Freiwerden vom Schmerz(körper)

Fortsetzung (wichtig) von E. Tolles Buch „Die neue Erde“

„Die folgende Frage wird mir häufig gestellt: Wieviel Zeit braucht es um vom Schmerzkörper frei zu werden. Die Antwort lautet natürlich, dass diese sowohl von der Stärke des jeweiligen Schmerzkörpers, als auch vom Grad oder der Intensität der Präsenz des Betreffenden abhängt. Aber nicht der Schmerzkörper sondern die Identifikation damit zwingt Dich die Vergangenheit immer wieder aufleben zu lassen und hält Dich im Zustand der Unbewusstheit fest. Deshalb wäre die wichtigere Frage die: Wie viel Zeit erfordert es, von der Identifikation mit dem Schmerzkörper frei zu werden. Die Antwort auf diese Frage lautet: Gar keine. Aber wenn der Schmerzkörper aktiviert ist, musst Du nur erkennen, dass das was Du fühlst der Schmerzkörper in Dir ist. Diese Erkenntnis ist alles was Du brauchst um die Identifikation mit ihm zu unterbrechen. Und wenn die Identifikation mit ihm aufhört beginnt die Verwandlung. Die Erkenntnis hält die alte Emotion davon ab, Dir in den Kopf aufzusteigen und nicht nur die Herrschaft über den inneren Dialog zu übernehmen, sondern auch über Dein Handeln und die Interaktionen mit anderen Menschen. Das heißt der Schmerzkörper kann Dich nicht mehr ausnutzen und sich durch Dich erneuern. Möglicherweise lebt die alte Empfindung in Dir noch eine Weile noch weiter und überkommt Dich von Zeit zu Zeit wieder, oder sie bringt Dich durch einen Trick noch einmal dazu Dich noch einmal Dich damit zu identifizieren und verdunkelt so Deine Erkenntnis, aber nicht für lange. Wenn Du die alte Empfindung nicht auf eine Situation projizierst bedeutet das, dass Du Dich ihr in Deinem Innern stellst. Das mag unangenehm sein, wird Dich aber nicht umbringen. Deine Gegenwärtigkeit nimmt es locker mit ihr auf. Du bist nicht Deine Empfindung.

Wenn Du den Schmerzkörper spürst darfst Du nicht den Fehler begehen, es sei etwas nicht richtig mit Dir. Aus Dir selbst ein Problem zu machen, das liebt das EGO. Auf das Erkennen muss das Akzeptieren folgen, alles andere sorgt wieder für Verdunkelung. Akzeptieren heißt, die Gefühle zu zulassen, die Du im Augenblick empfindest – es gehört zum Sosein des Jetzt. Du kannst Dich nicht gegen das sträuben was ist – na schön, Du kannst es aber dann leidest Du. Indem Du zulässt was ist, wirst Du das was Du bist – unendlich weit – Du wirst ganz. Du bist kein Fragment mehr, so wie das EGO sich sieht. Dein wahres Wesen, das eins ist mit dem Wesen Gottes tritt hervor. Darauf wies Jesus hin indem er sagte: Darum sollt Ihr Vollkommen sein, wie Euer Vater im Himmel vollkommen ist.

Das Vollkommensein im Neuen Testament ist eine ungenaue Übersetzung des ursprünglichen griechischen Wortes das GANZ bedeutet. Das heißt Du musst nicht erst vollkommen werden, sondern brauchst nur ganz zu sein – was Du schon bist – mit oder ohne Schmerzkörper.“

Das ist eine prima Anleitung wie wir unbewusste alte Schmerzen aus der Vergangenheit unterbrechen können und sie stoppen müssen. Wie ich schon erfahren habe ist das gar nicht so leicht, denn es fordert von uns stete Aufmerksamkeit gegenüber dem was uns triggert und alte Schmerzen wiederbelebt. Ich übe es momentan noch so, dass ich sobald ich merke, dass mich etwas schmerzt (eine Reaktion von einem Gegenüber z.B., ein Vorwurf der mir völlig unberechtigt erscheint und das Gefühl in mir aufsteigen lässt, dass jemand mir damit unrecht tut, mich verkennt, mich nicht so sieht wie ich gesehen werden will – weil ich mir z.B. sicher bin, dass ich etwas völlig anders gemeint habe, wie es der andere aufgefasst hat und bei mir Rechtfertigungs- und Klarstellungsdruck hochkommt – und damit fängt die „Mühle“ dann an….) akzeptiere ich (wenigstens im Nachhinein, sobald ich es bemerke) das Gefühl der Enttäuschung, des Nichtwahrgenommenseins oder falsch Wahrgenommenseins) das es so ist und halte es aus. Ich habe die Wahl, es dennoch dem anderen gegenüber klarzustellen oder nicht, aber wichtig ist dann vor allem, dass ich es in aller Klarheit vor mir selbst sehe und bemerke den Zusammenhang mit dem getriggerten Kindheitsgefühl von damals. Dass es mich deshalb so traurig macht, weil ich damals nicht gesehen wurde in meiner ‚Unschuld‘. Und so erkenne ich aus der Distanz, dass es zwar traurig ist, dass Menschen mich ‚immer noch‘ so sehen in diesem Augenblick – aber ich weiß und spüre auch, dass es mich jetzt nicht mehr beeinträchtigt, in meinem Wesen – es genügt dann zu erkennen, dass ich nicht die bin, die der andere in mir erkennt (bzw. nicht erkennen kann) und in meiner Seele kehrt wieder Frieden ein.

D.h. wenn jetzt Verletzungen in meiner Seele durch andere auftauchen, spüre ich zwar kurz den Schmerz aus der früheren Zeit als Kind, aber kurz danach wende ich mich der Untersuchung und Differenzierung zu, die mich die wahre Ursache dieses Schmerzes erkennen lässt und kann mich davon trennen. Es geht also nicht mehr der ganze bekannte Automatismus los – mich schlecht, mich angegriffen, mich nicht (wieder mal) gesehen, wertgeschätzt und verkannt fühlen – los, die Traurigkeit, die damit verbunden ist….. – sondern an seine Stelle tritt die Neugier und der Forscherdrang, was diese Gefühle in Bewegung gesetzt hat.

 

 

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