„Alte Garde“

„Alte Garde“ (gemeint im Sinne von langjährige Begleiter, Getreue, Erfahrungen Austauschende)

Es ist seltsam aber die alte Garde bröckelt nun (damit meine ich die ‚Stamm-Mitglieder‘ aus der DIS – Kommunity, die ich kennengelernt habe.) Einige verabschieden sich ziemlich zeitnah aus den typischen DIS-Dialogen. Bislang habe ich bemerkt, dass sich die meisten auf eine (scheinbar) elegantere Weise  verabschiedet haben, als ich. Sie bekamen keinen Shitstorm wie ich auf meine Erfahrungsberichte (sie berichteten ja auch nicht wirklich etwas darüber ), die mich zur Abkehr des alten „Weiterso“ erreichten, – sondern sogar noch Glückwünsche. Darüber habe ich nachgedacht und reflektiert.

Wahrscheinlich liegt es an meinem bayrischen Erbe. Irgendwie scheine ich aus meinem Abstammungsland doch eine Menge aufgesogen zu haben, denn dort ist es üblich ehrlich und schonungslos die Wahrheit zu sagen. Eigentlich eine mir sehr liebgewordene Eigenheit, da ich Lügen, Unwahrheiten, Herumgeeiere ect. hasse. Ich bin wohl nicht sehr diplomatisch 😉 und mir sind Menschen, die ehrlich sind und ihre Meinungen deutlich zum Ausdruck bringen, bis auf den heutigen Tag noch lieber, als solche, die hinten herum ihre Meinung verkünden. Direkte Konfrontation ist mir lieber, als liebes Gesäusel, von jenen, die ich Konfliktvermeider nenne. Nun, ich habe die Anfeindungen auf meinem eigenen Blog überlebt und war nur sehr verwundert, dass mir meine mitgeteilten ureigensten Erkenntnisse und Erfahrungen in der für mich nötigen Rückschau, übel genommen wurden und mir als Angriff auf die ganze DIS-Szene interpretiert wurden, obwohl ich genau diese Mitteilungen für andere doch hilfreich eingeschätzt hatte, als ich davon berichtete und die Gründe für einen neuen Blog zu einem anderen Thema – was für mich Weiterentwicklung hieß – deutlich benannte.

Jetzt wo ich merke, dass sich viele von den damaligen Lesern des alten Blogs, auch aus Gründen der Weiterentwicklung und gelungener Aufarbeitung, verabschieden und sogar einen klaren Strich machen und sich für immer verabschieden – frage ich mich – wieso das für mich anders war. Ich wollte nicht einfach verschwinden (fühlte mich in der langen Zeit des Austausches über die Diagnose und das Leben mit DIS einfach mit den Menschen dort verbunden) im Gegenteil, ich dachte eigentlich, dass meine neuen Erkenntnisse für andere hilfreich sein könnten, gerade für die, die noch mitten in all dem Leid und Wiederholungen steckten und keinen Ausweg fanden. (So wie ich ja auch noch vor mehr als einem halben Jahr steckte – wie dankbar wäre ich gewesen, wenn ich auf solche wegweisenden Erfahrungen zugreifen – irgendwo lesen – hätte können).

Gut, es war nicht so, ich musste sogar viele Kommentar sperren, die alles andere als konstruktiv waren. Doch von meinem neuen Weg konnten sie mich nicht abbringen. Zu sehr spürte ich, dass er richtig war. Heute frage ich mich, ob ich einfach klammheimlich einen neuen Blog hätte einrichten sollen, (denn Schreiben ist für mich immer noch wichtig), ohne es den bisherigen Lesern mitzuteilen. Sicher hätte ich mir da einiges an Ärger erspart. Aber bin ich jemand, der sich Ärger erspart? Nee, war ich noch nie – ich gehe immer meine Wege ziemlich radikal geradeaus – geführt durch eine Stimme in mir, die mir sehr deutlich zeigt – wo es lang geht. Mir war es wichtig auch hilfreich zu sein.

Aber meine Erfahrungen zeigen mir eigentlich, dass es trotz allem guten Willens nicht möglich ist – Festgefahrenheit, Blindheit und im Leiden stecken geblieben sein…, – so wie ich es ja auch war – da hilfreich sein zu können. Man benötigt ein gewisses erarbeitetes Verständnis für sich selbst, um jenen Punkt des ’no return‘ zu durchschreiten. Ich weiß es ja selbst von mir, ich war mit Scheuklappen unterwegs zwischen den anderen, die auch in ihrer Sicht eingeschränkt waren (ohne Schuld) und nicht heraus fanden. Alles braucht eben seine Zeit. 

Eben fiel mir beim Wiederlesen auf, dass bei meiner Verabschiedung aus Melinas Blog eigentlich auch noch keine Anfeindungen kamen, sondern sogar Glückwünsche geschrieben wurden. Der Shitstorm begann erst, als ich den Leuten meine neue Blogadresse mitteilte, weil viele äußerten, dass sie mich auch dort weiter lesen wollten. Der klare gefühlte Strich war tatsächlich richtig. Ich hätte es dabei belassen sollen, oder wie einige auf privat umstellen sollen – denn die negativen Äußerungen kamen erst, von und nur von Seiten einiger alter Follower, die mir auf dem neuen Blog folgten.  Wieder was dazu gelernt. Inzwischen glaube ich, dass man Altes vom Neuen sehr gut trennen muss, damit es zu keiner Vermischung kommt.

Da mir jetzt wieder meine Diplomatie-Unfähigkeit deutlich vor Augen geführt wurde, muss ich doch noch einmal überprüfen ob meine Intention zu helfen – wirklich hilfreich ist für andere – oder ob es nicht besser ist – andere ihren z.Bsp. schmerzhaften Weg gehen lassen zu müssen, bis sie ihn tatsächlich hinter sich lassen können. Vielleicht ist es nicht sehr effektiv für jemanden wie mich, der es nicht aushält andere Leiden zu sehen. Vielleicht sollte man wirklich seinen neuen Weg einfach weitergehen und nicht zurück schauen, sondern sich anderen anschließen, die bereits auch auf diesem neuen Weg sind – sofern man ihn im Austausch mit anderen gehen will und nicht alleine. Das ist vielleicht kennzeichnend für wahre Weiterentwicklung.

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