Persönliche Freiheit

In unserem philosophischen Kurs ging es heute um persönliche Freiheit (letztes Mal um Freiheit und da das ein so großes Thema ist, haben wir es nun noch einmal zusätzlich geteilt). Dieses Mal ging es um persönliche Erfahrungen mit der Freiheit. Die 2 Stunden verflogen wie im Fluge. Und alles läuft eigentlich wieder darauf hinaus, dass man auch um die eigene Freiheit  leben zu können, sehr gewissenhaft darüber nachdenken muss und mehr Bewusstsein – für die vielen Facetten von Freiheit des Einzelnen, entwickeln muss. Auch Freiheit benötigt eine Entscheidung, denn Freiheit ohne Verantwortung gibt es nicht.

Wenn wir uns beispielsweise frei dafür entscheiden eine Familie zu gründen oder für die Freiheit Kinder zu haben, oder die alte Mutter/Vater zu pflegen…, so beinhaltet das auch, dass wir ein Stück weit unsere anderen Freiheiten aufgeben müssen, weil solche Entscheidungsfreiheiten, eben auch Verantwortung mit sich bringen und wir uns einschränken müssen in anderen Bereichen von Freiheit. Es ist dann eine frei gewählte Freiheit/Verantwortung, die uns vielleicht in anderen Dingen unfrei macht.

Ein interessanter Gedanke war auch bei diesem Thema, dass die Freiheit in einer bestimmten Art und Weise auch vielerlei Konsequenzen mit sich bringt, nämlich da wo der eigene Ausdruck der Lebensfreiheit, oft auch anderen Menschen nicht gefällt, oder andere Menschen stört …. verletzt…. (weil wir ihre Erwartungen vielleicht nicht erfüllen). Es ist also sehr wesentlich, dass wir uns über die Konsequenzen von Freiheitsausübung sehr bewusst werden, und wir Stärke entwickeln müssen auf unseren frei gewählten Weg, wenn wir unseren Weg authentisch gehen wollen. Es ist wie eine Gratwanderung und in unserem Bewusstsein muss erarbeitet sein, wie viel uns unser freiheitlicher Lebensweg bedeutet und wie viel wir dafür zu geben bereit sind.

Ich kann jetzt nicht über die ganzen 2 Stunden hier schreiben, da waren viele gute Gedanken dabei, viel Stoff und Anregung um darüber nachzudenken und sich bewusster zu werden.

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Wachstumswege und Puzzlestücke

Dieser Beitrag liegt nun seit ca. einer Woche hier rum – warum? Hm, erschien mir ein wenig hart für Leute, die da mittendrin stecken. Aber – zu seiner Meinung, zu seinen Erfahrungen zu stehen ist auch wichtig und dieser Blog soll Ehrlichkeit beinhalten.

So wirft das Teilchen, das da liegt, die Frage auf: Was ist das, was einem im Leben dazu bringt, einen völlig neuen Weg einzuschlagen, bzw. was fehlte damals, als ich noch meine Leidensrunden drehte und voll Verzweiflung einen Ausweg suchte. Was hat sich geändert, dass ich eine so krasse 180 Grad Wendung machen konnte? Was fehlte mir damals als ich es nicht konnte?

Der Moment, ich erinnere mich noch genau, als ich die Entscheidung traf „Nicht-weiter-so“, war nach der Therapiestunde, wo zum 17. Mal die Verteidiger in mir verhindert hatten, dass irgend etwas anderes als Abwehr möglich war. Auf der Heimfahrt traf mich die Absurdität mit Wucht. Es war ein Moment des Begreifens, dass das was ich da versuchte – zum 17. Mal – mir niemals helfen würde. Mir wurde bewusst, dass ich allein war, dass es nur an mir lag ob ich das noch weiter mache, noch viele solcher Ringkampf-Runden drehen – oder wirklich damit aufhören wollte. Da stand vor meinem inneren Auge in Großbuchstaben das Wort „SELBSTWIRKSAM“. Und ich ging nach Hause, setzte mich an den Computer und schrieb der Therapeutin die Nachricht, dass das die letzte Stunde war und sie solle die Abschlussrechnung beim Fond einreichen.

Ich fühlte eine unendliche Erleichterung – und die Gewissheit, dass nun alles nur noch besser werden konnte.

Der Moment, der da eintrat, war einfach, dass ich verstand – etwas hatte das Brett von meinem Hirn genommen – ich konnte und wollte mit einem Mal sehen, mit einer solchen Klarheit, was für einem Irrtum ich aufgesessen war: Ich wusste plötzlich, dass die Lösung nie von Außen kommen konnte, dass sie nur in mir lag, dass nur ich selbst dafür sorgen konnte, dass sich mein Leben änderte, dass ich Verantwortung für mich übernehmen musste.

Aber was war das Moment? Extremer Leidensdruck? Dass das Hirn plötzlich feststellte, dass das was ich tat zum 17. Mal (nur die bei der letzten Therapeutin genommen, die Jahre vorher mal nicht mitgerechnet) das Absurde daran plötzlich verstand? Wieso konnte ich das Jahre vorher nicht erkennen – wo ich doch in endlosen Runden dasselbe dachte und tat? Hatte eine Höhere Macht Erbarmen mit mir? Waren mir plötzlich neue Gehirnverdrahtungen gewachsen? Ehrlich ich weiß es bis heute nicht. Ich weiß nur, dass es ab da aufwärts ging, dass mein Geist und Herz offen waren – und es fühlte sich an wie ein Geschenk. Keine Mühe mehr, nein Freude und Begeisterung – endlich auf Forschungsreise gehen zu können – frei zu sein alles auszuprobieren, zu entdecken, den alten Schrott los zu lassen.

Was danach passierte ist eigentlich klar. Ich lernte, ich machte neue Erfahrungen, ich war bereit weisen Menschen – auch Menschen, die ganz unübliche Erfahrungen gemacht hatten – zuzuhören, war bereit anderen zu glauben und nicht mehr denen, die mir in der Kindheit die Sätze eingetrichtert haben, die ich mir selber sogar noch als Erwachsener stetig weiter einredete, dass ich hilflos ausgeliefert bin, dass mir nie geholfen werden kann, dass ich nichts Gutes verdient habe…. etc.. Mein Herz und mein Verstand waren in alle Richtungen offen. Je mehr neues Wissen ich in mir aufnehmen konnte, je mehr ich verstand von den Lebensregeln und Lebensgesetzen, desto leichter wurde alles. Ich setzte das neue Wissen um und besah im Rückblick meine Automatismen, lernte sie zu erkennen und sie zu stoppen. Mit großer Freude erkannte ich nun die alten Muster, die mich immer wieder in die Leidenszustände führten und konnte sie daran hindern, weil ich gelernt hatte, wie ich das unterbinden konnte. Ich war Herr/Frau meiner selbst. Ich nahm mir die Macht zurück, die mir in meiner Kindheit genommen worden war und was ich im Kinderdenken immer noch für das Denken im Erwachsenenalter  – übernommen hatte ohne es zu merken und immer noch danach gelebt hatte.

Es scheint, dass nur ein ganz geringer Prozentsatz, dazu in der Lage ist ohne Hilfe durch Therapeuten zu dieser Selbsterkenntnis/Selbstwirksamkeit zu kommen. (Aber mir scheint auch mit Therapie ist das so). Ich glaube auch nicht mehr daran, dass es wirklich sehr viel hilft, wenn die Traumatisierten diesen Heilungsweg Jahrzehnte lang durch Therapie machen – langsam und schonungsvoll von hilflosen, unwissenden, blinden Therapeuten geführt werden und glauben, dass sie mit Samthandschuhen behandelt werden müssen. Im Gegenteil, ich glaube, (so wie es bei den meisten Alkoholikern ist, dass es darum geht, den Punkt zu erreichen, der da heißt: Weitertrinken und Sterben – oder das Glas stehen zu lassen und leben). Die meisten Alkis, die zu trinken aufhörten, waren an diesem Punkt (während meines Aufenthaltes in einer Psychosomatischen Klinik, konnte ich das life sehr gut beobachten, da waren auch viele, die durch ihre Sucht kriminell geworden waren und wo es hieß: Gefängnis oder Therapie und die war sehr konfrontativ, denn wenn sie diesen Punkt verweigerten, dann mussten sie jahrelang ins Gefängnis) und konnten das 1. Glas erst dann stehen lassen als es um Leben und Tod ging. Die meisten entscheiden sich zu leben. Gut es gibt einige, die weitertrinken und sich zu Tode  saufen oder ihr Hirn dabei völlig zerstören, und einige, die eine Weile trocken bleiben und dann wieder rückfällig werden (weil sie unachtsam waren und/oder sich einredeten sie wären etwas besonderes und könnten weitertrinken ohne wieder abhängig zu werden: ein Glas wäre schon nicht so schlimm). und der Tanz wieder von vorne los geht.

Analog dazu sehe ich sehr deutlich, dass es bei Traumageschädigten eigentlich auch ein Sucht ist, zumindest bei denen, die schon lange die Leidenskreise laufen (die Sucht nach Leiden – weil so gewohnt und die Angst vor dem Neuen, das sie nicht kennen). Wenn sie lange rumeiern und diese Leidkreis-Runden drehen (Jahre, auch der Alkoholiker trinkt so lange bis seine Leber kaputt ist, sein Leben in Schutt und Asche liegt, nichts lebenswertes mehr in seinem Leben ist) kommen sie früher oder später zu dem Punkt: so weiterleben oder sterben.

Inzwischen sehe ich Therapien (und ich habe viele als schwer Betroffene in all den Jahren gemacht), nur noch als Handlanger zur Leidensverlängerung, an der sie verdienen. Das mag hart erscheinen, denn natürlich haben diese „Fachleute“ den Willen zu helfen und glauben auch, dass sie das tun, sonst verlören sie ja ihre Berechtigung. Für mich ist das nur Leidverlängerung, und wer möchte schon wertvolle Lebenszeit verlieren, wo einem doch schon als Kind die Kindheit genommen wurde. Ich bin sicher in ein paar Jahren wird sich das auch ändern und man wird in der „Fachwelt“ zu dieser Erkenntnis kommen.

Ja, und natürlich möchte jeder zu den besonders Begünstigten gehören, deren Leid durch eine äußerst kompetente Fachperson beseitigt wird. (Schon wieder diese Fiktion: ich bin etwas besonderes [wegen meinem Leid? Solange diese Fiktion im Kopf ist und verweigern, dass es Millionen gab und immer noch gibt, denen es noch weit schlimmer ergangen ist und noch immer geht, wird es nicht gelingen unsere Vergangenheit hinter uns zu lassen]. Und wir von einer Wiedergutmachung für all das Leid, dass man erlebt hat, erträumen. Wie soll das geschehen bei so wenig wirklich guten Therapieplätzen und wirklich engagierten Therapeuten, die sich mit ganzem Herzen einsetzen – nicht nur wegen der guten Bezahlung?

Ich möchte erinnern an meine Erfahrungen, dass ich nicht theoretisch darüber spreche. Ich habe in der Jugend und im jungen Erwachsenenalter Xmale Suizidversuche gemacht, die hießen alle eigentlich – ich will so nicht mehr weiterleben, so ein Leben im Schmerz und Leid ist nicht lebenswert. Ich habe sie alle überlebt, ich war nicht tot zu kriegen. Es gab eine Kraft in mir, die offenbar an mich glaubte, die mich am Leben hielt, weil ich noch etwas zu lernen hatte und mich nicht so einfach davon machen, nicht ausweichen konnte, es mir nicht so einfach machen konnte.

Ich glaube, dass so eine Kraft in uns allen ist, die gerade an jenem Punkt, wo es um die Entscheidung: ‚Leben oder Sterben‘ geht – uns herausfordert – endlich richtig zu leben und aufhören uns leben zu lassen von diesem Kinderdenken – es ist eine Aufforderung erwachsen zu werden, Verantwortung für unser Leben zu übernehmen, egal was hinter uns liegt. Eine Aufforderung, dass wir das Beste aus unserem Leben machen und es in Würde leben. Eine Aufforderung unsere Lehre durch das Leben anzunehmen. Wir sind nicht hierher gekommen auf unsere Erde, um unsere Wunden lebenslang zu lecken, nicht um nur unser Leiden zu pflegen, nicht um sich egozentrisch, um uns allein zu drehen. Es geht so vielen Menschen schlecht, und den Tieren und der Natur – für all das sind wir verantwortlich, nicht nur für uns allein. Wenn wir nur noch unser Leid betrachten ist niemanden geholfen, am wenigsten uns selbst.

Vielleicht begreift man das aber auch erst, wenn man im letzten Drittel seines Lebens angekommen ist. Vielleicht kann ich auch deshalb jetzt effektiver Lernen und Denken als früher, weil die Lebenszeit absehbar ist.

 

 

 

 

 

„Die Kinder von Windermere“

Der Film „Die Kinder von Windermere“ eine Dokumentation über 300 Kindern, die nach ihrer Befreiung aus dem KZ Auschwitz/Birkenau, Zuflucht in England fanden und dort erst lernen mussten wie es ist zu leben, machen es uns eigentlich vor.

Als nach 6 Monaten Erholung und Lernen, sie dann in die Welt geschickt wurden (viel zu wenig Zeit für all die Seelen- und Körperverletzungen, die diese Kinder erlebt hatten) sagte der Leiter und Initiator dieser ganzen Aktion zum Abschied: „Ihr verdientet, bei dem was ihr durchgemacht habt eigentlich, dass man Euch die Welt zu Füssen legt. Nehmt es Euch nicht, erwartet nichts, sondern gebt es Euch gegenseitig, und macht das Beste aus Eurem Leben.“

Und das ist wohl die Krux, auch viele von den Traumatisierten glauben später als Erwachsene, es müsste Ihnen Ausgleich zustehen, Gerechtigkeit und warten darauf. Aber da können sie ihr ganzes Leben warten – es wird wahrscheinlich nie geschehen. 

Die Überlebenden wurden im Anschluß dieser Doku (als sie schon alt waren) auch gezeigt und befragt, was aus ihrem Leben geworden ist. Durchwegs haben alle davon berichtet, dass sie sich ein gutes Leben aufgebaut haben, sogar teilweise sehr erfolgreich geworden waren, Familien gegründet, Kinder und Enkel hatten….. Und ihren Sinn fanden sie sehr häufig darin, dass sie Zeitzeugen waren und es als ihre Aufgabe betrachteten, darüber zu sprechen und sich dafür einzusetzen, dass so grausame Geschehnisse sich nicht mehr wiederholen

Ja, einen Sinn muss man schon finden, wenn man gut solche schwere Zeiten überleben will.

Beziehungen 1

F    L. Hay: spricht hier über Beziehungen – und beim nächsten Mal berichtet sie über ‚Harmonische Beziehungen‘ – da bin ich schon ganz neugierig.

„Glauben Sie nicht an Einengung!

Es scheint, als wäre alles im Leben Beziehung. Wir haben alle Beziehungen. Sie haben jetzt sozusagen eine Beziehung zu dieser CD, die Sie hören, zu mir und meinen Vorstellungen. Die Beziehung, die sie zu Gegenständen, Nahrungsmitteln, dem Wetter, Reisen und zu Menschen haben, spiegeln die Beziehung wider, die sie zu sich selbst haben. Die Beziehung, die Sie zu sich selbst haben, wird im hohen Maße von den Beziehungen beeinflusst, die Sie zu den Erwachsenen hatten, die Sie in Ihrer Kindheit umgaben. Die damaligen Verhaltensweisen uns gegenüber ist oft so wie wir heute zu uns sind – sowohl im Positiven wie auch im Negativen.

Vergegenwärtigen Sie sich einen Augenblick die Wörter, die Sie benutzen, wenn Sie sich selbst beschimpfen. Sind das dieselben Wörter wie die der Eltern, die sie benutzten, als sie Sie beschimpften? Welche Wörter benutzen Sie wenn Sie sich selbst loben? Ich bin sicher, dass es dieselben sind. Vielleicht wurden Sie nie gelobt, deshalb haben Sie vielleicht keine Vorstellung davon, wie man sich selbst lobt. Vielleicht denken Sie, dass es an Ihnen nichts lobenswertes gibt. Ich beschuldige unsere Eltern nicht – weil wir alle Opfer von Opfern sind – sie konnten Ihnen unmöglich etwas beibringen, was sie selbst nicht wussten und kannten.

Sandra Roy, die große Vertreterin der Wiedergeburtslehre, die sehr viel auf dem Gebiet der Beziehungen gearbeitet hat, behauptet, dass jede wichtige Beziehung, die wir hatten, ein Abbild der Beziehung ist, die wir zu einem Elternteil hatten. Sie behauptet auch, dass wir uns niemals eine wunschgemäße Beziehung aufbauen können, ehe wir nicht diese ersten geklärt haben. Beziehungen sind Spiegel unseres Selbst. Unsere Attraktivität gegenüber einem Menschen spiegelt immer – entweder eine Eigenschaft, die wir haben, oder unsere Auffassung, die wir zu Beziehungen haben. Das gilt ob es nun ein Chef ist, ein Mitarbeiter, ein Freund, ein Liebhaber, ein Ehepartner oder ein Kind. Das was Ihnen an diesem Menschen missfällt, ist entweder das, was Sie selbst tun, gerne tun würden oder was Sie glauben. Sie können auf diese Menschen nicht anziehend wirken oder um sich haben, wenn Ihre Art nicht irgend eine Ergänzung wäre.“

***

Das macht mich sehr nachdenklich. Und nach einigem nachdenken und prüfen erkennen wir in der Tat, dass das sehr wahrscheinlich ist. Und erklärt auch, warum wir in Sachen Menschenwahl vordergründig eine Miss(t)wahl getroffen haben. Wenn ich da nur einige meiner Beziehungsauswahlen in der Vergangenheit ehrlich und genau betrachte, so kann ich da nur kräftig nicken.

Ich mache hier mal eine Gegenüberstellung von einigen Beziehungen, die mir hier nach diesem Text förmlich entgegen schreien.

Thema Therapie – da war eigentlich jede/r der Therapeuten ‚unzureichend‘ und brachte jedesmal mehr Leid. Mit Blick auf den Text hier von L. Hay, waren therapeutische Personen genau das, was meine Überzeugung und Sichtweise als Kind war und was ich erlebte. Als Kind half mir kein Außenstehender und irgendwann bildete sich in mir die Überzeugung, dass mir niemand helfen kann. Da aber natürlich Therapeuten leicht in der Elternschiene landen (Übertragung) passte das sehr gut zu meinen Überzeugungen – ergo konnte mir auch kein Therapeut helfen. Ich hatte mir ja schon als Kind einzig und allein nur selbst helfen und war gut in Überlebensstrategien zu entwickeln.

Thema Partnerwahl: Mit dem ersten war es ähnlich wie bei uns zu Hause, wir schlugen uns, er stammte auch aus einem gewalttätigen Elternhaus. Auch da totale Wiederholung alter Muster (tägliche Gewalt, Schläge, Entwertung, aber diesmal schlug ich zurück) in der Kindheit. Mit weiteren Partnern ganz ähnliche Muster – wenn auch keine körperliche Gewalt mehr vorkam (offensichtlich konnte ich das in dieser Beziehung lernen), es gab regelmäßig Kämpfe um Souveränität und Mangel an Vertrauen oder Angst vor dem Verlassenwerden spielten da eine Rolle. Mit jedem neuen Partner stand etwas anderes als Vergangenheitsthema an und konnte auch wieder verlassen werden. Wenn ich zurückblicke, kommt es mir vor, als hätte ich auf diese Art, alle Vergangenheitsmuster damit noch einmal abgearbeitet. Wahrscheinlich erfolgreich, denn entgegen anderer Beobachtungen,  z.B. im Frauenhaus, die immer wieder sich den gleichen Typ Mann/oder Frau antun und sich nichts ändert. Ich war also lernfähig.

Aber nun wird es interessant: Alle diese  Punkte hatten auch etwas Gutes (hier bestätigt sich auch mein gelerntes Muster: Ich muss alles selbst lösen, sowie auch mein sehr großes Bedürfnis zu lernen und mich weiter zu entwickeln. Genau durch diese Wiederholungen und Konstellationen, die immer wieder alte Überzeugungen herstellten, lernte ich am meisten – das ist die gute Kehrseite.

So stellen sich die sog. Misswahlen eigentlich als Herausforderungen und Lektionen dar, von denen ich lernen konnte und mich stückweise heilen.

 

 

 

 

Therapiealternative

„Therapiealternative“ heißt ja dieser Blog und der Untertitel ‚Pollys Leben ohne Therapie‘ – also es geht ja meist um Weiterentwicklung, um inneres Wachstum und um das Suchen und Finden von hilfreichen Wegen, jenseits der konventionellen, mainstream-Therapien – eben Alternativen. Auch um Eigeninitiative, Selbstwirksamkeit, Mut, Ausprobieren…. Aber eigentlich heißt es ja auch: Weiterentwicklung ohne konventionelle Therapie.

Davon schreibe ich – das teile ich mit. Hier schreibe ich von meinen Erfahrungen, meinen Erfolgen, von dem Weg mich selbst zu finden, von der Freude zu entdecken, was ich selber tun kann, statt zu warten darauf, dass irgendwas, oder irgendwer mich erlöst von Leiden, Schmerzen und idiotischen Automatismen, die ich in mir habe und die ich gerne loswerden möchte. Ich schreibe von Erkenntnissen, die ich auf diesem Weg gefunden habe und teile sie – gern – sofern sie evtl. für andere nützlich sein könnten, nach dem Motto: Geben ist seliger als nehmen. Nein, man muss schon beides lernen zu können – das habe ich auch gelernt – mit dem Blogschreiben, mit dem Austausch, mit dem Zuhören von Vorträgen oder Lesen von Menschen, die mir voran geschritten sind, die schon weiter sind, deren Weisheiten ich nachvollziehen – bzw. überprüfen oder ausprobieren konnte, ob sie für mich auch förderlich sind.

Ich lerne von allem, von allem was mir begegnet. Ich lerne durch zuhören, zuschauen, von Fehlern und neuen Erfahrungen, vom Lesen, von Irrwegen, vom Leben, was es mir gerade bietet – schließe nichts aus (jedenfalls nicht ohne es zu prüfen). Ich lasse meine eigenen Vorurteile außen vor. Ich schaue zurück und vergleiche wie mein Leben früher war, was jetzt besser geworden ist und bin dankbar. Oh ja, ich bin sehr dankbar!

Und mir fällt auf, dass dieser Blog – dieses Blogthema – eigentlich mein Leben ist. Alles bezieht sich auf Wachstum, sich weiter entwickeln, Verbesserung und selbstwirksam sein. Es ist vielseitig, nie endend, förderlich, animierend, und wenn mir in einer meiner Ehrenamtstätigkeiten Menschen sagen (wie unlängst): “ Dieser Do/Fr…… ist mir der liebste, weil du da bist“ – dann ist mir das unendlich viel wert. Ich bringe Freude, Nutzen, Erheiterung, Wissen….. ein, das andere erfreut. Was braucht man mehr? denn ich bin in meiner Gesamtheit da, die mich ausmacht, und die erfreut mich und auch andere. So schön! Und ich gebe weiter was mir hilft, und wer nichts damit anfangen kann – okay – so jemand war ich auch mal und alles brauchte seine Zeit. Alles nutzen können, was einem begegnet, es so zu sehen, dass das was mir begegnet – für mich ist – weil ich damit in Resonanz ging und es angezogen habe, durch mein Denken und Handeln, dass es ein Geschenk ist – ist sehr wertvoll. Und ich bin sooo dankbar, dass ich Geschenke jetzt annehmen kann und es nicht mehr so fühle, als wären diese Geschenke nur für andere nicht für mich.

Und das Beste: Probleme sind für mich seit einer ganzen Weile schon keine Probleme mehr – sondern Herausforderungen um zu wachsen.

Märchenstunde

Vorgestern war unsere letzte philosophische Stunde im Kurs – in diesem Jahr. Fast alle waren da und es war unser Thema uns über Märchen zu unterhalten.

Zu Beginn las ich eines meiner selbst gedichteten Märchen vor – das recht humorig war und viel Lächeln geerntet hat.

Wir spannten einen großen Bogen von Märchen für Kindern, ihre Bedeutung, Märchen für Erwachsene, Märchen in anderen Ländern, ihre Historie ihrem Sinn, ihrer Anwendung und ergründeten die Grausamkeiten, Nützlichkeiten und Hilfestellungen, die solche Märchen für uns kleine und große Menschen bereithalten.

Schließlich kamen wir zu unserem „Lebensmärchen“ und das war wirklich interessant.

Da gab es sehr unterschiedliche Stimmen…. und einige fanden, dass das eigene Leben überhaupt kein Märchen ist (oder bislang war) und machten es daran fest, dass Märchen ja immer gut ausgehen. Das ist schon wahr – auch unser Leben fühlt sich eher an – von der Vergangenheit her gesehen – wie ein grausames Märchen … und dennoch….. wie es für uns ausgeht…. da sehen wir durchaus Mitgestaltungsmöglichkeiten. Kein Märchen ist nur „schön“, fast immer geht es um Herausforderungen, um Dazulernen, um Suchen nach passenden Lösungen, um Mut, um Gesetzmäßigkeiten, um Einsatz…. Keiner der Mitwirkenden in so einem Märchen bekommt etwas einfach geschenkt, jeder muss sich ein wenig oder gar viel anstrengen und seine Talente und Kräfte einsetzen und ausdauernd sein. Summasumara sagen die Märchen aus, dass Inaktivität, Mutlosigkeit, es-sich-leicht-machen nicht auszahlt, sondern negative Konsequenzen darauf folgen. Also m.E. wie im echten Leben! Der Unterschied ist vielleicht, dass unser Leben im Gegensatz zum Märchen echt dauerhaft übel verlaufen kann, wenn wir uns nicht bemühen und unsere Kräfte und Fähigkeiten nicht nutzen. Dann ist Wachstum und Veränderung nicht möglich und wir schreiben nicht am Ende mit, sondern man stirbt am Ende unerlöst.

 

 

Das Gegenteil von Hilflosigkeit

Der Heal-Summit 2019 hat mich wieder so sehr begeistert. Es gab soviel wichtigen Input, soviel Anregungen – aber auch Bestätigungen für meinen jetzigen (Heilungs) Weg. Ich setze das Wort Heilung in Klammer, denn es ist jetzt nur noch mein weiterer Weg, – ich bin schon geheilt – war es eigentlich schon immer – und habe erst in den letzten Monaten begriffen, dass ich es nur noch nicht wusste.

Jetzt ist es nur noch mein Weg, mein Lebensweg, den ich gehe und immer gegangen bin. Es gab nichts zu heilen – ich war nie krank – ich war nur unwissend – hatte falsche  Vorstellungen von mir – von der Welt. All meine Erfahrungen (und besonders die negativen von Anbeginn meines Lebens) haben mich dazu geführt – ein größeres Bewusstsein zu entwickeln, mehr zu verstehen, gelehrt mich zu erweitern, mich über meine Begrenzungen im Kopf hinweg zu setzen.

Was eine andere Sichtweise verändern kann ist unglaublich. Was die Annahme seines Schicksals bewirkt ist ungeheuerlich und der Frieden der daraus wächst – war vorher nie vorstellbar. Unsere Gedanken, unsere Vorstellungen, unser Glaube von Realität sind so irreführend gewesen, so weit weg von dem, wer wir wirklich sind und was wir sein und werden können.

Ich sage nicht, dass ich jetzt angekommen bin, im Gegenteil – jetzt wo ich das alles sehen kann – reflektieren kann – wo und warum ich so geworden bin (und erkenne, dass es gut war und ist), zurück schauen und den Unterschied begreifen kann, ist mir so klar geworden, dass erst jetzt so richtig mein Leben beginnt. Und ich glaube nicht, dass es ohne Leiden, ohne Einbrüche, ohne Schwierigkeiten weiter geht – aber ich habe jetzt ein Wissen darum, dass alles einen Sinn, einen Zusammenhang hat – dass ich die Macht habe mein Leben zu gestalten, mich in die Gestaltung meines Lebens einmischen kann, dass alles eine Ursache und Wirkung hat und dass ich frei bin, mich zu entscheiden ob ich weiter Widerstand leisten will – gegen mich selbst oder der Welt, oder mit Rückenwind weiter gehen will. 

Zweifel

Seit einem Telefonat mit einer Person, wir kennen uns schon länger – ist der Zweifel gesät…. ob es wirklich was bringt hier zu schreiben…. von seinen Erfahrungen zu berichten… etwas Gutes weiter zu geben… hilfreich sein für andere, die sich auf den Weg machen …. zur Selbstwirksamkeit, die ehrlich auf der Suche sind nach Lösungen, damit es ihnen besser geht, damit sie wachsen können, motiviert werden etwas Neues auszuprobieren…. Für Leute, die schon ewig bei Therapeuten Hilfe suchen und keine bekommen, für Menschen, die die x-te Therapie angefangen haben und immer alles schlimmer wurde…. So ist es mir ergangen und ich habe mich befreit – nach Jahren endlich befreit.

Jene Person meinte, dass es nicht sonderlich hilfreich ist, wenn Leute hier lesen, die sich gar nicht verändern wollen, die es vielleicht gar nicht wollen, weil sie es sich nicht vorstellen können, dass sie sich verändern können…. Oder gar, dass die lieber da bleiben wollen wo sie sich schon seit vielen Jahren aufhalten (aus welchen Gründen auch immer) und nicht wirklich was verändern wollen – sich vielleicht ganz gut fühlen in dieser Opferrolle (man bekommt ja Zuwendung – Krankheitsgewinn – Bestätigung…).

Vielleicht ist es wirklich ‚ein Perlen vor die Säue werfen‘ – vergebene Liebesmüh und ‚völlig für die Katz‘. Warum aber lesen die Leute trotzdem – ich kann ja die Aufrufe sehen?

Jene Person, mit der ich mich über den Sinn des Erfahrungen hier im Blog zu schreiben austauschte – meinte, man muss gezielter sich mit Menschen in Verbindung setzen. Per email geschieht das schon mit ein paar wenigen. Soll ich es dabei belassen?

Ist es ein Irrtum, dass meine Erfahrungen nützlich sein können für andere? Wenn man ausgerichtet ist auf Heilung von außen – auf geheilt werden durch Therapie – (war ich ja selbst einmal und glaubte mit jeder Faser daran) ist man da dann überhaupt in der Lage, sich für andere Wege zu öffnen? Ich glaubte damals ja auch – nur ein besonders guter Therapeut könnte helfen (stellvertretend für eine gute Mutter, die ich nie hatte aber mir als Kind bestimmt gewünscht hätte). Ich glaubte vor 10 Monaten noch nicht daran, dass ich Kräfte in mir hatte, die mich befähigen würden, mich selbst zu befreien von all dem Leid aus meiner Vergangenheit, dass ich alles in mir trug, – dass ich mir selbst vertrauen konnte. Das war meilenweit weg für mich – damals. Schließlich habe ich schon als Kind die Stärke entwickelt zu überleben und da waren meine Kräfte, meine Widerstandskraft, meine Möglichkeiten soviel geringer und trotzallem überlebten wir und gingen nicht zugrunde.

Erlernte Hilflosigkeit! Darüber gibt es viel Literatur. Dort kann man es nachlesen als Erwachsener – als Kind hatten wir diese Chance nicht. Wir können lernen aus dem Gelesenen, können Konsequenzen daraus ziehen und unser Wissen verwandeln in Handeln – in anders handeln – Verantwortung für das weiter von uns aufrecht gehaltene Gefängnis /aus der Kinderzeit – übernehmen.

Was also befreite mich? Was war es, dass mich befähigte, dass ich mich besann – auf mich – auf meine Kraft – auf meine Selbstwirksamkeit? Habe ich – so ganz nebenbei – Äußerungen von anderen Menschen, die sich befreien konnten – aufgesogen – sozusagen unbewusst – die später dann für meine Befreiung nützlich waren? Schließlich habe ich schon immer viel gelesen und mich interessiert, wie andere Menschen denken, wie sie Probleme angegangen sind.

Und es ist komisch aber …. trotz all der schlimmen Verhältnisse, unter denen ich aufwuchs, bin ich ein Mensch geworden, dem viel darin liegt, anderen Gutes weiter zu geben (es zu vermehren) und somit auch meine guten Erfahrungen, mein Nützliches, das ich erkannt habe und das hilfreiche Gelernte.

 

Glaubenssatz – Gleichgewicht

Vor 3 Tagen, erst in der Physiotherapie – erzählte ich von meinen Blog-Beitrag „Zufriedenheit“, wo ich darin schrieb, wie befreit ich mich fühle, wie zuversichtlich und dass meine zwei wesentlichsten Glaubenssätze, die mich lebenslang ausgebremst haben, nun nicht mehr wirksam sind. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen….als ich mich selbst fragte, wie das sein konnte, dass der Satz: „Wenn ich gut leben will, dann muss ich sterben“ sich nun aufgelöst hatte und ich eigentlich gar nicht mitgekriegt habe, wie das passiert ist.

Fast unsichtbar hat er sich aufgelöst…. scheinbar ohne mein Zutun …. wie von selbst. Wodurch? Als ich laut sagte: „Er ist nicht mehr gültig“, da fuhr mir die Erkenntnis ein, dass er ausgehebelt wurde, dadurch, dass ich fühlte, dass er mir nichts mehr antun konnte…. nicht so wie früher, wenn ich sagte, es geht mir gut – sofort der Gedanke und die Befürchtung da war, dass durch das Aussprechen nun sofort das Schlechte hinterher kam – ja kommen musste wie eine Gesetzmäßigkeit. Und ich bemerkte, dass das sonst drohende Damoklesschwert weg war, nicht mehr existent. Dass ich ganz einfach dazu stehen konnte, dass ich mich damit gut fühle, gerne lebe,  dass ich Vertrauen in meine Zukunft in meine Stärke habe… und gleichzeitig auch keine Angst mehr vor dem Tod, vor einem grausamen Tod, der sonst immer hinter allem Guten lauerte.

Ich hatte beides akzeptiert: dass ich ein gutes Leben haben kann/darf – dass ich es verdient habe nach der langen Zeit des Leidens, der Anstrengung, der Verzweiflung… und gleichzeitig bereit bin auch ohne Angst zu sterben.

Mit Freude am Leben zu sein und den Tod gleichzeitig zu akzeptieren, wenn er kommen sollte – war das Gleichgewicht, das nun hergestellt war. Leben und Sterben gehörte nun zusammen!

Aber vielleicht kann man das nur nachvollziehen, wenn man schon mal einen Lebensbrems-Glaubensatz bei sich aufgelöst hat.