Viele-sein als Geschenk

Menschen, die sich vielfach in ihrer Kindheit spalten mussten, weil sie sonst mit Traumen, die sie erlebt haben, gar nicht hätten überleben können – haben somit eine großartige Leistung vollbracht. Großartig ist dabei, dass es einen (oder mehrere) Mechanismus im Menschen gibt, der dies möglich macht. 

Inzwischen habe ich nach meinen vielfach gescheiterten Therapien erkannt, dass wir nicht nur diesen Überlebens-Mechanismus besitzen sondern auch in uns eine Selbstheilungskraft wohnt, die uns stetig weiterhilft zu überleben und zu leben.

Viele DIS und Co. Leute glauben nicht daran, dass sie selbst in sich all die Kräfte haben, die sie – trotzallem – ein gutes Leben führen lassen können. Wir Viele haben auch viele Talente erworben (manchmal scheint es mir sogar, dass wir wichtigere und wesentlichere Fähigkeiten besitzen als ein UNO, der es wesentlich leichter hatte zu Anbeginn seines Lebens) und natürlich hat es uns viel gekostet: Kraft, Mut, Anstrengung, Schmerz, Tränen und Kampf. Nichts fiel uns in den Schoß, denn wir mussten uns alles unter schwierigen Umständen erkämpfen und lernen.

Diese Fähigkeiten, die wir durch unser Vielesein erworben haben sind nicht immer so „passbar“ für diese Welt, denn in der Welt geht es einseitig und hauptsächlich um Materielles, Dichtschwingendes. Es sind Gaben und Fähigkeiten, die mehr auf einer anderen Ebene beheimatet sind: Sensibilität, Kreativität, Mitgefühl, ein gesundes Gefühl für Richtig und Falsch, Wahrnehmungsfähigkeit für die (scheinbar nicht so wichtigen Dinge in unserer äußeren Welt) zarten, wenig beachteten Dinge. Wir sinnen nicht nach Macht und Ansehen, nicht nach Reichtum, wir wissen um die wahren Werte des Menschseins – denn wir haben das Elend am eigenen Leib gespürt und wissen darum, wie es ist zu leiden.

Seit ich nicht mehr im Außen die Lösungen suche (oder daran glaube, dass ich nur durch Wiedergutmachung z.B. durch Theras,  Therapie – besondere Zuwendung, besondere Schonung) gerettet werden kann, kann ich erst richtig meine eigene Selbstwirksamkeit erkennen. Ich bin überrascht wie viel ich selbst schaffe und mich neu erfahre und welche Hilfen mir plötzlich – wie von allein – zufallen – seit ich diese Erwartung losgelassen habe.

Ich erkenne jetzt wie sehr einen Glaubensätze, die einen ein Leben lang blockierten, und bekommen plötzlich ‚zugespielt‘ wie ich sie auflösen kann. In jeder Therapie, sagte ich meine prägensten, hinderlichsten Glaubenssätze sofort den Theras – keiner konnte mir dazu etwas sagen, geschweige mir verraten wie ich sie loswerden könnte. Jetzt kam in Form eines Buches mir eine ganz leicht begreifbare Methode unter, die mir auch die Hintergründe verständlich machte, warum es so schwierig ist sie aufzulösen und auch meine Versuche damit bisher immer scheiterten. Mir war nicht bewusst wie diese Zusammenhänge funktionierten, die es immer verhinderten, dass es gelingen konnte.

Das geht nicht ohne erst mal das ganze Spektrum dahinter zu erfassen, (nicht nur zu sagen: ich weiß das alles, ich habe soviel darüber gelesen, offensichtlich gab es einen Grund warum es nicht funktionierte) nicht ohne die Gesetzmäßigkeiten (übrigens gilt das nicht nur für uns Viele – sondern für alle und alles) dahinter wirklich zu begreifen, und geht auch nicht ohne sich ausgiebig damit zu beschäftigen, um zu verstehen, warum sich da Gegenkräfte aufheben und wie es geschieht, dass das „Alte“ immer wieder zurückkommt, selbst wenn wir es mal vorübergehend schaffen auszubrechen. Und es geht auch nicht ohne ein wenig Anstrengung, die da heißt die Methode eine zeitlang auch wirklich regelmäßig anzuwenden, bis das Neue auch im Gehirn und unserem System landen und bleibend verändert werden kann. Zum Glück sind wir hartnäckig.

„Der Feind in uns!“ Wie es z.Bsp. M. Huber beschreibt in ihrem Buch über Traumafolgen, ist für mich die Bequemlichkeit, die Trägheit in uns – es ist ja soviel leichter (scheinbar – nicht wirklich) zu glauben und zu hoffen, der Therapeut wird uns von unserem Elend und den Glaubenssätzen schon befreien (oder ein Heilerguru, oder eine Klinik, oder Partner). Wir mussten erst so oft erfolglos in den Therapien scheitern (und eine letzte grauenhafte Therapeutin kennen lernen), bis wir uns um 180 Grad drehen konnten und erkennen, dass wir eigentlich alles in uns haben, was wir brauchen und nur offen sein müssen für neue Wege. Und es uns zutrauen, uns dafür entscheiden, diesen neuen Weg zu gehen und nicht zuletzt, auch ausdauernd auf das Ziel zuarbeiten, das wir uns selbst gesetzt haben.

Wir haben in uns auch einen Heiler – das ist für mich unser „Wunderwerk“ als Mensch, oder weil wir von Gott perfekt geschaffen wurden, und es an uns liegt, ob wir all den Reichtum in uns ehren und dankbar für ihn sind – und auch mit unseren „Talenten wuchern“ wollen, und es auch tun, statt auf die Erlösung von Außen zu warten und nicht selbst unsere kostbare Lebenszeit für unser Wachstum nutzen. Aber ich glaube der Wunsch ’nichtmehrleidenzuwollen‘ muss erst so übermächtig werden (wir sind ja Leid gewohnt und kennen es so, als gehöre es zu uns), dass das Maß so übervoll ist, dass wir den Weg da raus wirklich wollen.

Ich für meinen Teil, habe beschlossen genug gelitten zu haben (68 Jahre sind genug). Ich will endlich durch anderes weiterwachsen und lernen, nicht nur mit dem Motor der Angst und des Leids. Genug ist genug!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.