Sehnsucht

Gestern in unserem Mystik-Kurs – liefen mir dauernd die Tränen. Peinlich war das… echt! Momentan erfahren wir in diesem Kurs schon seit Monaten viel von Hildegard von Bingen.

Die stete innere Suche in meinem Leben (außer wenn wir Therapie machten, da ist das Spirituelle völlig weg, wird verschluckt vom „überlebenmüssen“) ist eine wichtige Sache in meinem Leben. Dumm ist dabei nur immer diese Sehnsucht nach dem „Jenseits“, die taucht dann regelmäßig auf und lässt sich kaum noch bremsen.

Dieses „nicht-mehr-hier-sein-wollen“ kann so stark werden, dass es sich wie Schmerz und Verzweiflung anfühlt. Wir haben schon oft darüber nachgedacht, warum dieses ‚Phänomen‘ bei uns so stark ist. Es ist unabhängig vom Zustand in dem wir grad sind. Denn es taucht auf egal ob es uns grad gut geht oder nicht. Sobald spirituelle Themen auftauchen fühlen wir diesen Sog und unser Wunsch nach dieser Welt – von der wir kommen – wird ganz übermächtig.

Es fühlt sich an wie das Wichtigste in unserem Leben – nein – alles Wichtige hier in dieser Welt wird plötzlich wesenlos und nichtig. Die ‚Heimat‘ ruft ganz laut und wir wollen wieder dort sein. Es ist eigentlich ein gutes Gefühl und es tut trotzdem richtig weh. Wir fühlen uns sooooooo weit entfernt davon.

Ich glaube nicht, dass es etwas zu tun hat mit meinem Alter, mit dem Ende des Lebens, mit dem Loslassen bevor wir rüber gehen aus Altersgründen. Wir hatten das schon in jungen Jahren. Es fühlt sich an wie eine Art Krankheit, von der wir genesen wollen und wir dann gesund sind, wenn wir endlich „drüben“ sind. Wir zweifeln nicht daran, dass es diese Welt gibt, dass wir – irgendwann dort landen – für uns hört niemals etwas auf, in der Natur gibt es kein unwiederbringlich verloren – alles  auch unsere Seele wird sich nur verwandeln, nach Hause kommen, zurück kehren in den  Zustand aus dem wir kommen.

Im Mystikkurs gestern konnte ich die Tränen nicht stoppen, sie liefen einfach, so wie ich es auch in der letzten Scheitertherapie kannte, und ich immer sagte, dass da irgendwelche Innens in mir weinen (nicht ich) – Ob das auch irgendwelche Innens sind, die da zeigen wie traurig sie sind, weil sie so weit weg sind von der Heilung, vom Zustand des Heilseins – vom Zustand der Vollkommenheit?

Bevor der Kurs zu Ende war brach aus mir noch der Entschuldigungs- und Erklärsatz hervor: „Ich weine nicht weil ich traurig bin, sondern weil ich mich bei solchen Themen sooooo weit weg fühle von dem, wo ich doch eigentlich hin will.“ Da antwortete mir der Kursleiter: „Das ist so, weil Gott dann ganz nah bei Dir sitzt in solchen Momenten und Du ihn fühlen kannst“. Das war irgendwie tröstlich und tut schon wieder weh und meine Tränen laufen auch jetzt während des Schreibens.

5 Gedanken zu “Sehnsucht

  1. Hey, diese Sehnsucht kenne ich auch sehr gut! Sie hat mich mein ganzes Leben begleitet und mich immer wieder angetrieben nach Gott zu suchen. Mittlerweile habe ich Gott gefunden und ich würde sagen, dass die Sehnsucht sogar noch größer geworden ist! Denn jetzt weiß ich, dass es das, wonach ich mich sehne wirklich gibt! Sehnsucht ist eine Kraft, die uns antreibt, auf der anderen Seite aber auch etwas, was uns aus dem Hier und Jetzt wegzieht. Ich denke deshalb, dass es gut ist, eine gewisse Balance zu haben und das „sehnen“ nicht zur „Sucht“ werden zu lassen.
    Ich denke auch, dass es unterschiedliche Sehnsüchte gibt…einmal die Sehnsucht nach unserem spirituellen Zuhause, der Nähe zu Gott und auf der anderen Seite die Sehnsucht nach dem Tod, die man vielleicht eher als „Sehnflucht“ beschreiben könnte.
    Ich habe für mich entschieden, dass ich das Leben ehren möchte, das Gott mir geschenkt hat, gleichzeitig möchte ich Ihm aber nah sein. Deshalb strecke ich mich danach aus, den Himmel auf Erden zu sehen. Durch Jesus ist der Himmel auf die Erde gekommen, d.h. durch ihn muss das „Jenseits“ auch im „Diesseits“ erlebbar sein! Ich bi gespannt…;-)

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    • Das ist schwierig, das eine ohne das Andere – vielleicht können wir uns einfach besser als Andere erinnern…. und wissen noch wie es war. Aber einige von uns wissen, dass wir unseren Auftrag erfüllen müssen – aber einige von uns würden soooo gern abdüsen. Und da wir möglichst nicht wieder kommen wollen – hierher – bleibt uns wohl nur durchzuhalten und das Beste draus zu machen.

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