Die Metaebene

Ja, es ist schwierig zu erkennen, an welcher Stelle man sich in seinem Lebens-Lauf gerade befindet – ob er noch zielführend ist, wenn man sich ständig so getrieben fühlt, sich keine Zeit nimmt dafür auch mal auf eine Metaebene zu gehen, denn dann fällt es schwer zu erkennen, wenn man sich verirrt hat. Der junge Mann, in dem grad eingefügten Link – ein 8minütiges Video auf Youtube, erklärt so schön in seinem leichten bayrischem Slang, warum es so nötig ist ab und zu auf eine Metaebene zu gehen (auf eine höhere Sichtebene) um zu schauen was sich in eigenen Leben gerade abspielt.

Ich nenne das auch Rückschau oder Bilanz ziehen und die Entscheidungen, die nötig sind bei dieser Rückschau, ermöglichen uns sie leichter zu fällen und einzuhalten.

Für mich ist die Metaebene aber noch viel mehr (auch das ist im Netz sehr schön erklärt). Es geht über die weltliche Ebene hinaus und kann unseren Blick sehr erweitern in Richtung Erklärungen, warum diese und jene Schrecklichkeiten z.B. sich gerade in unserem Leben ereignen oder ereignet haben. Menschen, die sich noch nie damit beschäftigt haben, werden ganz böse, wenn sie sowas erzählt bekommen, denn sie hören nur, dass sie wohl selbst das verursacht haben und selber schuld sind. Das ist Unsinn, denn alles hängt irgendwie zusammen und für alles sind wir im gewissen Maße verantwortlich, was uns begegnet. Ich mag den Begriff Schuld nicht – er ist irreführend. Niemand ist Schuld oder wir alle. Wie in der Hermetik (früher auch schon im Blog zitiert) gibt es sowas nicht – aber es gibt Verantwortung und die können wir annehmen oder ablehnen. Das nennt man auch Konsequenzen – Ursache und Wirkung.

Die Naturwissenschaftler nehmen in der Mehrzahl die Position ein, dass es nur gibt was sie beweisen können (was sie verstehen können) und so oft schon hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass ein winzig kleines Detail, dass Jahrhunderte/ Jahrzehnte….. verborgen war und nicht beweisbar, plötzlich durch neue Technik z.B. beweisbar wurde und die ganze naturwissenschaftliche Sicht umgeworfen hat und neu justiert werden musste.

Es gibt mehr als das was grade beweisbar ist, es gibt mehr als das was man sehen und anfassen kann. Und ein kleines Beispiel, das ich unlängst in der systemischen Aufstellungsarbeit selbst erlebt habe: Da war ein Naturwissenschaftler, der sich in unser Seminar ‚verirrt‘ hat (er hatte die Ausschreibung des Kurses so interpretiert, dass es ein Vortrag über transgenerative Weitergabe von Kriegsfolgen ist) er blieb trotzdem – obwohl er der einzige Mann in diesem Kurs war (sehr mutig – oder vielleicht auch aus einer höheren Warte ein „Stubbser“?). Er wurde in einer der Aufstellungen in eine Stellvertretung gewählt, wo er eigentlich nicht aktiv werden musste – aber sehr gut beobachten konnte. Am Ende in der Schlußrunde, wurde auch er gefragt, wie es für ihn war und er sagte: „Also ich weiß nicht was das war, aber die Atmosphäre hier war sehr dicht und hat mich in den Bann gezogen, ab und zu stellten sich mir an den Armen die Haare auf, aber ich weiß nicht warum. Aber ich will noch mal sowas machen, weil ich nicht verstehe was da geschieht, aber es war ganz offensichtlich, dass da was ist, was ich noch nicht kenne.“

Für einen Naturwissenschaftler ganz enorm. Und wenn man die Metaebene mit einbezieht, hat er sich vielleicht gar nicht verirrt – sondern es war Zeit für ihn und er war bereit – etwas Neues einzulassen.

Und wer will, noch ein Nachtrag für interessierte Leser aus dem Artikel „Spiritualität & Psychotherapie„, den ich gerne mit Euch teile.

Unterschiedliche Ansätze von Spiritualität und Psychotherapie

Spiritualität:

  • Überwindung des Ichs. Das Ich erlebt die Welt als polar, als gegensätzlich. Das Ich erlebt die Welt aus dem Gefühl: Subjekt und Objekt. Wenn es uns gelingt, dass Ich durch die Meditation zu überwinden, erfahren wir, dass wir nicht getrennt sind von anderen Menschen bzw. allen Wesen in diesem Universum.
  • Erkenntnis gewinnen, dass Leben eine Illusion (Maya) ist, die alleine in unserem eigenen Geist entsteht.
  • Nicht immer alles so persönlich nehmen, sondern anerkennen, dass Gewinn/Verlust – Lob/Tadel – Entstehen/Vergehen Teil der menschlichen Existenz sind und jedem widerfahren.
  • In Kontakt kommen mit dem höchsten Selbst (Buddha-Natur, reines Bewusstsein), das unsterblich, unverletzlich, klar und rein ist.

Gefahr: Eine spirituelle Erfahrung kann einen in höhere Bewusstseinsebenen katapultieren und dazu führen, dass man
a) den Kontakt zum eigenen Körper / Erde verliert
b) sich für auserwählt hält
c) auf der Metaebene spazieren geht / Gefühle vermeidet

Psychotherapie:

  • Stärkung des Ichs, um in der Ellenbogen-Gesellschaft durch Selbstwertgefühl, Kompetenz und Impulskontrolle bestehen zu können.
  • Überwindung einer seelischen Krise.
  • Bewusstwerdung der eigenen Gefühle und lernen, diesen einen angemessenen Ausdruck zu verleihen.
  • Aufarbeitung der Vergangenheit, wenn diese die Gegenwart blockiert.

Gefahr: Eine zu starke Identifikation mit dem Ich kann dazu führen, dass man
a) zu sehr mit der eigenen Geschichte identifiziert bleibt
b) zu sehr um sich und die eigenen Bedürfnisse kreist und das WIR vergisst
c) alles nur kognitiv verarbeitet, den Körper aber dabei vergisst

Wie Spiritualität von Psychotherapie (im Umgang mit Ängsten) profitiert

Stärkung des eigenen Ichs

  • Das Ich, das von der Psyche erschaffen wurde, um im Alltag zurechtzukommen, als „Geschäftsführer“ anerkennen.
  • Das Ich als eine Instanz würdigen, die für das eigene Überleben wichtig ist.
  • Das Ich verwenden als eine wertvolle Hilfe bei der Installation eines Inneren Beobachters, als „Geschäftsführer“, der uns hilft, Achtsamkeit zu entwickeln und die Dinge mit Abstand zu betrachten, ohne sich in alles verwickeln zu lassen.
  • Selbstvertrauen gewinnen, um dem eigenen Verstand und der eigenen Intuition zu vertrauen.
  • (Dazu gehört auch, sich kritisch mit spirituell-esoterischen Strömungen auseinanderzusetzen und nicht jedem Heilsversprechen blind zu glauben.)
  • Selbstvertrauen entwickeln und sich von der Abhängigkeit von Lehrern oder Meistern freimachen.
  • Die Bedeutung von Grenzen kennen und schätzen lernen, weil diese von spirituell arbeitenden Lehrern / Therapeuten häufig nicht aufrechterhalten werden, Grenzen überschritten werden und es zu Vermischungen der Lehrer-Schüler-Beziehung kommt.

Wie Psychotherapie von der Spiritualität (im Umgang mit Ängsten) profitiert

  • Erkennen, dass es etwas in uns gibt, das größer ist als das ICH. Etwas, das unverletzlich und unberührbar ist und nicht von Ängsten beeinträchtigt wird. Im Gegensatz zum Ich (Geschäftsführer) ist dieses Selbst (Besitzer) unsterblich und unverletzlich.
  • Ursache von Leid erkennen, das weit über die biografische Geschichte hinausgeht.
    Aus buddhistischer Sicht:
  • Ablehnung (Aversion): Angst / Furcht, Entsetzen, Hass, Vermeiden, Wut, Groll.
  • Anhaften (Verlangen): Gier, Haben-wollen, Festhalten, Anklammern, Sucht etc.
  • Installation des Inneren Beobachters (Geschäftsführer). Er kann uns darin unterstützen, die Mechanismen unseres Geistes zu erkennen und zu durchbrechen.
  • Stärkung des Transpersonalen Bewusstseins, des WIR-Erlebens. Die Verbindung mit anderen Menschen, Tieren, Wesen etc.
  • Imagination positiver Bilder: Menschen, die unter Ängsten leiden, sind oft traumatisiert. Für sie ist es eine Überforderung, die traumatisierten Bilder, die sich in ihrer Seele durch ein Ereignis eingeprägt haben, anzuschauen und aufzuarbeiten. Heilsamer ist es, sich gute Bilder vorzustellen, sich mit inneren Wesen, wie dem inneren Schamanen, der inneren Heilerin oder dem Geistführer, der einem mit Rat und Tat zur Seite steht, zu verbinden.
  • Achtsamkeitsumlenkung: Gehmeditationen, Atemmeditationen, Mantra-Rezitation nutzen, um weg von der Zukunft in den gegenwärtigen Moment zu kommen.
  • Verbindung von kognitiven Verarbeitungsprozessen (Therapie) und Körperarbeit (z.B. Yoga oder Atemarbeit). (Top-down- und Bottom-up-Methoden miteinander verbinden.)
  • z.B. MBSR (mit Aspekten wie Achtsamkeit, Mitgefühl, Gleichmut)
  • Traumasensibles Yoga (mit Körper- und Atemübungen, Yogaphilosophie)

Die beiden unterschiedlichen Ansätze machen deutlich, dass es auf dem spirituellen Weg nicht um ein Entweder-oder geht, sondern um ein Sowohl-als-auch. Manche Krise lässt sich leichter mit therapeutischer Hilfe überwinden und manchmal ist es auch gut, nicht zu sehr um das eigene Ich zu kreisen. Je mehr man um die verschiedene Wege weiß, desto leichter wird das Leben!

 

4 Gedanken zu “Die Metaebene

    • Sorry, aber das war ein Versehen gestern, ich veröffentliche in der Regel höchstens einen Beitrag pro Tag. Ich hatte ihn gestern statt in die Planung zu stecken, versehentlich veröffentlicht. Ich nehme an (hoffe zumindest), dass die Tatsache, dass ich das sofort korrigiert habe und ihn wieder raus habe, nur bei den ganz schnellen aufgetaucht ist.

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