Hilflosigkeit vs Selbstwirksamkeit

Hilflosigkeit ist ein Traumakennzeichen ist überall zu lesen z.Bsp. hier bei Dami Charf 

Und es gibt sogar viele Bücher zum Thema „Erlernte Hilflosigkeit“ (Michaela Huber, Seligman….) und auch darüber, wie wir sie überwinden können.

Ich glaube, 2/3 dieses neuen Blogs beschäftigt sich mit der Aufarbeitung der Therapien, die ich in meinem langen Leben gemacht habe. Zwar waren die meisten Therapien im eigentlichen Sinne (gemessen daran, dass sie Verbesserung und mehr Lebensqualität bringen sollten) eher Verschlimmerungstherapien (erst mal) und brachten immer mehr Hilflosigkeit auf den Plan. Dennoch kann ich behaupten, dass sie mir viele, viele Erkenntnisse lieferten (im Sinne davon, was eher schädlich ist).

Dennoch muss ich sagen, dass dieses Aufzeigen der „Möglichkeiten“, dass es immer noch schlimmer werden kann, wenn ich auf „Vorgefertigtes“ treffe (eine Therapie arbeitet ja immer nach bestimmten Methoden und man hat bestimmte Erwartungen dazu, wie so eine Therapie laufen sollte und ich vermute, dass diese Erwartungen fast immer enttäuscht werden, sogar in solchen, die gut laufen), dann wird es schwierig für mich. Ich glaub, ich bin Einzelkämpfer und Pionier, muss meine eigenen Erfahrungen machen, unbeeinflusst von anderen, sonst sind die Resultate für mich nicht annehmbar. Ich muss selbst drauf kommen, meinen Weg selber finden, es selber fühlen, sonst ist es für mich nicht wirksam. Ich bin wohl ein zu eigenständiger, eigenwilliger, eigenbestimmter Mensch, um unkritisch etwas „scheinbar“ Bewährtes einfach übernehmen zu können. (In der CD von Bessel van der Kolk sagt er: Es gibt keine Therapiemethode, die für alle gut und wirksam ist).

In einem von Damis Video sagt sie über Ressourcen, dass auch Dickköpfigkeit und Sturheit eine ist. Ja wir haben unseren eigenen individuellen Weg, den wir uns selbst erarbeiten, erfühlen, erkämpfen müssen – sonst ist er für uns nichts wert und wir können keinen Nutzen daraus ziehen. Hängt wohl mit dem Fakt zusammen, dass wir fast ausschließlich alleine Wege finden mussten – von klein auf, damit wir überleben konnten. Wir waren als Kind unfähig uns anzupassen, selbst wenn wir es wirklich wollten, es gelang uns nicht. Wir erlebten wohl zu früh und zu lange, dass wir – weil niemand für uns da war, dass wir selber etwas bewirken konnten, was unser Überleben möglich machte.

Und scheinbar geht es auch umgekehrt. Damit meine ich, dass es doch immer heißt, dass die Überlebensstrategien von DIS und Co. , die wir als Kinder anwandten, um am Leben zu bleiben, sich später im Erwachsenenalter in etwas Destruktives verwandeln und uns am Leben hindern. Es sah auch eine Weile in meinem Leben so aus, alle Therapien gingen schief, weil sie nicht halfen, sondern alles verschlimmerten. Aber jetzt mit genügend langer Betrachtung und ehrlicher Rückschau, ist es eher so, dass diese früheren Überlebensstrategien mir auch weiter geholfen haben – nämlich meine Individualität zu bewahren und um andere Wege gehen zu können als die, sich konventionellen Therapien in die Hände zu begeben, die nach bestimmten Regeln und Verhaltenskodexen formten.

Eigentlich habe ich mich als Kind nie lange hilflos gefühlt – ich benutzte viele Arten von eigener Macht (sicher auch eingebildeter Macht z.B. über meinen Stiefvater und meine Mutter, wo ich schon früh bemerkte, dass ich klüger war als sie und vieles heraus bekam, wie ich ihrer Macht über mich entgehen oder zumindest schmälern konnte. Da war die Tatsache, dass mein Stiefvater verrückt war – er hatte eine Paranoia – und meine Mutter geistig nicht so gebildet war – ein Glücksfall, aber den Schlägen konnte ich so nicht entgehen). Meine Erinnerungen enthalten eine Vielzahl von Begebenheiten, die ich ersonnen hatte um Strafen oder unliebsamen Ereignissen zu entgehen oder sie durch Abspaltungen nicht zu spüren und das Beste unter diesen Umständen herauszuholen) um mein Leben zu sichern und auch um sich zwischendurch frei zu fühlen. Ich war clever, wenn ich auch in der Schule schlechte Noten schrieb. Vielleicht habe ich mir so meine Unabhängigkeit und meine Fähigkeiten erhalten, um eine Selbstkompetenz zu entwickeln.

Zugegeben, dieser Weg ist alles andere als leicht und man ist allein damit, aber ich hatte noch nie ein Problem damit allein zu sein, meine Wege allein zu gehen, meine ureigensten Wege. Ich mag die Gesellschaft der Menschen, aber sie dürfen nicht auf Dauer hinderlich sein bei der eigenen Entwicklung. Meine vielleicht wichtigste Ressource ist – so glaube ich – dass ich alles um mich herum (was die Welt zu bieten hat) nutzen kann, so wie ich es auch als Kind tat. Und das tue ich immer noch, ich bin offen für alles was brauchbar für meine Weiterentwicklung sein kann und probiere es aus. Da ist so viel Nützliches auf der Welt, so viele Möglichkeiten des Wachstums, so eine Vielfalt des Lebens, die wir ausprobieren können und erfahren dürfen, aus denen wir lernen können – das ist so spannend.

Ich glaube auch, dass es so weitergehen wird, wenn wir mal im Jenseits sind, auch dort wird es nie aufhören, dass wir Neues lernen dürfen und weiterwachsen. Das finde ich beruhigend.

 

 

 

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