Selbstregulation – Neurofeedback

Nun habe ich den Rest von der CD von Bessel van der Kolk gehört. Neurofeedback ist sehr interessant, aber so wie ich es verstanden habe, wissen die Wissenschaftler, die damit arbeiten auch nicht genau wie es wirkt. Aber es wirkt. Meist wird es bei Kindern die sehr früh traumatisiert und vernachlässigt wurden eingesetzt. Für uns ist das wohl nicht wirklich geeignet, denn bislang hat man zwar erforscht, dass es bei schwer traumatisierten und sehr verstörten Menschen wirkt und eine Besserung bewirkt…. Vor allem im Bereich der Selbstregulation scheint es zu wirken, also wenn Menschen immer wieder schnell in Übererregung/Untererregung landen (Kinder mit ADHS z.Bsp.) und sich nicht regulieren können.

Aber wenn ich keine Therapie mache und keine lebensbedrohlichen Unfälle habe, geht das mit der Selbstregulation recht gut bei mir. Selbst wenn es mal hoch hergeht und Verunsicherungen derzeit in meinem Leben auftreten, krieg ich das schnell geregelt, zumindest schneller wie früher. Ein hilfreiches Mittel ist, wenn ich Dinge, die mich bei Menschen verunsichern – gleich anspreche und kläre.

Hier ein Auszug aus der Seite: https://neurofeedback-schopfheim.de/selbstregulation/

Grundsätzliche Vorteile von Selbstregulation

Wer seine Erregungszustände zu steuern lernt, ist klar im Vorteil. Es wird sich zwar nicht die Anzahl der Anlässe reduzieren, in denen wir uns aufregen, aus der Haut fahren könnten. Aber der Umgang mit solchen Einladungen aus der Umgebung wird souveräner.

Bewusste Selbstregulation läuft über die Gehirnaktivität. Auch bei Leiden wie Migräne, Schlafstörungen oder Depressionen. Sobald der Mensch sein Erleben nicht mehr als Produkt des Schicksals erlebt, sondern als Ergebnis seiner Gehirnaktivität, beginnt der Weg in Richtung Souveränität: Selbstregulation ist erlernbar.“

Da ich jetzt keine Migräne, Schlafstörungen, Depressionen mehr habe, benötige ich wohl kein Neurofeedback. Aber interessant war es dennoch.

Duftende Rosen

Gestern waren wir in der Bundesgartenschau Heilbronn. Soooo viele Blumen, wunderschöne und Gemüse und Kräuter. Am Besten war der Rosenduftgarten. Ich bin ein „Nasentier“ – ich rieche besonders gut (das kann manchmal auch eine Last sein) und diese wunderbaren Rosen waren eine wahre Wonne. Ich war trunken von Düften. Es gab Rosen mit 4/5 Sternen ausgezeichnet und jede so unterschiedlich.

Während ich auf diesem Rundgang durch die Rosen ging, fiel mir „Das Parfüm“ von Süßkind ein. Auch er war offensichtlich ein Nasenmensch, nur hatte er sich auf das verewigen von Menschendüften verlegt und unter makabren Umständen.

Ja, Menschen riechen sehr unterschiedlich – so wie sie eben unterschiedlich sind. Und bei meinen Partnern, mit denen ich lebte, war es immer sehr wesentlich ob ich sie riechen konnte – das war ausschlaggebend.

Wie gut dass ich in Rente bin

in meinen früheren Jahren, als ich meine Tochter großzog, in Arbeit stand, und mit dem Leben kämpfen musste, blieb wenig Zeit um mich um meine eigene Entwicklung zu kümmern. „Alles hat seine Zeit“ und das war wohl die Zeit zum Erfahrungen machen und jetzt ist die Zeit der Auswertung.

Gestern war viel los, so dass ich nicht weiter den Rest von Bessel van Kolks CD über das spannende „Neurofeedback“ hören und auswerten konnte, deshalb geht es weiter mit Brendons Onlinekurs, der auch über wertvolle Dinge spricht:

Als ich vorgestern die 8. Lektion von Brendon Burchard hörte – von dem kostenlosen Onlinekurs, der das Thema Loslassen hatte, ging mir parallel so viel durch den Kopf:

Manche in meinem neuen Blog „Pollys Leben ohne Therapie“, schrieben, dass sie glaubten, dass ich verbittert wäre, weil ich keine gute Therapeutin gefunden habe, und deshalb jetzt konventionelle Therapie ablehne für mich (aber das ganze Leben ist doch voll von Therapien, damit meine ich auch die vielen Trigger, die sind nämlich Hinweis, dass es noch was zu erkennen gibt).

Nein, es sollte so sein, weil es passt nicht zu mir wegen meines Drangs selbstwirksam zu sein. Von klein auf war ich ohne Unterstützung und musste mir eigene Wege des Überlebens suchen. Ich schrieb bereits ausführlich früher schon hier darüber. Und ich habe überlebt und wenn ich mir das Ergebnis jetzt meiner Bilanz anschaue, habe ich das wirklich gut gemacht. Sicher es wäre viel leichter gewesen, wenn ich mehr Hilfen bekommen hätte, beziehungsweise später auch hätte annehmen können. Aber hätte ich dieses Leben gewählt, wenn ich es leicht hätte haben wollen? Irgendwas hat mich bewogen, diese Eltern, dieses Umfeld, dieses Leben auszusuchen.(ich weiß so denken nicht viele Leute, mein Glaube ist nun mal auch ein Teil meiner Verantwortungsübernahme für dieses Leben) Ich wollte/ sollte wohl etwas lernen, was man vielleicht nur unter harten Bedingungen lernen kann.

Vieles in all den Jahren habe ich kennengelernt und verworfen – und jetzt greif ich so manches wieder auf und kann es nutzen. Damals war ich noch nicht bereit, noch nicht fähig den Wert darin zu erkennen. Heute weiß ich, dass es zum Teil daran lag, dass ich auf (in meinen Augen) etwas Besseres wartete – auf etwas Großes, was sich mit Pauken und Trompeten und Feuerwerken zeigte und mich aus meinem Elend erlöste (weil es mir doch zugestanden hätte, von klein auf). Und ich übersah, die vielen kleinen Dinge, die direkt vor meinen Augen auf dem Weg lagen und ich schon längst die Ausgangstüre hätte durchschreiten können, die mich frei gemacht hätte.

Dazu jetzt noch eine Metapher-Geschichte, die das sehr deutlich macht.

„Es regnet, tagein, tagaus. Das Wasser steigt und läuft in die Häuser. Martin M. lässt sich nicht evakuieren. Die Feuerwehr kommt mit ihren schwersten Fahrzeug angerückt, fährt unverrichteter Dinge wieder ab. Am nächsten Tag ist das ganze Erdgeschoss überflutet, ein Boot des Rettungsdienstes kommt, doch Martin M. lehnt ab. Am Tag darauf sitzt er auf dem First des Daches, das Wasser plätschert schon um seine Füße. Doch auch den Hubschrauber, der ihn retten will, schickt er weg. Am Morgen darauf ist nur noch eine riesige Wasserfläche zu sehen.

Martin M. ist auf den Weg zum Himmel. Dort angekommen beschwert er sich bei Gott: „Mein Leben lang hast du mir versprochen, mich zu retten. Ich habe Dir geglaubt, und jetzt das.“ Gott antwortet ihm: „Was hast du denn? Erst habe ich dir die Feuerwehr geschickt, dann das Boot vom Rettungsdienst und sogar noch den Hubschrauber…“

Aus ‚Metapher-Geschichten’ http://www.metaphern.de

 

 

 

Die weitere Reise per CD

Mit der Therapieform Pessos  (hier kurz und bündig dargestellt) hatte ich mich bezüglich Traumen noch nicht beschäftigt. Aber da Bessel van der Kolk ihn öfters zitiert hat und auch auf der genannten CD im Vortrag über einen Film, der mit Pessos-Methode, spricht. Wurde ich ganz neugierig, denn mir wurde mit einem Mal klar, warum bei mir systemische Aufstellungen so hilfreich sind.

Bessel erzählt nämlich auf der CD sehr anschaulich, warum es wenig hilfreich ist, die Therapiestunden auf dem Po sitzend und stets darüber kognitiv zu reden, wie schlecht es doch den Patienten geht. Dass diese so keine neuen Erfahrungen machen können. Und wie sollten sie auch neue Erfahrungen machen können, denn wenn sie bereits in der frühen Kindheit bestimmte Dinge nicht erfahren haben, woher sollten sie wissen, dass sie ihnen fehlen – sie spüren nur eine Leere in sich. Er bringt als Beispiel (frei wiedergegeben): Wenn ein Kind nie erlebt hat wie es ist, dass wenn es zur Türe hereinkommt und von den dort sich aufhaltenden Personen z.B. lächelnd begrüßt wird mit den Worten ‚Ach, wie süß …. o.ä.‘ und am Lächeln auf den Gesichtern sieht, dass es liebenswert ist und willkommen, und stattdessen hauptsächlich Geschimpfe und Streit erlebt – woher sollte es wissen, dass ihm diese Erfahrung fehlt.

Und so (sagt Bessel – es ist ein Vortrag für Psychotherapeuten auf der CD) versuchen wir Therapeuten das irgendwie zu geben, was dieser Mensch vor ihm in der Kindheit vermissen musste (Freundlichkeit, Annahme, Verständnis, Verlässlichkeit …..) während der Therapiestunde – einmal die Woche, über Jahre. Nur hat er erlebt, dass es nicht wirklich weiter half. Er drückte es so aus: ‚Wenn er der 50jährigen Frau vor sich, 50 Jahre später, all das geben will was sie gebraucht hätte als Kind, so ist das nicht möglich, denn es ist einfach zu spät: eine Bemühung, die zur falschen Zeit, am falschen Ort einer falschen Person gegeben wird.‘

Zurück zu dem Film von Pesso, der auf der CD geschildert wird, der mir nach einigem Zuhören, wie eine erweiterte systemische Aufstellung vorkam – es ging um Stellvertreter, die aufgestellt wurden, die das Anliegen eines der Gruppenmitglieder darstellten und die eigentliche Person, die Interaktionen vor sich sehen und erleben konnte – also mit einem anderen Blickwinkel von außen – nicht von Innen – sozusagen als Beobachter. Es ähnelte sehr einer Aufstellung wie ich sie schon erlebte. Ein Element was dazugefügt wurde – war, dass neben den eigentlichen Eltern (denen, die so waren wie sie eben waren) noch später der ideale Vater und die gewünschte Mutter aufgestellt wurden. So konnte im Dialog mit beiden (realen Eltern und idealen Eltern) auch noch mal erlebt werden, wie es war und wie es hätte sein müssen. Und nebenbei konnte nachgeholt werden, was damals nicht gesagt werden konnte. Den vernachlässigenden Eltern z.B. endlich in Worten ausgedrückt werden, wie das damalige Kind das fühlte, aber noch keine Worte dafür hatte und von den idealen Eltern konnte es z.Bsp. sagen, was ihm gefehlt hat und was es sich gewünscht hatte und die idealen Eltern konnten dem Kind als Stellvertreter z.Bsp. sagen „Ich wäre gerne dieser Vater gewesen für dich, den Du gebraucht hättest, ich hätte dann das und das getan…. dich geliebt, mit Dir in den Zoo gegangen, je nachdem was der Stellvertreter in seiner Rolle gespürt hat.

Ein wenig fühlte ich mich erinnert an meine Idee und Ausführung meiner Umschreibgeschichten, in denen ich eine reale (in der Geschichte bspweise, wenn eine Figur meiner realen Mutter ähnelte) Begebenheit umschrieb, indem ich in der Geschichte, die Protagonistin dann anders handeln lies und auch andere Dinge zum Ausdruck bringen konnte – wie ich es in der ursprünglichen Situation als Kind nicht leben konnte, was damals nicht möglich war. Allerdings fehlt in meinen Umschreibgeschichten das Element, dass ich darin, mich mit einer idealen Mutter z.B. auseinandersetzen kann und erleben kann, wie eine gute Mutter handeln würde. Ein wichtiges Element, das ich noch umsetzen werde in meinen Erinnerungsgeschichten – wieder ein Puzzleteil.

Verstehen die Leser hier nur wovon ich schreibe, wenn sie mindestens schon mal eine Aufstellung in der Praxis erlebt haben. Den anderen rate ich sich in Youtube mal zu diesem Thema ein paar Filmchen anzuschauen zu diesem Thema und vor allem das Video dort von Rupert Sheldrake zum morphologischem Feld.

Ich kann hier nicht die ganze CD herschreiben, aber ich kann das, was ich dort erkannt habe hier mit Euch teilen.

Interessant war auch das Bessel van der Kolk nicht bekannt war, dass hier in Europa eine Richtung praktiziert wird, nämlich die systemische Aufstellung, die wie er sagte, in Amerika völlig unbekannt ist. Mir wurde beim Hören und in Beziehung setzen, was ich über Aufstellungen schon erlebt hatte, mehr und mehr klar, warum sie so hilfreich sind, weil es eben nicht nur auf der kognitiven Ebene stattfindet, sondern auch die (nach)Erlebnismöglichkeit bietet im Jetzt, die damals dem Kind völlig fehlte. Aber ich habe ja erst ca zwei Drittel der CD geschafft anzuhören, im letzten Drittel kommen auch noch seine eigenen Entdeckungen zu EMDR, die Bessel auf seiner Bewusstseinreise als Therapeut so offen und ehrlich erzählt. Und auch um Neurofeedback – sehr spannend.

Es war lustig, dass dazwischen gleich ein Analytiker aus dem Publikum reingrätschte, und seine Arbeit, mit seiner Sichtweise verteidigte: er würde doch den Klienten all das geben (Zuwendung, Aufmerksamkeit, Annahme…. und in der Regression würde der Patient ja wie ein Kind das dann erleben….während des analytischen Prozess und das oft über längerem Zeitraum von über 10 Jahren….).

Dass Bessel zusätzlich noch sehr viel Humor hat – gefällt mir besonders.

Jetzt ist der Körper dran

Ha, das ist lustig, denn über den Körper zu schreiben – statt ihn zu erleben ist wohl ein wenig schräg. Aber so werden wir versuchen uns anzunähern. Ich bin immer noch unschlüssig, was ich mit dem Fondgeld weiter anfangen soll. Eigentlich wollte ich Shiatsu, aber mein erster Versuch ging in die Hose, weil die nicht über dem Fond bezahlt werden wollte. Wollte keine Rechnungen schreiben. Okay, war nicht die Richtige – offensichtlich. Ich versuch das gelassen zu sehen – so trennt sich schicksalmäßig die Spreu vom Weizen. Nun weiß ich nicht: war das ein Hinweis nicht Shiatsu zu machen oder war die Therapeutin nicht die richtige? Und hier ist die Scheu vor dem Wort Therapie auch noch sehr stark. Will mich nicht mehr abhängig machen auf meinem Selbstwirksamskurs. Aber Körpertherapie ist ja doch was anderes, nicht so was Verkopftes und auf der reinen Sprachebene.

Aber ich denke es steht an, schon allein wegen der Abspaltungen der Misshandlungen während fast 8 Jahren täglicher Prügel, die ich als Kind nicht mehr spürte, aber noch immer im meinen Körper sitzen. Aber ich frag mich schon, ob das gut gehen könnte, da ran zu gehen, denn würde das vielleicht heißen diese früheren Schmerzen dann im Heute spüren zu müssen – weil ich sie damals nicht spürte?

Zur Zeit höre ich eine sehr umfangreiche CD von Bessel van der Kolk „Der Körper als Speicher unserer Erfahrungen“ – Untertitel: Traumaspuren im Gehirn, Geist und Körper.

(Zur Zeit grad SSV bei Auditorium herabgesetzt – lohnt sich wirklich)

Ja so nähern wir uns an – erst im Gehirn. Ein Satz ist mir in guter Erinnerung geblieben vom ersten Drittel, das ich bereits gehört habe: „Psychiatrische Diagnosen sind im Grund gar keine Diagnosen, denn es ist zweifelhaft ob sie mit dem Inneren übereinstimmen.“ Und noch ein Satz von ihm machte mich nachdenklich: „Sprache ist eigentlich nicht darauf angelegt die Wahrheit zu sagen. Vielmehr wäre wichtig was wir nicht sagen.“

Als Bessel auf der CD sagte, dass Trauma Hilflosigkeit bedeutet und Traumatisierte nicht zielgerichtet sind, dachte ich, dass ich vielleicht wirklich einiges von meinem Trauma aufgelöst habe, denn ich bin sowohl zielgerichtet und ich fühle mich nicht mehr hilflos, sondern selbstwirksam – ich glaube, dass ich mir weiterhin selbst helfen kann, indem ich alles nutze was mir begegnet. Ich glaube inzwischen, dass meine Seele mich führen wird, dorthin wo ich hin soll, auch bezüglich meiner Vergangenheitsaufarbeitung. Und zwar unforciert und nach meinem Tempo und nicht wieder nahe am Suizid vorbei.  Bei Bessel hörte ich auch, dass Traumatisierte unter einem Mangel an Präsenz (im Jetzt) leiden. Hmmm. Aber das Interessante kommt erst noch (ich habe erst ein Drittel der CD gehört – sie ist 331 Minuten lang Mp3- Format) er sagt nämlich, dass er Wege aufzeichnen kann wie man aus den „Traumaschleifen“ rauskommt.

Ihr werdet noch davon lesen – hier.

 

Wie geht es weiter?

Es reicht nicht einfach nur zu leben – nur Rückschau zu halten – es muss auch eine Vorwärtsschau geben oder nicht? Ja, wir sind beileibe noch nicht fertig mit der Aufarbeitung. Wir wissen, dass da noch kein richtiger Bezug ist zu meinem Körper. Dass er immer noch meilenweit entfernt ist, von dem dass wir eine richtige Beziehung mit ihm haben – nach unserer Vorstellung. Mehr haben wir nicht – nur eine Ahnung davon, dass da noch mehr sein könnte, wie es aussehen könnte, wenn man in seinem Körper ganz zu Hause ist, er nicht mehr abgespalten ist, sich natürlich anfühlt. Irgendwie ist er immer im Weg dieser Körper, fühlt sich nicht wirklich heimisch an. Woher habe ich diese Vorstellung vom Einssein mit ihm? Gab es die schon mal? Als Kind vielleicht?

War es möglich den Körper jemals so zu spüren wie er ist – ganz einheitlich, sich nicht für ihn zu schämen, sich natürlich und frei zu bewegen – ihn zu spüren? Ich vermute eher nicht, denn mein Aussehen war von dem Satz geprägt: Du siehst aus wie dein Vater! Dieser Satz war eine Bombe, er war pure Ablehnung – denn meine Mutter hasste meinen Vater. Was hatte er ihr wohl angetan, dass sie ihn so hassen musste – wollte. War es ’nur‘ dass er schon während der Schwangerschaft mit anderen Frauen ‚rummachte‘? Oder war ich aus einer Vergewaltigung heraus entstanden? Vom Geburtstermin aus verglichen – zum Hochzeitstermin lief es auf eine Mussheirat hinaus. Habe ich diese Ablehnung meines Vater durch meine Mutter schon in der Schwangerschaft aufgesogen? In einer Zeit – wo man nur ein Zellhaufen ist? Fragen und keine Antworten.

Vermutungen bringen nicht wirklich weiter. Mein Körper sagt mir, dass er nicht frei ist. Mein Körper fühlt sich nicht passend an. Er fühlt sich so an, als gehöre er nicht zu mir. Er fühlt sich linkisch, klobig, zu schwer, zu ungelenk und außerdem passt er nicht zu meiner Seele. Meine Seele ist schön und rein! Mein Körper ist hässlich und muss ständig versteckt werden, weil ich nicht will, dass meine Gestalt gesehen wird. Ein unmögliches Unterfangen, weil meine Seele braucht den Kontakt zu anderen Menschen – nicht nur virtuellen – nein leib-haftigen. Ich umarme gerne andere Menschen, sie spüren –  lässt mich sie erkennen – auf einer anderen Ebene – da spüre ich besser ihr Sein, wenn ich sie auch umarmen kann. Ich bin beim umarmen sehr akribisch – ich umarme niemanden, den ich nicht mag – das geht bei mir nicht. Wenn ich von einer Person umarmt werde und das nicht verhindern kann, weil es unhöflich wäre ihn zurückzustoßen (oder ihm zu sagen – Nee, Dich umarme ich auf keinen Fall) – bin ich blitzschnell weg – innerlich. Bei Menschen, die ich vom Herzen und Sinn her umarme bin ich ganz da, spüre wie der andere sich anfühlt – nachgiebig – loslassend – sträubend – weich – verhärtet – hingebungsvoll …. ich spüre ob es wirklich eine ehrliche Umarmung ist – oder ob mein Gegenüber es nicht lange aushält – so eine Umarmung ist ja Nähe – und schon zur Hälfte wieder wegstrebt…. Und ich spüre wenn die Umarmung ganz echt ist, tief und verschmelzend. Es ist seltsam, dass dieser Körper gerne umarmt, vor allem da, wo ich merke, dass mein Gegenüber das jetzt braucht (und selber vielleicht noch ambivalent dazu ist) Komisch das spüre ich alles, obwohl ich meinen eigenen Körper gar nicht wirklich spüre – sonst.

Das Umarmen habe ich in Herrenalb gelernt – der psychosomatischen Klinik, in der ich viele Monate war – nach einem totalen Zusammenbruch auf der ganzen Linie. Ich war damals 29 Jahre alt. Nach anfänglichem Sträuben habe ich die Umarmungen dort (sie waren ein Therapiemittel scheint mir ) – konnte ich es irgendwann zulassen und sehr genießen – war ja völlig neu für mich. Außer beim Sex war ich niemanden nah – damals. Die Klinik wurde ziemlich schief angesehen, wegen dieser Umarmungstendenz. Überall – traf man Menschen an, die sich umarmten – in Zweier-, Dreier- bis 5 oder mehr Grüppchen. Wir standen ganz dicht zusammen und fühlten unsere Bäuche. Anfänglich dachte ich sogar, dass die alle spinnen. Aber als ich bereit war es zuzulassen war ich süchtig danach. Gleichzeitig war es in der Klinik verboten Sex miteinander zu haben (ist ja auch ein bewährtes Mittel für manche damit der wahren Nähe auszuweichen), man flog aus der Klinik wenn das geschah. Es ging dabei um das Erleben von Nähe – nicht um Sex.

Da hatte ich Glück, dass ich diese Nähe  so exzessiv kennenlernen durfte.

Alles neu

Ich merke grad, dass eigentlich der neue Blog hauptsächlich aus Beiträgen besteht, in denen ich mein Leben neu aufrolle – es neu betrachte – neue Schlüsse ziehe – ihm neue Bewertungen gebe – vermehrt Sinn entdecke – und verstehe – auf eine andere Weise.

Die Tatsache, dass ich dies ganz öffentlich tue und nicht nur in meinem Tagebuch (das führe ich für intimere Dinge noch zusätzlich nebenbei) es mit den Lesern im www teile, verleiht diesen Erkenntnissen mehr Gewicht, macht sie bleibender, wichtiger, wahrer.  Ich glaube das Schreiben hier ist für mich ungemein wichtig – es sind keine flüchtigen Gedanken, die ganz schnell wieder verschwinden können, sie haben Bestand und ich stehe dazu, stelle mich dem was ich da Neues über mich erfahre. Übernehme Verantwortung für mich!

Jetzt kreise ich hier hauptsächlich auch um mich – aber anders als im Melinas Blog – jetzt ist es sinnvoll, konkret und konstruktiv, ja und auf ordnende Weise – ich bringe Ordnung in meine Vergangenheit. Bis zu meinem 17. Lebensjahr lebte ich ja nur unbewusst – war nicht fähig zu reflektieren und in meinen jungen Erwachsenenjahren stellte ich zwar auch viele Fragen, aber ich hatte keine Antworten und in den damaligen Therapien verstand ich auch nicht, was ich dort sollte. Ich konnte sie nicht wirklich nutzen, denn auch dort musste ich um mein Überleben kämpfen (dachte ich – ich war gefangen im Leid). Dort war ich auch in dem Gedanken gefangen, dass Hilfe nur von Außen kommen musste. Heute begreife ich, dass ich auch damals schon alles in mir hatte, was ich brauchte um zu entdecken, dass ich all die Fähigkeiten bereits in mir hatte, die mich vom Leid erlösen konnten.

Ich begriff so viele Jahrzehnte nicht, dass Leid eigentlich ein Hinweis ist, dass etwas ansteht zu verändern – nicht im Außen sondern im Inneren (manchmal auch im Außen). Dass ich fähig war es los zu lassen, dass nur ich selbst mich davon befreien konnte. Dass ich dazu durch eine neue Tür gehen musste – die ich scheute wie der Teufel das Weihwasser. Warum? Einzig und allein weil sie neu war, diese Tür – weil sie mir Angst machte – weil sie ungewohnt war – weil das was sich dahinter verbergen könnte, ich mit alten Fantasien belegt hatte, die furchterregend waren.

Trotz all der Psycho-Bücher, die ich gelesen hatte in meinem Leben – fiel der Groschen einfach nicht. Und jetzt im Rückblick erkenne ich erst, was ich mir selbst (zusätzlich) unnötig angetan habe – Lebenszeit mir selbst genommen habe – mir selbst Leid angetan habe – nur weil ich nicht begriff! Das ist traurig – echt – wirklich traurig. Und alles nur weil ich in der Vergangenheit fest hing. Zum Glück hing ich nicht immer darin fest, z.B. in den Zeiten, wo ich mich für andere verantwortlich fühlte (den Erziehungszeiten als ich meine Tochter groß zog, den Ehrenämtern, im Beruf…) So habe ich gottseidank nur viel Zeit verloren, als ich in den Therapien war, wo mich auf Schritt und Tritt das Leid verfolgte.

Natürlich waren diese Zeiten des Leidens nicht völlig umsonst…. ich brauchte sie offensichtlich, um zu lernen, um zu spüren was früher war, Lehren eben, gegen die ich mich erfolglos wehrte, sie nicht wahrhaben wollte – und wiederholte und wiederholte was ich aus meiner Kindheit kannte. Das Neue war so schwer zu begreifen, dass es das gibt, es war so schwer zu verstehen, dass es da jenseits meines Leids auch Freude gab, sogar für mich. Und das Neue machte eben Angst. Es war wirklich so, wie ich im letzten Beitrag von Mischa zitierte: „Leiden ist schöner – als Veränderung“

Aber eigentlich stimmt das gar nicht – denn wenn man dabei ist, sich zu verändern, dann ist es so erleichternd, so hilfreich und gibt soviel Mut…. Nur der Übergang, der Punkt des no return, den es zu überschreiten gilt, der ist wirklich schwer.