Verantwortung für das Jetzt

Hab unlängst auf einen Beitrag von  den gebeutelten „Geisterkinder“, einen Kommentar geschrieben – mit ähnlichem Inhalt, den ich aber noch erweitern möchte, weil es mir wichtig erscheint, noch einiges hinzuzufügen.

Ich habe, seit ich weg bin aus der Therapie – große Erleichterung verspürt und auch mich befreit gefühlt. Gut, ich fragte mich auch, ob das richtig war, hatte eine Weile Zweifel und vielleicht sogar jetzt noch…. aber mein System hat sich sehr schnell wieder auf dem alten Level eingestellt, gut funktioniert (jedenfalls viel, viel, viel besser als in der Therapie). Wir sind auch viel ruhiger geworden und die Kleinen scheinen sich auch beruhigt zu haben. Das mag vielleicht nicht das Nonplusultra sein – Aufarbeitung wäre mir auch lieber…. Aber die letzten Jahre meines Lebens ein wenig Frieden finden statt mich zu quälenden in einem nutzlosen und verzweifelten Krieg zu begeben, (meine Verteidiger) ist ganz sicher nicht, das was ich will.
Eine Theorie von mir ist (nach meinen Erfahrungen mit Therapie, wo es mir IMMER schlecht und schlechter ging), dass es vielleicht der falsche Weg ist, all die Bindungsverstörten, im alten Schmerz und Sehnsucht steckengebliebenen Kinder zu „beleben“. Ich glaube inzwischen nicht mehr, dass sie durch Außentherapeuten, (die sich so oft als „unbewusste Täter“ entpuppten – weil sie durch die Stärke der entfesselten Emotionen dieser Kinder, von einem Fettnäpfchen ins nächste tappten – ohne es zu ahnen und ohne es zu wollen). Diese Kinder können nicht auf diese Weise geheilt werden – glaube ich – es ist ein Falle! Wir allein, so glaube ich, können in der Tat nur etwas für sie tun, sie in unseren Alltag einschließen, ihre Bedürfnisse z.T. befriedigen, für sie sorgen….. und wir können UNS stärken, dass wir die Kraft haben im Außen und im Innen. (Therapie schwächte uns immer, der Fokus lag ja immer auf dem „NichtinOrdnungsein“) Die Erwachsenen in uns stärken, unsere Liebe für die Innens, die in uns immer noch leiden, wecken, das können wir tun. Kein bezahlter Mensch kann uns von dieser Aufgabe befreien, der grad mal 50 Min. für uns in der Woche Zeit hat – diese Kinder haben soviel entbehrt, sie sind ein Fass ohne Boden und sie haben auch keine gesunde Konsequenz erlebt (was heißt sie kennen keine Grenzen – ‚die gelernte Erzieherin spricht da aus uns‘ – und auch keine Konsequenzen wenn sie etwas tun oder wünschen, was kein Mensch bekommen könnte. Mit anderen Worten, sie lernten keine Grenzen fühlen, und erlebten auch, dass andere ihre Grenzen nicht achteten.).

Wir sind für die liebevolle Grenzeinhaltung zuständig, (dies ist eine sehr wichtige Aufgabe in der Erziehung von Kindern, was da heißt, dass Kinder nicht uferlos fordern können, lernen müssen sich zu regulieren, um im Leben auch fähig zu sein, z.B. in Beziehungen auch mal zu verzichten oder sich auch mal durchzusetzen gegenüber anderen ohne ihn gleich zu zerstören.

Die Kleinen konnten das nie lernen und sind so hungrig nach Liebe, dass sie jeden Therapeuten auffressen würden, wenn sie es könnten. Sie haben nicht gelernt mit den eigenen Grenzen umzugehen, fordern uferlos beim Herauskommen alles ein was sie damals so sehr entbehrt haben. Unerzogene Kinder finden sich in der Gesellschaft nicht zurecht und letztlich machen sie mit ihrer Maßlosigkeit sich und andere kaputt. Die dann folgende Konsequenz ist, dass sie nachdem sie so oft und überall ’nicht passen‘, überall anecken, nirgendwo sich zugehörig finden – aufgeben und rebellieren, zerstören oder sich total verstecken und ganz mutlos werden, sich vom Leben, Menschen, in der Welt – zusätzlich zu ihrem Leid auch noch abgelehnt und ungerecht behandelt fühlen.

Wir haben als Einzige die Möglichkeit, sie nachzuerziehen, ihnen so gut es geht das beizubringen, einigermaßen ausgleichen, was sie vermisst haben an Liebe und ihnen klar zu machen was für Schaden die Gewalt und die Vernachlässigungen ihnen angetan haben, aber dass sie – wenn sie das verstehen und sich besser regulieren lernen, auch die Welt ihnen anders antwortet.

Wir wollen auch keine Partner mehr mit all dem Horror belasten, es geht nur immer bis zu einem einzigen Punkt und dann ist die Belastung für uns oder für den anderen derart hoch, dass wir uns trennen müssen, um uns oder den Partner zu retten.

Wir sind verantwortlich für das Jetzt und wie es in der Zukunft wird, wir sind nicht verantwortlich für das was in der Vergangenheit uns angetan wurde! (Außer vielleicht  die daraus resultierenden Mechanismen zu verstehen und die Konsequenzen daraus zu ziehen.)

Ich wollte mit Beendigung der letzten Therapie das Elend nicht noch weiter ‚pflegen‘ bzw. wiederholen und meine Täter (in Therapeuten z.B.) nicht weiter bekämpfen, die ja eigentlich durch die verinnerlichten Mechanismen/Glaubenssätze in meine Schusslinie kamen, durch das ‚Gesetz der Anziehung‘ in mein Leben kamen. Eigentlich weiß ich das seit Jahrzehnten (damals als ich keine Therapie mehr machen wollte), nur wusste ich nicht warum, blickte noch nicht dahinter. Ich spürte nur dass diese Schattenkämpfe mit früheren Therapeuten mir nicht gut taten und alles noch schlimmer machten.

Ein Kampf gegen Windmühlen eben, der niemals zu gewinnen war – es hilft mir nur wenn ich an diesen ‚herausfordernden‘ (triggernden) Windmühlen vorbei gehe und andere Wege suche. Dennoch musste ich die Tatsache, dass ich durch den Unfall ziemlich eingebrochen war erkennen, dass da tief in mir etwas noch sehr leidet und in einer Art Gefängnis eingeschlossen ist. Ich will das mit neuen Wegen befreien – so gut ich kann – und finde es bedauerlich, dass ich soviele Umwege gehen und soviele quälende Wiederholungen durchlaufen musste, soviel Zeit verlor – und dennoch – ich habe all das gebraucht, ehe ich kapiert habe, dass meine Befreiungswege andere sind, als der – durch jemand außerhalb von mir ‚erlöst‘ zu werden.

10 Gedanken zu “Verantwortung für das Jetzt

  1. Kann ich voll nachvollziehen 🙂
    Die Vergangenheit muss als etwas Verwestes angesehen werden, an dem man sich vergiftet, wenn man es erneut versucht in sich aufzunehmen.
    Doch das können natürlich Psychotherapeuten nicht akzeptieren, weil sie damit arbeitslos würden oder sich als Coach verändern müssten.
    Vermutlich ist es aber wirklich wichtig, dass der Patient dies erkennt. Und das ist nunmal auch erst möglich, wenn er sich eine geraume Zeit in der Vergangenheit aufgehalten hat…..so empfinde ich das halt.
    Wünsche Dir noch eine schöne Woche, liebe Pollys 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Danke für diese Sichtweise 😉 Die Veränderung würde da wohl heißen: Augenhöhe! Habe erst gestern daran gedacht bei der vorletzten Thera, dass sie statt mir was vorzulügen („es geht Ihnen jetzt ja schon ein wenig besser….“) und die Therapie zu beenden, dass es vielleicht doch geklappt hätte wenn sie damals – als es gekippt war (in die Täterrolle) gesagt hätte: Ich weiß grad nicht weiter…. können wir vielleicht gemeinsam versuchen herauszufinden, warum es so plötzlich gekippt ist, was der Auslöser war? Das nenn ich Augenhöhe und mir die Eigenverantwortung ein bisschen zurückgeben……

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