Wochenenden

Wochenende ist immer komisch…. da habe ich viel Zeit – mehr als sonst mit meinen Ehrenämtern und Kursen und Menschentreffen. Aber am Wochenende, da will ich keine Menschen treffen – nicht wirklich – zwar sage ich da Geburtstagsfeiern und Einladungen zu und dann, wenn Wochenende ist, dann spüre ich immer deutlicher, dass ich nicht hin will und dann quäle ich mich damit, dass ich absagen will, aber nicht lügen will…. man kann ja nicht einfach sagen, man hat keine Lust und dass es ein Fehler war, zuzusagen. Das geht gar nicht und doch lüg ich dann, denk mir was aus, das grad noch geht und glaubhaft ist, aber mein Gewissen ist dann beschwert und ich schlafe dann schlecht oder gar nicht. Das ist nicht gut.

Unter der Woche – kein Problem mit Treffen, Kurszeiten und zum Arbeitspensum pünktlich zu kommen – nur das Wochenende macht solche komischen Gefühle, kostet Überwindung, was Abgesprochenes einzuhalten. Da schwänze ich dann Verabredungen, rede mich raus und mach mir vor, dass heut ja Treppe putzen dran ist und schon lange mal der Kleiderschrank neu sortiert und eingeräumt werden sollte…. und und und. Sogar der Staub in der Wohnung nimmt plötzlich an Wichtigkeit zu und man muss sich darum kümmern. Während der sonst so verhassten Hausarbeit beschimpft man sich dann auch noch über seinen Hang zu Ausreden und Falschaussagen… und das Selbstbild, dass man ein ehrlicher Mensch ist – bröckelt gewaltig. Der Wunsch nach Trödelzeiten (keine Anforderungen von Außen) zeigt sich deutlich.

Ich komm nicht drauf, was mich veranlasst überhaupt am Wochenende Verabredungen zu treffen, wieso ich wie ein Demenzkranker immer wieder vergesse, dass die Wochenenden mir gehören, dass ich will, dass sie mir gehören und ich keinen Verpflichtungen nachkommen muss, es genießen darf, dass ich berechtigt bin, es mir gut gehen zu lassen, dass ich mich nicht mit Hausarbeit dafür bestrafen muss, damit ich zu Hause bleiben kann.

Eine ganz schöne Meise habe ich, die zwitschert ganz schön im Verborgenen und verrät mir nicht warum sie so laut zwitschert, so unverständlich. Irgendein Fremder trifft diese Verabredungen, den ich nicht kenne…..

Ja, meine Wochenenden, wenn ich sie so verbringe wie ich es eigentlich liebe: ohne Anforderungen, ganz spontan nach Lust und Laune, sind meist körperlich ziemlich unbeweglich – geistig reichlich Bewegung, viel am Computer, mit schreiben oder mit rumliegen auf der Couch und lesen und dann über dem Lesen einschlafen – am hellen Tag und Fernsehen – irgendwelche Kinder-Schmalzfilme anschauen mit meinen Kleinen, weinen….  – UND sich dann schlecht fühlen, weil man wieder mal so inaktiv, so faul ist.  Und nachts klappt dann das Schlafen auch nicht, und man hat Mühe sich wieder in den normalen Wochenrhythmus einzufinden.

Und dann liegt man wach im Bett und kreiselt um unsinnige Dinge, will endlich einschlafen – der Montag/Dienstag/Mittwoch….. winkt ja schon von Weitem, doch das Gehirn ist noch so aktiv – unmöglich zu schlafen – man ist aufgedreht, aufgeladen, nicht ausgelastet und der Ärger über sich selbst ist auch nicht besonders schlaf-förderlich.

Eyeyei was für ein Gejammer…. Ich verspreche mir nun selbst, dass ich mir die Wochenenden zugestehe, mir ganz allein, frei und spontan, ohne Anforderungen von Außen – zumindest das Nächste.

4 Gedanken zu “Wochenenden

  1. Ich kenne das auch…
    Unter der Woche ist man irgendwie noch einigermaßen im Flow. Am Wochenende schläft man dann mal mehr oder weniger aus, kommt eh kaum in die Gänge… ich sage nicht mehr so viel ab, aber ich bin auch so ein „Absager“, wie du.
    Ich denke aber, dass wir auch Verständnis mit uns haben sollten. Wir sind nun mal auch krank und können vielleicht nicht immer so wie andere. Ich würde auch gar nicht sagen, dass es da um „kein Bock“ geht, sondern einfach am Wochenende die Regenerierung von der Woche einsetzt und man es einfach nicht schafft.

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    • Ah, Du kennst das auch…. Ja, Absager (trotz sonstiger Eigenart des Zusagers) ist wohl das richtige Wort…. doch möchte ich mich nicht als krank bezeichnen (nur weil wir eine Diagnose haben), ich will mein mir selbst unverständliches Verhalten verstehen. Für mich ist ‚Bewusstsein‘ das Wichtigste. Vielleicht beleuchte ich das gerade jetzt so genau – weil ich von Eckhard Tolle sein Buch: JETZT ‚in mir‘ bearbeite. Da ist so viel Kluges drin, das einem hilft sich selbst und sein Verhalten, besser zu durchleuchten und zu verstehen.

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      • Das Buch habe ich auch (gelesen), ist aber schon ein paar Jahre her und ich erinnere mich nicht mehr so gut, könnte es mal wieder raussuchen. Bzw. Ich weiß gar nicht, ob das nicht nur Jetzt hieß. Vielleicht ist das „in mir“ auch eine Fortführung.
        Das ist keine schlechte Einstellung sich trotzdem als gesund zu bewerten.

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      • Ja, ich habe das Buch auch schon vor Jahren gelesen – kann mich auch kaum noch daran erinnern, was ich da gelesen habe 😉 Es gibt für alles eine Zeit. War vielleicht noch nicht so weit – es aufzunehmen. Jetzt habe ich das Buch in Form von CDs und höre jeden Abend vor dem Einschlafen – ich komm zwar nie weit (weil ich schnell einschlafe, aber das UBW hört ja mit) aber so höre ich jede CD (von den sechsen) mehrfach bis ich endlich den ganzen Text im Bewusstsein habe. Jetzt bin ich auf der 2.CD und finde das herrlich – auf diese Weise weisen Input zu kriegen – sozusagen, den Seinen gibts der Herr im Schlaf ;-). Hab grad bei Amazon nachgeschaut – von „in mir“ konnte ich da nix sehen, aber einige Praxis-Bücher und CDs, um das JETZT zu üben und die ‚Eine Neue Erde‘. die habe ich auch schon in CD-Form (heißt mit Untertitel: Bewußtseinssprung statt Selbstzerstörung – ist ja derzeit sehr aktuell, das Buch/CD gibt es aber schon seit vielen Jahren) ist als nächstes dran.

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