Der Schmerzkörper als Erwecker

Als ich dieses Kapitel von E. Tolles „Eine neue Erde“ durcharbeitete, begriff ich (im Nachhinein), dass genau das passiert war mit mir, als ich den ‚point of no return‘ vor fast einem Jahr erreicht hatte, als ich deutlich spürte, dass ich so nicht weitermachen konnte und mich von dem Warten auf Hilfe durch eine Therapie löste.

„Auf den ersten Blick kann es so scheinen, als wäre der Schmerzkörper das größte Hindernis für die Entstehung eines neuen Menschheitsbewusstseins, er beherrscht Deinen Geist, kontrolliert Dein Denken, zerstört Deine Beziehungen und fühlt sich an wie eine dunkle Wolke, die Dein ganzes Energiefeld überlagert. Er sorgt meist dafür, dass Du in einem spirituellem Sinne unbewusst bist, d.h. dass Du Dich total mit dem Denken und Empfinden identifizierst, Du reagierst einfach nur noch und sagst und tust Dinge, die ganz dazu angetan sind, das Unglücklichsein in Dir und der Welt noch zu steigern. Vielleicht kann der Körper den Stress nicht mehr ertragen und wird krank oder entwickelt eine Funktionsstörung, unter Umständen erleidest Du auch einen Unfall, gerätst in eine schwere Konfliktsituation oder erlebst eine Tragödie, alles verursacht durch das Verlangen des Schmerzkörpers nach einem schlimmen Ereignis (einem Drama). Oder Du verlegst Dich darauf physische Gewalt auszuüben, es kann auch sein, dass Dir alles zu viel wird und Du nicht mehr mit Deinem unglücklichen Ich leben willst – natürlich ist der Schmerzkörper Teil dieses falschen Ichs. Immer wenn der Schmerzkörper von Dir Besitz ergreift und Du nicht erkennst was er ist, wird er zum Teil Deines EGOs. Was immer es ist, womit Du Dich identifizierst, es verwandelt sich stets in EGO. Der Schmerzkörper ist mit das Stärkste, womit sich das EGO identifizieren kann, aber er braucht das EGO auch unbedingt um sich ständig zu erneuern. Diese unheilige Allianz bricht allerdings irgendwann einmal zusammen, nämlich dann, wenn der Schmerzkörper so massiv wird, dass die Ego-Denkstrukturen nicht mehr durch ihn gestärkt werden, sondern unter dem ständigen Ansturm der Schmerzkörper-Energie allmählich zerfallen. Ebenso wie ein Elektrogerät, das Strom für seinen Betrieb braucht, bei Überspannung vom Strom zerstört wird.

Menschen mit einem starken Schmerzkörper kommen oft an einem Punkt, an dem sie keinen weiteren Schmerz, keine weitere Tragödie ertragen können. Jemand hat das mal klar in einige Wort gefasst: Ich habe es satt unglücklich zu sein. Der eine oder andere hat vielleicht das Gefühl, so wie es mir einmal erging, mit sich selbst nicht mehr weiterleben zu können. In diesem Fall, wollen Sie nur noch ihren inneren Frieden finden. Der akute emotionale Schmerz nötig Sie, die Identifikation mit dem Inhalt Ihres Denkens und den mental emotionalen inneren Strukturen, die das unglückliche Ich ins Leben rufen und erhalten – aufzugeben. Dann erkennen Sie, dass Sie weder Ihre unglückliche Geschichte noch Ihre Empfindung sind – Sie erkennen, dass Sie das Erkennen sind und nicht das Erkannte. Statt Sie ins Unbewusste zu ziehen, wird der Schmerzkörper für Sie zum Erwecker, zum entscheidenden Faktor, der Sie in den Zustand der Gegenwart zwingt“.

Doch dank der beispiellosen Zunahme der Bewusstheit, die wir derzeit auf der Erde erleben, brauchen viele Menschen jetzt nicht mehr das Stadium, des akuten Leidens zu durchlaufen, um ihre Identifikation mit dem Schmerzkörper aufzulösen. Wann immer Sie bemerken, dass Sie wieder in den Zustand der ‚Geistesgestörtheit‘ zurückgefallen sind, können Sie aus freien Willen, Ihre Identifikation mit dem Denken und Empfinden aufgeben, und in den Zustand der Gegenwärtigkeit eintreten. Sie geben Ihren Widerstand auf, sind wachsam und werden eins mit dem was ist – innen wie außen.

Der nächste Schritt in der Evolution des Menschen erfolgt nicht zwangsläufig sondern er kann zum ersten Mal in der Geschichte unseres Planeten bewusst getan werden. Wer entschließt sich dazu? Du! Und wer bist Du? Bewusstsein, das sich seiner selbst bewusst wird.

Inzwischen überlege ich, ob dieser Text wohl erst begriffen werden kann, wenn man bereits durch diesen ‚Point of no return‘ durchgegangen ist. Wenn man bereits da schon war, wo der Schmerz so unglaublich hoch war, dass er uns beinahe vernichtet hat und uns praktisch dazu zwang ‚hindurch‘ zu gehen – weil es eben so unerträglich geworden war, dass man nicht mehr so weiter leben konnte. Es also erst an dem Punkt möglich ist sich zu entscheiden, wenn es um Leben oder Sterben geht.

Ich habe einige Male von Menschen gehört, dass Menschen sich um 180 Grad wenden konnten, nach einem schweren Schicksalsschlag, nach unerträglichem Leid – aber mir ist noch niemand begegnet, der die Entscheidung freiwillig ohne dieses unerträgliche Leid – fällen konnte. Erst das wirklich nicht mehr aushaltbare Leiden (das knapp am Tod vorbei führt) hat sie dazu gebracht – endlich aufzuwachen.

Wenngleich Tolle auch sagt, dass unsere Bewusstseinsmöglichkeit in den letzten Jahren so zu genommen haben (vermutlich durch die Erforschung der Strukturen unserer Seele und des Innens, durch Psychologie, Philosophie und Therapieforschung…), dass es jetzt doch leichter ist eine Entscheidung zu treffen, als früher, wo die Menschen nur in Unwissenheit lebten und reagierten und keinerlei psychologische Zusammenhänge erkennen konnten – glaube ich doch, dass langes massives leiden für die meisten Menschen unerlässlich ist, weil sie an Schmerzen meist schon so lange gewohnt waren.

Aber eine echte Entscheidung (das Alte Leid nicht mehr zu wollen) ist dennoch nötig um da raus zu kommen. Den Zeitpunkt aber, wann diese Entscheidung möglich ist wird m.e. wohl doch nur durch das Nicht-mehr-aushaltbare-Leiden gesetzt. Die Qual muss so stark geworden sein, dass es fast leicht wird, diese Entscheidung zu treffen, sich vom totalen Unglücklichsein abzuwenden. Jedenfalls war es bei mir so und dass ich vielleicht früher diese wichtige Entscheidung fällen konnte, ist möglicherweise einer gewissen geistigen, spirituellen Suche zu verdanken.

 

 

 

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