Erinnerungen

Eigentlich habe ich für eine DIS relativ viele Erinnerungen (nicht die Emotionen) aber halt so viele Teilstückchen aus der Zeit als ich noch klein war – so ab 4 oder 5 Jahre.

Aber heute ist mir im Gespräch mit meiner Schwester so richtig bewusst geworden, dass dies eigentlich alles Erinnerungen sind, die mir Verwandte – vor allem meine Schwester – mir erzählt hatte, die 6 Jahre älter ist. Ohne diese Zeugen wüsste ich weitaus weniger.

Von 14 bis 17 (meine Mutter starb als ich 14 war) habe ich fast gar keine Erinnerungen. Obwohl ich da doch älter war, müsste doch was hängengeblieben sein. Im Heim, in das ich nach dem Tod meiner Mutter kam, hat man mir ein Jahr später erzählt, dass ich nicht mehr gesprochen habe – wieso ich mich da nicht dran erinnere – ist schon komisch. Wo war ich denn dann da? Ich vermute irgendwie in mir drin!

Das Geschichtenschreiben hat mir auf diesen Weg – für die vielen Lücken Erinnerungen geschenkt. Vielleicht sind sie nicht 1:1 wahr, aber sie geben mir ein Gefühl dafür, wie die Atmosphäre war – damals – und sie machen aus dem wenigen, was mir erzählt wurde, und dem was ich an Erinnerungsfetzen habe – eine narrative, zusammenhängende Geschichte – mein Leben.

Und irgendwie ist es seltsam, wenn ich so auf das Stückwerk meines Lebens schaue, ist es wirklich meins? Was bleibt wohl davon übrig, wenn mein Körper zu Asche zerfällt?

Werden diese Erinnerungen, mein zerstückeltes Leben dann noch eine Bedeutung haben? Werden meine Innenkinder, dann wieder ganz Eins werden mit mir? Was wird übrig bleiben als Essenz aus diesem zeitweise so qualvollem Leben? Was wird der Lohn sein für meine Bemühungen, das Beste aus diesem gewähltem Erdendasein gemacht zu haben? Wird es überhaupt belohnt werden? Vielleicht wird es einfach sich auflösen in etwas viel Wichtigeres. Und was wird das Wichtigere dann sein? Wird diese Leben hier, nur eines von vielen sein, das keine Bedeutung mehr hat – gemessen an dem, was uns nach dem Tod erwartet? Vielleicht werden wir sogar darüber lachen – über die vielen Dramen, in die wir Jahrzehnte Leben investiert haben. Vielleicht ist es nur ein kleines Puzzleteil von meinem „Ganzen“ oder dem großen Ganzen, wenn wir von dort einen Blick darauf richten. Vielleicht geht es uns dann so, dass wir auf dieses Leben blicken (zusammen mit den anderen Vor- und Nachherleben, die wir schon gelebt haben) und schmunzeln über die Erkenntnis, dass wir wieder mal in die Falle gegangen sind und geglaubt haben, dass dieses eine schmerzhafte Leben überaus wichtig war.

Vielleicht erkennen wir dann mit der Verschmelzung von Gottes Humor, dass dieses Leben auch nur eine Geschichte war – keine schöne – aber eine lehrreiche, dessen Lehren wir dem Großen-Ganzen als Rückkehrgeschenk – als kleiner Tropfen – dem ewigen Meer hinzu gefügt haben – unseren individuellen Beitrag zum „Allem-was-ist“.

Vielleicht geht es uns so wie Nero – in dem Film Matrix – dass wir irgendwann erkennen, dass wir nur ein Teil der Matrix sind, die sich da jemand ausgedacht hat.

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