Aufgabe des Opferdaseins 1

Eigentlich habe ich meinen Beitrag in meinem Blog geschrieben, um einen sachlichen Austausch anzuregen. Aber das ist ein schwieriges Thema. Vor allem ist da ein großer Unterschied, wenn man noch voll drinsteckt und sich als Opfer fühlt oder wenn man in die Selbstwirksamkeit übergegangen ist und die eigenen Täter aus der Vergangenheit als „Selbstgequälte“ frühere Opfer erkennen kann anhand ihrer Lebenshistorie. Und die sich aus ihren „eigenen Schädigungen“ – nie befreien konnten und sie unbewusst weitergaben.

Ich habe ein spirituelles Weltbild – ich habe einen Gott in mir, den ich spüren kann und mit dem ich in Verbindung bin. Das half damals und hilft überhaupt viel in meinem Leben. Sehr oft habe ich in den DIS & Co Blogs gelesen, dass sie rituellen Missbrauch erlebt haben und deshalb an keinen Gott mehr glauben können. Ich hatte keinen solchen erlebt und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich nach meinen atheistischen Jahren im jungen Erwachsenenalter (aus Verzweiflung habe ich Gott damals abgeschworen, weil ich lange keinen Sinn in meinem Leid erkennen konnte) wieder zurückgefunden habe.

In meinem Weltbild gibt es kein ‚Rein-Böses‘ – Ich habe das schon mal bei der Untersuchung der Natur-Gesetze der Hermetik in einem früheren Beitrag geschrieben, der das sehr schön erklärt. Ebenso wie in der Geschichte von Donald Walsch von „Das kleine Licht„.

Aber es geschieht nichts ohne Grund und aus allem kann man lernen. Die Lehre die ich aus dieser neu angefachten Diskussion ziehe ist: Solange noch jemand sich als Opfer erlebt und fühlt, ist das Thema einfach zu emotional und kann nicht wirklich auf der sachlichen Ebene geführt werden. Ich wollte mehr Klarheit in dieses schwierige Thema bringen und suchte Austausch über das Thema Täter/Opfer auf einer neuen Bewusstseinsstufe. Ich habe großes Mitgefühl mit den Opfern (aus tiefsten Herzen, denn ich war selbst mal eines) und ich finde es großartig und sehr verantwortungsvoll, dass damalige Opfer sogar auf eigene Kinder verzichten wollen – weil sie in sich einen potentiellen Täter sehen.

Jedoch finde ich das auch sehr traurig (und vielleicht sogar unnötig), denn es bedeutet im Grunde für diese Menschen „einmal Opfer immer Opfer“ und bedeutet ja auch, ich kann mich nicht befreien – niemals. Ich wusste nichts von meinem sex. Missbrauch als Kind, als ich meine Tochter bekam (der ploppte erst hoch, als meine Tochter in das Alter kam, in der mein mich am meisten verstörender Missbrauch geschah). Damals war die ganze Sache mit Missbrauch noch gar kein Thema in Therapien bzw. fing grade an ein Thema zu werden und Therapeuten wiegelten eher ab, oder reagierten sehr hilflos. Von dieser Seite aus war für mich wenig Hilfe zu erwarten. Trotzdem habe ich es geschafft meiner Tochter nicht die gleiche Gewalt anzutun, obwohl meine Mutter auch MitTäterin (nicht nur Zuschauer oder Wegschauer sondern aktiv beteiligt) war.  Im Gegenteil, dass ich Verantwortung für ein geliebtes Kind übernommen habe, war für mich „rückblickend betrachtet“ der größte Antrieb mich weiterzuentwickeln, nicht länger mich als Opfer zu fühlen und keinesfalls üble Dinge zu wiederholen. Was mir auch ganz gut gelang!

Mich beschäftigte schon immer warum meine Täter so geworden waren und ich habe vieles herausgefunden (weil ich es ernsthaft verstehen wollte), was es mir erklärt hat und in mir Frieden geschaffen hat. (Zu diesem Frieden werde ich in einem späteren Beitrag einiges dazu schreiben – weil es mir sehr wichtig erscheint.)

Und da ich auch in meinem neuen ‚Pollys Blog ohne Therapie‘ über alles was für mich hilfreich ist dort berichte, war diese Auseinandersetzung mit diesem Thema für meine weitere Heilung sehr wichtig.