Manno – bin ich froh

dass ich aus den ständig sich wiederholenden Auf- und Abs, ständig neuen (nie beweisbaren) Dramen-Zirkus raus bin, den ständigen Paniken, den unentwegt um sich selbst kreisenden Gedanken, dem immer auf die Schrecklichkeiten der Vergangenheit gerichteten Fokus.

Mir fällt erst jetzt so richtig auf, wie frei sich mein Leben ohne Therapie jetzt anfühlt, wie ruhig es geworden ist – gut manchmal auch zu ruhig -finden da welche in mir. In unserer Kindheit gab es ja keine ruhige Minute, überall drohende Gefahr, Aufpassen, stets in Habacht-Zuständen, ständig in Unruhe darüber was jetzt wohl kommt, wie man sich diesmal rettet….. Ein Lebensgefühl, des Verfolgtwerdens. Und irgendwie auch eine Art „Heimatgefühl“ –  ja, wirklich, wir waren es gewohnt, dass der Adrenalinpegel immer hoch war, außer in der Natur, da war ich selbstvergessen, entspannt, in Ruhe.

Gut, dass ich diese Fluchtpunkte in der Natur hatte, so lernte ich das Leben von einer ganz anderen Seite her kennen und heute sage ich sogar, dass es mein echtes Leben war. Das andere Leben war Geschrei, Erniedrigung, Lärm, Angst, Aufregung, Kampf…. es fühlte sich an, als wäre es nicht wirklich mein Leben. Und doch hatte es große Wirkung auf mein späteres Leben. Mein Sein ging in Resonanz mit ungewöhlichen Aufregungen, sehr oft geriet ich in stressige Situationen, nie lief alles ’normal‘ ab. Langeweile, Nichtstun kannten wir nicht – suchten es auch nicht – immer in Aktion – auf der Jagd nach neuen Anreizen. Ruhe halten wir noch immer nicht lange aus, dann fühlt es sich so an, als würde etwas fehlen. Das sind Altlasten! Aber es fehlt nichts – alles ist da was ich brauche!

Selbst jetzt wo wir schon 5 Jahre Rentnerin sind, ist da ein unruhiger Geist, immer aktiv, der alles erforschen will, Neues sucht und sehr viel unterwegs sein muss, um sich gut zu fühlen. Und immer noch finden wir die Entspannung meist am besten in der Natur, so wie damals, und immer noch versinken wir wie damals als Kind in interessanten Bücherwelten, selbstvergessen und gehen ganz auf in dem Lesegeschehen. Ein gesundes Wechselgeschehen von Spannung und Entspannung.

Was kann uns schon Schlimmes geschehen, wir haben bereits so ziemlich alle Schrecken  schon erlebt. Schmerz, Angst, Missbrauch, Todesdrohung …. – und wir haben all das überlebt – was kann da noch kommen, was wir davon noch nicht kennen? Viel Schönes ist uns in der Kindheit entgangen – Unbeschwertheit, Sicherheit, Freude, Zuversicht, erfüllte Wünsche und schöne Träume, Geliebtwerden, Fröhlichkeit, Schmerzfreiheit ….. all das wird nun endlich Zeit, dass wir das noch kennenlernen, wahrnehmen können in unserem Leben. Lieber spät als nie!

Es folgten uns viele auf unserem alten Blog, als wir uns als ‚Geschundene‘ fühlten, bekamen viele tröstende Kommentare und fühlten uns zugehörig durch die Anerkennung im alten Leid. Aber im neuen Blog, der in die konstruktive, sich befreiende Zukunft weist, begleiten uns kaum noch Kommentare. Es ist wie in der Zeitung – wenn die Schlagzeilen sich nicht grausam und spektakulär anhören, schwindet das Interesse des Lesers. Ich habe mal irgendwo gelesen, dass es eine Zeitung gab, die die positiven Nachrichten verbreitete (was es doch durchaus auch in der Welt gibt). Sie ging unter, dort waren keine schrecklichen Details von Gewalttaten, von steten Ungerechtigkeiten, von Sensationen zu lesen, diese Nachrichten waren offensichtlich nicht so spannend. Auch das scheint mir eine grundsätzlich großes Bedürfnis der meisten Menschen zu sein: die Erwartung, dass etwas Schlimmes passiert, der Wettlauf der Sensationen, der Grausamkeiten, des Leidens… Wir werden in den Medien, in Krimis …. geradezu gefüttert mit solchen Nachrichten. Es ist ja so leicht sich in diesem Sog des Schlimmen … Schlimmsten, am Schlimmsten hineinziehen zu lassen, statt sich mit selbstwirksamen Aktionen selber an der Verbesserung der Umstände bei sich selbst und auch in der Welt einzubringen. Die fast völlig Abwesenheit von Spirituellem bei den Aufarbeitungsbemühungen in den Therapieversuchen, die eigentlich helfen sollten, können nur oberflächlich wirken, wenn nicht erkannt wird, dass es Gesetzmäßigkeiten gibt in dieser Welt, z.B. die die wir in der Metapher von den 2 Wölfen finden können. Wir haben die Wahl mehr vom Alten, das uns nicht weiter bringt immerzu zu wiederholen oder etwas Neues zu wählen.

Die Kreativität in uns, die wir als Kind schon ausgiebig lebten, ist immer noch uns eigen. Auch in ihr verschmelzen wir bis zu dem Punkt, wo wir als eigener Mensch eigentlich gar nicht mehr da sind. Was sollen wir bloß mit all den alten Kamellen, den alten Hilflosigkeiten, den uralten Schrecken? Das Leben hat soviel Schönes, das ich in meiner Kindheit nicht leben konnte, soll ich mein restliches Leben auch noch hingeben an die lebenszerstörenden Kräfte von damals?

Heute frage ich mich, wie verstört muss ich wohl durch den Unfall gewesen sein, dass ich mich wieder so in alte Ängste verfangen konnte, dass das vergangene Leid mich wieder so  eingeholt hat, so als wäre ich noch immer das Kleinkind von damals – hilflos – ausgeliefert – ohne Möglichkeit etwas dran zu verändern. Wie konnte ich nochmal in diese Falle gehen (die mich schon viele Jahre meiner Jugend und meines jungen Erwachsenenlebens gekostet hat – durch sinnlose Therapien), die mich wie ein Sog in die Vergangenheit zog? Diese Suche nach Relikten aus der Vergangenheit (Schmerz und Trauma) hatte ich schon vergessen und so ein blöder Unfall hat sie hoch gespült und mich wieder in alte Zeiten katapultiert.

Das Leben ist nicht einfach – weder damals noch heute – es war und ist voller Herausforderungen – und wir müssen es uns nicht noch schwerer machen oder? Leid, Schmerz und Angst kommen auch wenn wir es nicht ständig in unseren Gedanken kreisen lassen. Wir haben so viele Ressourcen auf unserem Lebensweg erworben, so viel gelernt – was sich durchaus sehen lassen kann. Und wir haben so viel zu geben, weiterzugeben, sind fähig anderen Freude zu machen, mit ihnen zu lachen, unsere Erfahrungen weiter zu geben. Wir können lieben und Freundschaften schließen und uns darin üben anderen zu vertrauen. Das ist doch ganz schön viel! Wir wollen uns nicht länger mit unseren Defiziten aus der damaligen – längst vergangenen Zeit beschäftigen.

Wir lassen uns nicht mehr auf die Schubladen von Diagnosen reduzieren.

 

 

14 Gedanken zu “Manno – bin ich froh

  1. Liebe Pollys
    Eigentlich verwunderlich, dass Dir die Follower aus Deinem alten Blog hier nicht folgen, denn die Tendenz der Seelen geht doch in Richtung Heilung, und wie man es schaffen kann.
    Deine Exfollowers sind Dir gefolgt, weil sie sich in Dir selbst erkannten, und deshalb müsste ihr Interesse eigentlich steigen zu erfahren, wie Du Deinen Aufstieg meisterst.
    Also drängt sich mir der Verdacht auf, dass sie gar nicht mitgekriegt haben, dass Du einen neuen Blog hast.
    Warum also schreibst Du sie nicht einzeln an und machst sie darauf aufmerksam – hmm würde ich meinen 🙂
    Hab einen schönen Sonntag
    und ganz liebe Grüsse aus Wien
    Doris Barbara (Freunde nennen mich Babsie) ❤

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    • Ja, liebe Doris Barbara, das dachte ich eigentlich auch – aber das zeigt mir, dass sie noch in der endlosen Schleife sitzen und noch nicht so recht an ihre Selbstwirksamkeit glauben können. Vielleicht auch weil sie nicht die nötige Unterstützung in Therapie bekommen, um an ihre eigene Stärke zu glauben, oder in einer Abhängigkeit vom Therapeuten festhängen. Hätte ich nicht zuletzt eine so grauenhaft unfähige Therapeutin gehabt (sondern eine die lieb zu mir ist, säße ich vielleicht auch noch in der Falle und würde glauben, dass ich schwach, unfähig und hilflos bin und nur durch Therapie gerettet werden kann und hätte geglaubt, dass ich doch noch dort die ausgleichende Liebe und Wiedergutmachung bekomme.) …. das nennt man wohl Glück im Unglück.

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  2. Weißt du wenn’s jemandem nicht gut geht, ist es kaum möglich ohne Kommentar weiter zu lesen. Wenn Positives berichtet wird, ist es fein ein „gefällt mir“ zu klicken und das war’s. Dann ist ein Kommentar nicht dringlich! Seh es also als Anerkennung, dass keine Kommentare kommen. Die Leser*innen vertrauen in deine Heilung und deinen Weg und müssen nicht extra Mut zusprechen, weil sie sich so ohnmächtig fühlen beim lesen.
    Liebe Grüße
    „Benita“

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    • Oh, ich verstehe schon – doch genau darum geht es „sich zu erheben aus dem Sumpf der ewigen Wiederholungen im Leid “ nicht altes Leid immer wieder neu zu fühlen. Wenn es da ist, dann auch den alten Stimmen etwas entgegenzusetzen? Ist es nicht genauso wichtig sich zu bestärken für einen neuen Weg, denn der alte wurde so lange immer wieder aufs Neue belebt und so wurde das alte Leid das Neue. Welchen der Wölfe füttere ich also….. (Metapher), welchem gebe ich Gewicht und erlaube ihm zu erstarken. Nein, ich brauche keine Kommentare der Ermutigung, das ist wahr – denn sich voll zu entscheiden und dahinter zu stehen wird zum Selbstläufer. Ich brauche auch keine kraftlosen likes – ich wünschte nur, dass es den Followern aus Melinas Blog, bald besser geht und sie sich aus der Opferhaltung befreien können. Vielleicht muss man da „wirklich erst die Schnauze voll haben“ von negativen Erfahrungen – ehe man dort landet. Und wir Vielen sind sehr viel Leid gewohnt, da kann es lange dauern…. Vielleicht muss man auch erst alt werden, ehe man erkennt, dass man viel Lebenszeit mit der Suche nach der Illusion des Ungeschehenmachens von all der Ungerechtigkeit, der nicht gelebten Kindheit und Jugend, verloren hat.

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      • Ich habe deinen alten Blog gelesen und lese auch diesen hier,weil ich es toll finde, das du einen Weg für dich gefunden hast,der für dich gut und richtig ist. Und ja ,ich kommentiere wenig,aber nicht nur bei dir,sondern auch bei anderen.
        Aber jetzt muss ich einfach fragen,was genau verstehst du unter Opferhaltung?
        Bin ich Opfer weil ich mir Hilfe in Form einer Therapie hole. Oder ist es vllt genau das Gegenteil, weil ich den Kampf aufnehme und mir eingestehen,das ich es nicht alleine schaffe. Noch nicht!
        Und es ist auch keine Suche nach Ungeschehenmachen, denn das wäre sehr unrealistisch. Nein es ist die Suche nach Integration des Erlebten.
        Versteh mich bitte nicht falsch, ich bewundere dich für deine Kraft und deinen Mut, nur hab ich manchmal das Gefühl beim lesen,das ich mich schlecht fühlen soll ,nur weil ich Therapie mache….

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      • Oh nein, das will ich ganz bestimmt nicht, dass jemand sich schlecht fühlt, weil er mit Hilfe der Therapie dazulernen will. Auch ist es nicht wichtig ob ich Kommentare oder Likes erhalte auf meine zukunftgerichteten Selbstwirksamkeits-Bemühungen. Es wunderte mich nur, dass ich bei meinen Schilderungen meiner Verzweiflung und des vielfachen Leids soviele Likes und wohlmeinende Kommentare bekam – sich viele dafür interessierten wie es mir ging, als es mir schlecht ging. So kam ich zu den Schluss, dass der Wille zum heile werden durch eigene Kraft wohl nicht so beliebt ist. Ich glaubte ja selbst noch vor nicht langer Zeit, dass meine einzige Möglichkeit der Heilung darin liegt, mir von einer Therapeutin helfen zu lassen. Hätte ich eine bekommen, die mich liebevoll behandelt hätte und ich mich gut bei ihr gefühlt hätte, wäre ich wohl hängen geblieben und wäre weiterhin in meine schmerzhaften Vergangenheitskrater abgestiegen und hätte all das alte Leid und Schmerz zutage befördert und auf Mitleid gehofft. Natürlich verstehe ich sehr gut, dass es sehr verlockend ist, wenn da niemand als Kind da war, der uns in unserem Schmerz getröstet hätte, keiner da war, der uns geliebt und verstanden hat, dem Impuls nachzugeben. Aber das ist ein Faß ohne Boden, und kann nicht wirklich nachgeholt werden. So hatte ich das Glück mich wieder auf meine Selbstwirksamkeit zu besinnen und nicht noch weitere Jahre in dieser Opferhaltung zu verweilen (und weitere Jahre zu verlieren) beim Warten darauf, dass mich endlich jemand sieht, wenns auch nur ein Professioneller ist, der dafür bezahlt wird. Eine Dunja Voos schreibt dazu einen recht guten Artikel, falls es Dich interessiert. Sie ist Psychoanlalytikerin: https://www.medizin-im-text.de/blog/2014/4866/komm-mal-aus-der-opferrolle-raus/
        In den Blogs lese ich meist nur von Therapien wo es nur um Leid geht und es immer schlimmer wird.
        Ich schreib den Blog doch nur für mich (weil Geschriebenes mehr Bestand hat) und gebe weiter für die, die Interesse haben an dem was mein Weg ist und vielleicht auch ausprobieren möchten, welche neuen Wege sie beschreiten könnten, wenn sie denn wollen und sich entscheiden aus dem Kreislauf des Leidens auszubrechen.

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      • Ich habe das auch gar nicht so aufgefasst – ich wollte es nur klarstellen und weil Du gefragt hast was ich mit Opferhaltung meine habe ich es länger 🙂 ausgeführt. Kein Problem liebe Seelen Splitter – von Seelensplitter zu Seelensplitter – alles gut! 🌸❣

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