Es war sehr nötig Rückschau zu halten

eine Zusammenfassung zu machen, der letzten Jahre. Vielleicht ermöglichte hauptsächlich genau das überhaupt, dass ich einen neuen Weg gehen konnte.

Auch bin ich überzeugt, dass diese Reaktionen von anderen DISlern, auf meine neue Sichtweise z.B. im Beitrag ‚Schonungslose Betrachtungen‘ – sehr notwendig waren, bestätigte es mir doch, dass man alte Bande manchmal sehr klarsichtig lösen muss, bevor Neues überhaupt entstehen kann. Das Alte radikal hinter sich lassen ist sicher ein guter Weg, um ungestört den neuen Weg gehen zu können. Dennoch glaube ich, dass wir in einer Rückschau alles sammeln und mitnehmen müssen – was uns aus dem alten Weg hilfreich war, damit wir nicht blind den neuen Weg gehen. Die Essenz aus unserer ganzen Geschichte, alles was wir an Wissen und Fähigkeiten gesammelt haben, hilft uns auf dem neuen Weg.

Irgendwo habe ich mal gelesen, dass es eine Gesetzmäßigkeit gibt, die da sagt, dass man – wenn man neue Wege geht – vom Schicksal nochmal geprüft wird – ob es einem wirklich damit ernst ist und es einen nochmal herausfordert – das Alte. Ja, man braucht Mut und Standfestigkeit, um neue Wege zu beschreiten – sich nicht vor lauter Angst in die Hosen zu machen, sich nicht beirren zu lassen von Menschen, die einen angreifen, weil man einen anderen Weg geht, nur weil er anders ist. Vielleicht ist da auch ein Stück Neid dabei, und der unsichtbare Vorwurf „ja, die ist mutig, ich bin es (noch) nicht“ – „ich bin noch nicht so weit, kann nicht“… und so ein Spiegel kann ganz schön weh tun, den will man vielleicht nicht sehen und deshalb muss er bekämpft werden? Ich habe keine andere Erklärung warum man sonst derart angegriffen wird, wenn man auf dem eigenen Blog sich schonungslos seinen früheren Fehlern stellt und von diesen Erfahrungen berichtet.

Es beschäftigt mich immer noch sehr, weshalb die Schilderung darüber – neue Wege, Verbesserungen – Wege aus dem Leid – über Befreiung – sich für manche so bedrohlich anfühlen. Damit meine ich ja auch meine Haltung, als ich selbst noch keinen Ausweg sah, mich noch in diesem Dilemma zwischen Leid und Verzweiflung befand. Dennoch hätte/habe ich mit Begeisterung in Blogs gelesen, in denen sie von ihren Erfahrungen geschrieben haben/hätten, wo sie schilderten, wie sich sich mit eigenen Bemühungen befreien. Ja, es gibt wenig Berichte zu diesem Thema. Auch deshalb schreibe ich hier! 

Möglicherweise habe ich gar keine DIS und Co., ich bin zwar Viele, aber vielleicht jenseits der Diagnose – habe mich oft nicht in die Schilderung von Experten und Co. finden können. Eine Unterwürfigkeit für mich nie in Frage kam, keine Anpassung gewollt. Meine Wehrhaftigkeit gegen fremde Beeinflussung war immer im Untergrund da, ich wollte immer mein Leben eigenständig gestalten – selbst nach meinem Unfall (wo ich körperlich völlig wehrlos war) habe ich mich gegen Bevormundung gewehrt. Vielleicht kommt das, weil ich schon immer von Kindesbeinen an allein für mein Überleben sorgen musste, (weil ich immer allein war) und jegliche Zuwendung von Menschen für mich eher etwas Schlimmes war.

Gerettet hat mir mein Überleben wahrscheinlich nur, weil mich die Natur (in der ich jede freie Minute flüchtete) in ihre Arme genommen hat. Dort fühlte ich mich geborgen, geliebt, und heile, konnte einfach sein. Von ihr wurde ich reich beschenkt, von ihr lernte ich alles was wichtig war, von ihr bekam ich die Liebe, die ich brauchte. Von ihr lernte ich, dass es eine wunderbare Welt jenseits der grausamen Menschenwelt gab – die wahre Welt, die mich rettete. Und deshalb wurde oder fühlte ich mich immer krank, wenn ich die Menschenwelt (die ich als Kind erfahren hatte) heilen wollte. Ich lebte in einer völligen Spaltung – die heile Welt und die kranke Menschenwelt und es half mir wahrscheinlich sehr nicht verrückt zu werden, weil diese heile Naturwelt für mich immer die wahre Welt war.

Mein neuer Weg scheint zu sein, sich langsam den Menschen anzunähern, zu lernen, dass nicht alle Menschen so sind, wie die aus meiner Kindheit. Nicht zuerst das Trennende zu sehen und zulassen, dass mich auch mit ‚feinen‘ Menschen etwas verbindet, denen man trauen kann, die einem nicht weh tun, die einen sogar lieben können, sympatisch finden, die einem selber ähneln, die wohlwollend sind, die es gut meinen mit einem. Wo man sich nicht nur mit Leidenden umgeben muss, weil man sich nur da verbunden fühlt – im Leid.

Eine neue Begeisterung hat sich breitgemacht, diese neue Welt, diese neue Art und Weise die Menschen wahrzunehmen und zu erkunden.

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