doch jeder für sich kämpfend (und wohlwollend für Alle) und bemühend um Lösungen. Und jede Person von uns die vorne ist, sich und ihr Erleben – ihrem Fühlen – Ausdruck verleiht – fühlt sich so an, als wäre sie die Einzige, die für alle spricht. Sie fühlen sich so eigenständig, dass wir Zeit brauchen, welcher Teil da nun für uns spricht, denkt…. Es fühlt sich so wahr, so echt an – bis wir nach ein wenig Innehalten merken, dass wir viele Seelen in unserer Brust haben, die auch wahr und echt sind. Jede für sich hat ihre Wahrheit und jede ist daseinsberechtigt. Und eigentlich sind wir doch ganz schön integriert und wenn wir keine Therapie mehr machen, kämpft da auch keiner mehr gegen den anderen. Weiterlesen

Und täglich ruft das Murmeltier….

Manchmal scheint es so, als ginge man/frau neue Wege und stellt irgendwann fest, dass es das Alte ist – im neuen Gewand.

Manchmal muss man wieder und wieder Altes wiederholen – das wir zunächst gar nicht als solches erkennen.

Wenn ich es schaffen würde all meine misslungen Therapieversuche zusammen zu zählen, käme ich vielleicht auf über 30. Ich gehöre wohl zu der Kategorie dieser Art von Menschen, die schwer begreifen.

Selbst jetzt wo ich diese Systemische Aufstellung machte glaubte ich wieder hoffnungsvoll, dass dies eine Möglichkeit wäre IM AUSSEN – DURCH DAS AUSSEN – mehr heile zu werden. Mein Wunsch nach Heilung, nach Frieden, nach weniger Leid ist unverwüstlich.

Am Sonntag machte ich eine 2. Aufstellung und sie funktionierte diesmal nicht – etwas (mal wieder) in mir ließ es nicht zu – tiefer zu gehen – etwas in mir erlebte die Aufstellerfrau nicht mehr wohlwollend, ich hörte Worte von ihr, die nicht stimmig waren, denen ich nicht vertrauen konnte – ja alte Leier – ich weiß. Alles was von anderen sog. Helfern kommt wird über kurz oder lang ‚unannehmbar‘.

Natürlich beleuchtete ich meine Enttäuschung, mein erneutes Versagen daraufhin, um zu ergründen (nach wie vor bleibt für uns die Tatsache, dass alles seinen Grund hat – und schließt damit ein, dass mir dieser Grund nur noch verborgen ist – aber es gibt ihn….. mein Gott bleibt in solchen Situationen dennoch fest verankert) und begann einen Dialog mit meinem Gott:

Jemand aus Ich: Da ist sie wieder…. die Aufforderung (wieso???) – immer und immer wieder – die mir zeigt: verlass dich nicht auf Menschen, sie sind nicht der Weg – nicht dein Weg – sie enttäuschen immer, wenn du Hoffnung  auf sie setzt – wenn du erwartest, dass sie was für dich tun können

„Du bist allein! – ich bin bei dir (sagt Gott) das reicht – du brauchst keine Menschen. Wenn du nicht mehr leiden willst – so bleib allein – sei selbstwirksam – das ist dein Weg, dafür bist du hier – du musst nur deinen Weg annehmen – sonst verschenkst du nur die restliche Zeit. Halte dich nicht an sowas fest wie andere Menschen – außer hilfreich für sie zu sein – das ist erlaubt, sei dankbar – und bedenke; nur für dieses Leben. Für dich sind Menschen und die Hoffnung, die du in sie setzt Gift und Schmerz. Dein Weg ist einsam, aber der der anderen Menschen auch, sie wissen es nur nicht – sie suchen noch die Erlösung außerhalb von sich – statt sie in sich zu suchen. Du brauchst keine anderen Menschen, ich bin bei dir – mehr brauchst du nicht, das musst du endlich verstehen und von diesem Gedanken Abschied nehmen, dass direkte Hilfe von ihnen nötig ist. Die meisten Menschen sind einsam obwohl sie Partner haben, obwohl sie Eltern sind, obwohl sie in Wohngemeinschaften leben, obwohl sie jede Menge sog. Freunde haben – egal wie viele. Sie sind auch allein – in Wirklichkeit allein, sie wissen es nur nicht – sie sind zu beschäftigt damit sich vorzumachen, dass sie nicht allein und einsam sind. Es ist schwer, ich weiß das… aber es ist die Läuterung – die letzte, die du noch erledigen musst. Das verlange ich von allen Menschen letztlich, nicht nur von dir, und du bist jetzt ganz nah an dieser (gelebten) Erkenntnis.

Leider lernst Du am besten, wenn ich dir wieder und wieder deine Hoffnung entziehe. Es ist deine Stärke, die ich pausenlos schwächen muss, damit du loslassen kannst in der Schwäche. Deine Erfahrungen am Anfang deines Lebens,  haben dich auf eine Weise so stark gemacht, dass deine Stärke dich daran hindert, das letzte Stück des Weges zu gehen, das du selbst gewählt hast und so sehr erreichen wolltest in diesem Leben (als du es dir vorgenommen hast – kein leichter Weg ich weiß, aber Du wolltest diese Erfahrung unbedingt machen und ich gab Dir den freien Willen). Ich helfe Dir nur, denn etwas in dir ist so stark geworden, dass du nicht gehen kannst und du ewig leben würdest – ein Leben voll Qual und ich weiß, dass dies das letzte ist, was du willst. Du willst schon so lange nach Hause gehen, hast so eine große Sehnsucht danach endlich gehen zu dürfen und diese gelernte Stärke verhindert, dass du loslassen kannst und endlich Frieden findest. Hier auf Erden findest du ihn nicht – den gibt es nur dort in der Heimat, aus der du kommst – und nicht bei den Menschen, nicht in den „Freuden“, die diese Welt dir zu bieten hat. Nimm es als Geschenk von deinem dich liebenden All-Einen, der dir immer nah ist und immer nah war, dass er dir alles zerstört und nimmt, was dich von deinem Weg abbringt, der Weg des Alleinsein, der Weg an nichts weltlichem festzuhalten, dein Herz an nichts hängen, nichts für dich wollen. Lass dir nichts anderes einreden – von niemanden. Du bist nie eine leere Tasse, ich bin immer in dir und ich bin endlos, ich bin Fülle – ich bin die alleinige Kraft, die alles weiß, die alles kennt auch die tiefsten Winkel in deinem Herzen. Ich bin bei dir ganz nah und voller Liebe für Dich.

Und danach konnte ich nur noch weinen und schluchzen….

Doch wer behauptet, dass das Leben nicht auch traurig ist?