Zwei Jahre ist es nun schon her

dass ich diesen Blog eingerichtet habe – ein Jahr habe ich regelmäßig über meinen Weg ohne Therapie berichtet. Ein Jahr lang bin ich innerlich sehr gewachsen, mehr als in den vielen Jahren, in denen ich Therapie gemacht habe. Rückwirkend sehe ich es eher so, dass mich Therapie eher aufgehalten hat. Es ist aber nicht zu ändern und offensichtlich waren die Umstände so, dass ich vom eigentlichen Entwicklungsweg durch die Therapien abgelenkt wurde – von mir und meinem wahren Wesen, von meinem gradlinigem Weg zu mir selbst.

Das ist nun nicht mehr zu ändern, vielleicht habe ich den langen Umweg von Jahren gebraucht, weil ich mich zu sehr versteift habe darauf, dass mir nur Therapie mir helfen kann, vielleicht war ich zu stur um zu begreifen und dass jeder sich letztlich nur selbst helfen kann, vielleicht konnte ich mir einfach nicht vorstellen, dass ich bereits alles in mir trug, bereits alles besaß, was ich brauchte, um von meinen Wunden aus meiner Kindheit zu genesen. Vielleicht wollte ich unbedingt, dass jemand mir helfen musste, als eine Art Wiedergutmachung für all die Qual, die ich erlitten hatte und ich dachte, jetzt aber müssen andere mich heilen, wenn sie mich schon so kaputt gemacht hatten in meiner Vergangenheit.

Erst jetzt kann ich erkennen (seit ich mir selbst zutraute und erkannte), dass es nie dazu kommen würde, dass jemand anderer mich „erlösen“ könnte, dass es nur ich selbst war, die meine Hilfe verweigerte, indem ich sie von anderen erwartete – so verhinderte ich meine Heilung im Inneren. Ich kam nicht auf die Idee, dass es noch andere Wege gab zu heilen, mein Sturkopf ließ so lange keine wirkliche Heilung zu, weil ich so verbohrt war und mir keinen andere Lösung vorstellen konnte. Aber ich musste den wichtigen Schritt alleine gehen, all die irrigen Vorstellungen davon, wie mein EGO-Verstand mir einredete (und ich ihm glaubte) zu erkennen und auf sie verzichten – etwas Neues in mich einzulassen – eine andere Wegabbiegung nehmen und die Lehren daraus zu prüfen.

In meinem Fall war es wohl, der Schmerz, der mich lehrte, mich öffnete, der so unerträglich war, dass ich ebenso den Tod wählen hätte können, denn ich bestand nur noch aus Verzweiflung und Schmerz und Hoffnungslosigkeit. Ich hatte nichts mehr zu verlieren!

Heute erkenne ich so deutlich was mich damals in die Irre geführt hat, heute erkenne ich dass ich damals unentwegt in der Vergangenheit weilte, alles aus ihrem Blickwinkel betrachtete und wie hypnotisiert allein nur auf mich gestarrt habe, als läge nur dort die Lösung. Alle anderen Möglichkeiten konnte ich nicht erkennen, nicht mal in Erwägung ziehen. Ich glaubte felsenfest daran, dass es nur diesen einen Weg gab: Jemand anderer musste mich von meinem Leid erlösen.

Erst spät begriff ich, dass ich immer noch das Kind war und meine Mutter reglos zusah, wie der Stiefvater es beinahe täglich tot schlug, und darauf wartete, dass die Mutter es retten würde, dass Mutter die Schmerzen verhinderte, dass Mutter ihm Einhalt gebot, verhinderte dass er meinen Tod verursachte und mir dadurch zeigte, dass sie mich liebe. 

So wartete ich auch noch als Erwachsene, dass die Stellvertreter-Therapeutin mich erlöste.

Nun, ich tröste mich heute damit (wegen der späten Erkenntnis), dass ich eben besonders stur war, besonders eingeübt im Aushalten von Leid und den außerdem noch geprägten Glaubenssätzen, die man mir mitgab, dass ich nichts wert wäre und ich nichts anderes verdiente.

Nun, besser spät als nie und immerhin habe ich mit Gottes Hilfe doch in dem letzten Jahr seit Entstehen von ‚Pollys Blog ohne Therapie‘ sehr schnell dazu gelernt, dass ich den neuen Blog „Innenreisewege“ erstellen konnte und einen völlig andere Weg nun auch schon auf völlig neue Weise gehen konnte und der nun auch schon Jahrestag feiern kann. Meine Entwicklung geht nun ohne diese alten Schmerzen weiter, das heißt nicht schmerzlos, denn kein Leben kann hier schmerzbefreit gelebt werden, denn sich weiter entwickeln ist nicht immer leicht und diese Welt, die uns zum Wachsen dient ist auch oft schmerzlich, aber ich habe die Reste aus längst vergangen alten Schmerzen nun hinter mir lassen können. Letzte Spuren daraus lugen manchmal noch hervor, aber die Prämisse aus diesen haben jetzt eher Herausforderungscharakter und nicht mehr Schmerz. Sie haben sich zu Erinnerungen verwandelt, die mich erkennen lassen, wo noch Dinge fokussiert werden müssen, damit ich auch sie loswerden kann. Dieses Wachstum aber hat mich heranreifen lassen, so dass ich meinen eigenen Wert und die Wichtigkeit des Loslassens der Vergangenheit erkennen lassen. Mit Nichts könnte man mir schmackhaft machen zurück in die Vergangenheitssicht zu gehen, gemessen an Heute ist es eine wahre Horrorhölle gewesen, in der ich eigensinnig selbst gewählt hatte zu bleiben und festzuhängen. Nun, nicht direkt gewählt, obwohl ich jetzt sehen kann, dass ich zu jeden Zeitpunkt hätte rauskommen können, die neue Welt, die Lösung lag nur Zehntel-Zentimeter von mir entfernt, es fehlte nur die wirkliche Entscheidung, sich aus meinem Vergangenheitsleid zu befreien – wäre ich mutiger gewesen.

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10 Gedanken zu “Zwei Jahre ist es nun schon her

  1. Das ist so bewegend – und so richtig und wichtig, Melina, was du hier mitteilst. Dass du selbst bereits alles in dir trugst, um die schweren Wunden der Kindheit zu heilen. Dass du das aber nicht erkanntest, sondern meintest, die Menschheit sei dir etwas schuldig geblieben.. Dass Therapien insofern auch Hindernis sein können. (Ich versuche immer, genau diese Einsicht bei meinen BesucherInnen zu befördern)
    Liebe Grüße dir!

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    • Leider ist man blind und taub, wenn man drinsteckt! Und in den Therapien gibt es wenig spirituelle Therapeuten. Mir hat mal eine am Blog erzählt, dass ihre Therapeutin gesagt hat: sie dürfe gegenüber der Krankenkasse sowas nicht zugeben, dass sie spirituelle Ansätze hat, sonst würden die Therapien nicht genehmigt. Aber schön Gerda, dass Du diese Informationen bei Deinen „BesucherInnen“ zur Sprache bringst. Wie erfolgreich bist Du damit? Wenn ich auf meinem letzten Blog davon schrieb, wurde ich sogar angegriffen.

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      • Für viele ist der Therapeut eine
        -Klagemauer
        -Vertrauter, Zu-Hörer
        -Verbündete
        Im ersten Fall kann m,an auch zu einer guten Freundin gehn, bloss hält die das auf Dauer nicht aus.
        Die zwei anderen Fälle findet man nicht so leicht im Aussen.
        Der Verbündete könnte noch am ehesten was bewegen.

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      • Wie recht Du hast:
        Die Klagemauer ist in Jerusalem
        DerDie FreundIn kann das Gleiche leisten – aber wird nicht bezahlt 🙂
        Verbündete…. da würd ich sagen – gleich ausgerichtete Menschen (aber möglichst spirituell)

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      • Das könnten auch Freunde mit Helfersyndrom sein, die gehen dann aber wenn es dir besser geht…und suchen ein neues Opfer. Mir fällt zu deinem Wort der Klagemauer gerade die Serie „In Therapie“ ein, die ich kürzlich in der arte Mediathek entdeckt habe. Es fiel mir schwer, sie bis zum Ende anzusehen! Unglaublich gut, wie der Therapeut dargestellt wurde, und wie er sich selber in Therapie begibt und nachher richtige Wut auf die ganze Methode hat! Er befreit sich, aber der ganze Prozess, der nach Gewaltanschlägen in Paris spielt, und wie die Menschen davon betroffen sind, ist sehenswert. Der Film würde mich nie dazu bringen, in Therapie zu gehen!

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      • Da sagst Du was, die Freunde mit Helfersyndrom, die dich versuchen an deiner Entwicklung zu hemmen, (weil sie dich brauchen, so abhängig) die habe ich auch kennengelernt, die sich dann beleidigt abwenden, wenn du sie nicht mehr als Helfer, sondern als FreundIn möchtest und ihre Übergriffigkeit nicht mehr haben willst….

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      • Das „Helfersyndrom“ ist bekannt 🙂

        Ähnliche Filme sind „Therapie zwecklos“ von Robert Altman. Da musste ich schon sehr lachen.

        In Therapie geht man wohl erst, wenn man sich nicht mehr zu helfen weiß. Ist man dann aber drin, fällt es schwer, sie zu verlassen, wenn sie nicht fruchtet.

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