Alte Seelen

Oft habe ich überlegt ob das stimmt, was viele sagen; dass die Älteren mehr Weisheit, mehr Erfahrung, mehr Erlebtes vorzuweisen haben…. nicht nur an Jahren.

Nun, wenn ich manche Ältere beobachte – so kommen mir Zweifel. Und dennoch…. Ein Jugendlicher oder junger Erwachsener hat zweifellos weniger Erfahrungen gemacht. Wenn es auch Kinder und Jugendliche gibt, die sehr viel Leid erfahren haben, so macht sie das zwar in Richtung Leid erfahrener, aber eben nicht in allen Bereichen des Lebens.

Wache junge Menschen (siehe Friday of future z.B.) sind meist noch nicht so desillusioniert, haben sich noch nicht so verbraucht wie die Älteren. Sie haben noch all die Zuversicht und Energie, die noch darauf wartet – gelebt zu werden. (Vorausgesetzt sie bringen nicht schon ein übergroßes ‚Päckchen‘ von Zuhause mit, das schwere Kost war, aber auch unter ihnen gibt es die, die sich trotz ihres Leides für eine positive bessere Welt einsetzen).

Unbeschwert aufgewachsen zu sein, ist aber auch kein Garant – für Freude am Leben, Einsatz und Tatendrang. Woran liegt es also, dass es junge Menschen gibt, die ich Ältere, sehr wohl auf gleicher Augenhöhe erlebe und andere die mich über ihre Denkaussagen z.B. zum Schmunzeln bringen oder meine Empörung auslösen? Es sind die Reflektierten, Offenen, Positiv eingestellten jungen Menschen, die sie von den Uninteressierten, Gelangweilten, Initiativlosen, im Leid Steckengebiebenen und denen, die sich nur für ihren eigenen Spaß interessieren – unterscheiden. Und ich kenne auch junge Leute, die meditieren, die sich für das Leid von Tieren einsetzen, die den Kommerz ablehnen und sich nicht von materiellem Geist in dieser Zeit abhängig machen wollen.

Beim „foodsharing“ begegnen mir einige dieser jungen Menschen – meist Studenten oder in sozialen Berufen tätigen. Sie haben vieles schon erkannt, z.Bsp. diese Verschwendung durch Überproduktion und Achtlosigkeit von Lebensmitteln. Sie setzen sich ein für Zukunftsprojekte (Artenschutz, gegen die Vernichtung unserer Ressourcen… fahren klimafreundlich weite Strecken mit Fahrrad und Lastenrädern zur Abholung, der sonst vernichteten Essensreste, teilen diese dann mit den Mitbewohnern ihrer WG, engagieren sich für Politik….). Es ist komisch aber ich bin die einzige hier vor Ort in diesem Alter, die hier bei foodsharing wirksam wird. Nur 3 mittelalte AbholerInnen – um die 40 – sind hier noch außer den Jungen engagiert. Übrigens wie an vielen kreativen, gemeinschaftlich einbringenden Aktionen, sind es fast überwiegend Frauen. Bei den Jüngeren ist es ausgewogener.

„Alte Seelen“, wie ich sie gerne nenne, trifft man hie und da in jungen Körpern. Positiv setzen sie sich ein für Sinnvolles, Spirituelles ein und geben nicht auf – in stiller Weise – durch ihr Wirken, ihr Tun sich für eine bessere Welt einzusetzen. Das sind für mich alte Seelen, denn sie tragen ein Wissen in sich, dass es unsere Verantwortung ist, nicht nur zu denken – „Ich zuerst“ – sondern sich einsetzen, gegen das was vor Generationen begonnen hat an Zerstörung – um sie im Kleinen rückgängig zu machen.

Da fällt mir, wie so oft eine kluge Metaphergeschichte ein:

„Der Sternenwerfer

Es war einmal ein alter Mann, der jeden Morgen einen Spaziergang am 
Meeresstrand machte. Eines Tages sah er einen Jungen, der vorsichtig 
etwas aufhob und ins Meer warf. Er rief: „Guten Morgen, was machst du 
da?“ Der Junge richtete sich auf und antwortete: „Ich werfe Seesterne 
ins Meer zurück. Es ist Ebbe und die Sonne brennt herunter. Wenn ich 
das nicht tue, sterben sie.“ „Aber, junger Mann, ist dir eigentlich 
klar, dass hier Kilometer um Kilometer Strand ist. Und überall liegen 
Seesterne. Die kannst du unmöglich alle retten, das macht doch keinen 
Sinn.“ Der Junge hört höflich zu, bückt sich, nimmt einen anderen 
Seestern auf und wirft ihn ins Meer, lächelt: „Aber für diesen macht es 
Sinn.“

4 Gedanken zu “Alte Seelen

    • Na, das kommt natürlich auch davon, dass meine Tochter das sehr aktiv ist und ich selbst ja auch dort sehr aktiv bin, so kommt man unters „Jungvolk“ – wenn man sich da drunter mischt ;-). Habt Ihr in Wien kein foodsharing?

      Liken

      • Ich erinnere mich, dass ich mich mal informierte, was es alles an ehrenamtlichen Tätigkeiten gibt, und fand in zwei oder drei Bezirken katholische Kirchen, die von Supermärkten am Ende der Woche Übriggebliebenes abholen, und den Kirchenbesuchern zur Verfügung stellen.
        War aber natürlich mit Kistenschleppen verbunden, was also mehr für männliche Interessenten infrage kam.
        Dann gibt es noch eine mobile Suppenküche, die allerdings niemanden benötigten, erinnere ich mich, als ich nachfragte. Die wird von einer Gruppe Pensionisten betreut.

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      • Na, immerhin hast Du es versucht…. ich kann seit meinem Unfall auch kaum noch was tragen, aber ich habe ein Einkaufswägele, da rolle ich dann hin für die Abholungen.

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