Loslassen – Bilanz – Akzeptanz

Es gehört nun mal dazu, dass wenn man einen neuen Lebensabschnitt erreicht hat, dass man Bilanz zieht, zumindest sollte man das – so denke ich. Denn ich will all die guten Dinge, die ich im Laufe meiner Überlebensbemühungen gelernt und mir angeeignet habe – und mitnehmen will – in ein neues Dasein und Sein – wenn ich ohne die schädlichen Auswirkungen meiner Schreckens-Vergangenheit leben möchte. 

„Nur wer die Vergangenheit kennt, hat eine Zukunft“ 
Wilhelm von Humbold, 1767-1835

*

amerikanischen Philosoph und Schriftsteller George Santayana (1863-1952)

Wer die Vergangenheit nicht kennt, ist gezwungen, sie zu wiederholen

*

Gehen wir noch weiter zurück. Goethe (1749-1832) hatte schon erkannt, wie wichtig es ist die Vergangenheit zu kennen, um Handlungen und Entscheidungen, welche in der Gegenwart geschehen, verstehen zu können:

Wer die Vergangenheit eines Menschen nicht kennt, versteht sein Handeln nur schwer.

„Ist es nicht gerade das Privileg der Lebenden, also unser Privileg, aus der Vergangenheit zu lernen, um in der Gegenwart klügere Entscheidungen zu treffen, welche uns selbst, und denen die nach uns folgen, eine bessere Zukunft ermöglichen?“

*

„Erzähle mir die Vergangenheit, und ich werde die Zukunft erkennen. „(Konfuzius)

*
„Vielleicht müssen wir das loslassen, was wir waren, um das zu werden, was wir sein werden.“

Diese Situation ist mit dem Krankheitsverlauf eines Menschen zu vergleichen, ganz nach dem hermetischen Gesetz: Wie im Großen so im Kleinen, wie im Kleinen so im Großen. Handelt ein Mensch gegen sich selbst und die Schöpfung, wird er krank. Die Krankheit ermöglicht es ihm dies zu erkennen und etwas zu ändern. Dadurch wird er wieder gesund und stärker als zuvor. Erkennt er das nicht, wird er immer mehr krank und immer schwerere Erkrankungen mahnen ihn zur Einsicht. Stellt diese sich nicht ein, stirbt der Mensch an diesen Krankheiten.“

Das habe ich unlängst gelesen und notiert (leider finde ich die Quelle jetzt nicht mehr) weil ich es so wahr finde.

Ich glaube, wenn wir den Fokus ständig auf das – was uns Schlimmes in der Kindheit widerfahren ist – richten – wiederholen wir nur an uns selbst, diese Verletzungen – wieder und wieder.

Eines ist mir klar geworden, mit dem „Erkennen unserer Vergangenheit, damit wir sie loslassen können“ ist sicher nicht gemeint, dass wir uns an jedes kleinste Detail erinnern müssen und unbedingt wissen müssen, was damals geschah. Es reicht, wenn wir zusammengepuzzelt haben, dass wir eine üble Kindheit, mit vielerlei Verletzungen in Seele und Körper erfahren haben. Irgendwann – wenn wir nicht für immer in dem damaligen Schmerz hängenbleiben wollen und nicht stattdessen vorwärts blicken und den Rest an Zukunftsleben unter einem besseren, einem anderen Vorzeichen leben wollen – müssen wir sie hinter uns lassen.

 

4 Gedanken zu “Loslassen – Bilanz – Akzeptanz

  1. Da ist sicher viel wahres dran,aber wie kann ich etwas loslassen,das ich noch gar nicht kenne.? Ja klar,es gibt viele kleine Puzzleteile, aber keins passt in das andere oder wenige…also ist für mich eine logische Konsequenz mehr dieser Teile zu finden um ein Stückchen weiter zu kommen. Und wenn dann einige zusammenpassen, dann könnte man loslassen.

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    • Ja, es gefällt mir, dass Du fragst…. Durch Fragen (auch sich selbst fragen) kommt man den Antworten näher. Ich schreibe ja im Blog nur von mir…. Aber z.B. ist es bei mir so, dass ich auch nicht alles aus meiner Vergangenheit weiß (z.B. über den Missbrauch weiß ich nur einzelne Flashbacks-Inhalte, Puzzlestücke und über das Schreiben von Geschichten bekam ich vielfältige atmosphärische Zustände mit, die ich erst dadurch wiedergewann, dass ich sie beim Lesen und schreiben erfuhr – durch die Gefühle, die ich dabei hatte – Gefühlserinnerungen halt. Und viele Puzzlestücke „erfuhr“ ich durch das in Resonanz gehen mit anderen Erzählungen von anderen, wo mein Körper mir signalisierte, „da iss auch was bei mir“ oder auch realen Erlebnissen mit Menschen im Jetzt oder durch die Untersuchungen, der Extremreaktionen von mir auf ’scheinbar‘ ganz normale Sache und wenn ich sie genauer untersuchte, und sie ernst nahm, dann entdeckte ich immer Zusammenhänge mit meinen Kindheitserlebnissen) Ein Schlüssel ist wohl, diese Zweifel beiseite zu stellen, sich nicht durch die Abwehrinnens verwirren zu lassen, diese ’seltsamen‘ Reaktionen, die im Körper stattfinden auf bestimmte Ereignisse, als Botschaft annehmen. Mit der Zeit ergeben sich dann zusammenhängende Teile, die Sinn machen. Ob das nun die Wahrheit im objektiven Sinne ist (die gibt es eh nicht, Wahrheit ist immer subjektiv) oder nicht ist nicht relevant. Ein Kind erlebt (man denke an Märchen, z.B. Riesen sind darin das Symbol für bedrohliche Erwachsene und sind nur aus der Perspektive des Kindes riesig). Es kommt nur darauf an, wie Du dem damaligen Innenkind begegnest – ob Du ihm glaubst – ob Du für es hilfreich sorgst, dass es weiterwachsen kann.

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    • Hallo Jane, – das ist keine Theorie – das ist mein Erleben, meine Erfahrungen und nur weil ich es erlebt habe (in der Praxis) kann ich hier meine Erfahrungen wiedergeben. Dies ist kein theoretischer Blogbeitrag über Traumatisierte, DIS-Leute etc. Ich beleuchte in meinen Blogbeiträgen auch seit Jahren Theorien über Traumen kritisch und prüfend, die auf mich zutrafen oder nicht – ich schreibe hier von meinen Wahrheiten und nicht von Expertenmeinungen (die für mich oft nicht zutrafen) – von meinen Erfahrungen und Praxiserlebnissen. Ja Du hast so sehr recht – die Spreu waren oft die „Erkenntnisse“ von sog. Experten, die in Büchern und Artikeln schrieben, die musste ich trennen von meinen tatsächlichen Lernerfahrungen. Aber vieles war auch hilfreich. Aber man weiß es halt erst wenn man es in eigenen Erfahrungen erlebt, sich also voll eingelassen hat und es schmerzvoll oder erleichternd selbst erlebt hat.

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