Kopf und Herz

„Wenn mein Kopf es sich ausdenken kann, wenn mein Herz daran glauben kann – dann kann ich es auch erreichen.“

– Muhammad Ali

Nun, ich bin zwar kein Boxer…. obwohl mein Leben – im übertragenen Sinne – durchaus mit einem Boxkampf zu vergleichen wäre. Es war ein einziger Kampf und ich musste mich ganz schön durchboxen.

Ich war erst mit 17 Jahren in der Lage meinen Kopf zu benutzen – ich meine damit, dass ich entdeckt habe, dass ich jemand bin, ein Selbst habe, eigene bewusste Gedanken und Fragen in mir hatte. Vorher lebte ich wie ein Tierchen, immer nur entweder Spielball von Anderen, oder reaktives Menschlein, das rebellisch, angepasst oder ‚zufallsgewürfelt‘ durch die Jahre stolperte. Mit 17 – das war 3 Jahre nach dem Tod meiner Mutter – als ich anfing ein Mensch zu werden und feststellte, dass ich Denken konnte, dass ich eine eigene Meinung haben konnte, eigene Gedanken und langsam erwachte ich ins Fühlen.

Das mag spät sein – oder vielleicht ist das auch normal, wenn man in so schlimmen Verhältnissen wie ich – aufwuchs. Vielleicht hat man einfach keine Zeit gehabt, keine Chance, sich mich sich selbst zu beschäftigen, zu reflektieren, sich Gedanken zu machen. Man brauchte jede Sekunde entweder dafür ums Überleben zu kämpfen oder um sich von diesem Kampf zu erholen.

Vermutlich kann mir das niemand beantworten, denn wer denkt schon über sowas nach. Allerdings macht es mich neugierig wie das zusammen passt, mit dem in aller Munde geführten Zustand des „JETZT“, das so erstrebenswert sein soll. Ist das ‚Jetzt‘ nicht auch so ein Zustand wie ich ihn als Kind gelebt habe – also keine reflektierten Gedanken zu dem Vergangenen und keine Ängste vor dem was in ein paar Stunden auf uns zu kommt?

Mag sein, dass das glücklicher macht, aber wächst man da auch? Entwickelt man sich so weiter? Ab und zu den Zustand des im Jetzt sein zu genießen, kommt mir durchaus sinnvoll vor – aber immer?

Mit meinem Kopf oder Verstand denke ich, mit dem Herz fühle ich was die Gedanken in mir auslösen. Aber die Auswahl meiner Gedanken, die ich für wahr halte und mein Herz fühlt – sind es die mein Leben gestalten.

3 Gedanken zu “Kopf und Herz

  1. Auf Grund meines ADHS bin ich jemand, der automatisch oder krankheitsbedingt viel im Jetzt unterwegs ist. Das hat seine Vorzüge bezüglich Trauma, aber es ist auch schadhaft, weil ich wenig im Voraus planen kann und ich kann irgendwie nicht…voraussehen, dass ich Dinge im Jetzt erledigen muss, weil sie für die Zukunft gebraucht werden. Die Zukunft ist oft völlig aus meinem Gedächtnnis.

    Ich weiß nicht, ob das jetzt verständlich rüberkam :S

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    • Ich kann das gut verstehen – war sehr verständlich….. Sag mal, Du hast ja bei allen möglichen Diagnosen ‚hier‘ geschrieen 😉 … Viele, Schizophrenie, ADHS…. also ich finde Du machst Dich gut – besser als so manch anderer ‚Normalo‘ – besonders als Vater :-).
      Ja, der ‚Im-Jetzt-Zustand‘ hat zweifellos seine Vorteile…

      Gefällt 1 Person

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