Yin und Yang

Für viele gehöre ich wohl zu den Therapie-Abbrechern. Aber wenn ich daran denke, dass mir ein Insider erzählte (selbst über 10 Jahre Therapie gemacht auf dem Weg zur vollständigen Integration) die Statistik vor Augen hielt, dass es nur 30 % mit dieser Diagnose DIS und Co. überhaupt mit Therapie (lt. Expertenempfehlung für DIS) schaffen ein gutes Miteinander (Zusammenwirken des Systems, gute Kommunikation im Innen…) zu gestalten, mit dem man gut leben kann und davon nur 16% es schaffen sich vollständig zu integrieren und davon 6 % anlässlich einer Krise wieder zurückfallen können in die Getrenntheit….

Da frage ich  mich schon, ob das der richtige Weg ist eine Quäletherapie zu machen, mit so wenig Chancen – ob sich das lohnt.

Seit mir die Systemische Therapeutin gespiegelt hat wie wunderbar kreativ und stark mein Überlebenssystem von uns ‚gebastelt‘ wurde (als Kind angelegt in größter Not und später immer mehr verfeinert) – wo ich doch vorher immer nur diese quälenden Pattsituationen in meinem Leben sah, in dem Gefangensein und das mich hinderte mein ganzes Potential zu leben, weil ich Grenzen und Sperren in mir habe, die mehr als Überleben verhinderten. Zum ersten Mal in meinem Leben (man bedenke nach x-Therapien(versuchen und vielen Jahrzehnten) schaffte es eine Frau mir das glaubhaft zu spiegeln, dass ich es erkennen konnte, dass wir da ein Überlebenskunstwerk geschaffen hatten, das ich immer nur als Last und Behinderung empfand.

Aber nichts ist ganz schwarz und nichts ganz weiß, man bedenke nur das Yin und Yang:

Yin undYang

Eine Therapie bewusst abzubrechen, weil sie mit meinem Überlebenssystem kollidiert, das für das Überleben geschaffen wurde, das beinhaltet, dass wir wahrscheinlich sterben, wenn wir es verlassen hierzu schrieb ich auf  Melinasschreibfamilieblog über den Grausamen

Diese Warnung, die ich jetzt als Hinweis verstehe, dass wir damit dem Tod zustimmen, wenn wir die Warnung missachten.

Inzwischen denke ich, dass Veränderungen an unserem ausgeklügelten Überlebenssystem, sanft und mit der Überzeugung geschehen muss, dass wir nicht wieder einen gewalttätigen Weg einschlagen, der u.U. vernichtend wäre, dass es nur möglich wird im Einklang mit dem bestehenden System (mit seinen Innens) geschehen darf und keinesfalls mit Gewalt (zu die wir ja sehr neigen – weil wir als Kind nichts anderes kannten und schon immer mit dem Kopf durch die Wand gingen, ohne Rücksicht auf Verluste unserer katastrophalen Wirkungen auf unser in der Welt sein). Wir mussten dieses Überlebenssystem so stärken, denn die vielen Selbstmordversuche seit meiner Kindheit, Jugend und jungen Erwachsenjahren – zwangen unser System so zu erweitern in der Wehrhaftigkeit, dass wir strengste Grenzen gegenüber Übertretungen einrichten mussten – wegen der ständig angestrebten Zerstörung unseres Lebens.

Es ist uns wichtig, diesen Ausgang, der letzten Therapie genau zu beleuchten, nicht nur die Entscheidung aus dem Bauchgefühl heraus – gut zu finden. Echte, wirksame Alternativen zum Weiterwachsen in Richtung mehr Frieden in uns, machen das unerlässlich.

Auch bin ich davon überzeugt, dass in ein paar Jahren bereits andere Methoden für die Auflösung von Schwersttraumen durch neue Therapieformen (die so harte Form der Therapie durch das Wiederauflebenlassen alter Schmerzen) abgelöst werden.

Kein Gesundheitssystem kann das auch leisten – jedem jahrzehntelange Therapien (angesichts all der vielen Missbrauchs-, Kriegs- und Gewalttraumatisierungen) zu genehmigen – mit einer Erfolgsrate von 30 oder 16 %. Das darf auch nicht sein, denn wieviel Prozent bekommen tatsächlich eine hilfreiche Therapie? So oft schon habe ich gelesen, dass DIS und Co. (dissoziierte Störungen, Borderline …etc.) durch jahrlange Odysee durch Arztpraxen, Kliniken und Psychotherapie irrten mit vielfachen Falsch-Diagnosen – ehe sie überhaupt bei den Therapeuten landen, und nur die wenigstens eine 30%ige Chance auf erfolgreiche Therapie erhalten.

Der Rest überlebt halt nicht oder eben durch – sich ein System zu erschaffen, das einigermaßen funktioniert im Leben (immer am Rande des Nichtmehrlebenkönnens)

Mein positiver Ausblick um nicht gar zu arg zu deprimieren ist – nach Nischen und Alternativen zu suchen, sich nicht NUR auf die „Experten“ zu verlassen.

 

20 Gedanken zu “Yin und Yang

  1. Liebe Pollys (passt die Anrede?),

    Ich bin völlig deiner Meinung, dass eine Erleichterung der Lebensumstände bei schwerster Gewalt einen sehr kreativen Zugang benötigt, abgestimmt auf die Kreativität des einzelnen DIS/DDNOS Systems oder der jeweiligen Traumaerfahrung. … Hilfe zur Selbsthilfe ist das Ziel und kein abhängig machen von Therapien. Das sage ich, obwohl ich schon über 20 Jahre Therapie mache. Diese folgt aber selten irgendwelchen Richtlinien für Traumatherapie sondern orientiert sich nach den akuten Bedürfnissen. …… Es kommt so sehr auf den Menschen und sein Überlebenssystem an, was hilfreich ist.
    Alles Liebe
    „Benita“

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    • Ja ich weiß Benita und ich les bei Dir ja auch schon lang genug mit um zu wissen wie lange Du schon Therapie machst und mir scheint gut angepasst an Dich, was ich wirklich äußerst wichtig finde. Bei mir ist es ja nun so, dass all meine Therapieversuche immer irgendwie umgekehrt waren und ich mich eine Zeit lang an die jeweiligen Therapeuten und Formen angepasst habe, was bei mir nie wirklich länger hilfreich war. Ich war es gewohnt mein Leben lang – meine eigenen Wege zu gehen, meine eigenen Sichtweisen (zwar zu überprüfen, auch im Dialog mit anderen sehr unterschiedlichen Meinungen) aber irgendwie kann ich es gar nicht mich so sehr an andere Therapeutenerwartungen anpassen und jetzt darf ich es laut sagen ;), es war nicht machbar etwas zu akzeptieren, was mir nicht einsichtig erschien, oder derart gegen den Strich meiner Art ging. Wenn ich all die Jahre zusammenzählen würde, was ich seit meines 17ten Lebensjahr „an Therapie(versuchen) „genossen“ habe, käme ich auch locker auf 20 bis 25 Jahre. Ja, das Leben und meine Erfahrungen waren die mächtigeste Therapie in meinem Leben. Ich lernte viel dabei – so auch im Scheitern und den sog. Misserfolgen in meinem Leben – da bin ich wirklich gut drin.
      Und ja Du darfst Polly oder Melinas weiter sagen – wir sind ja immer noch viele und in Melinas sind auch die Pollys drin (Polina und Poletta) Schönes WE Du Liebe!
      Melinas

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      • Danke euch ihr lieben dann bleibe ich einfach bei Melinas, wenn’s für euch passt. Wenn ich euch anders ansprechen soll, kann ich das gerne jederzeit ändern.
        ….. Ich wollte ausdrücken, dass der individuelle Zugang zum jeweiligen System so wichtig ist, ob mit etwas, das als herkömmliche Therapie gilt, aber dennoch flexibel genug ist, oder anderswo. ….. Wir denken, dass es nur die jeweilige Person, die heilen oder ihr Leben leichter gestalten möchte weiß, wohin das Leben sie führt. Ich finde gut, dass ihr euch nicht an Therapieerwartungen anpasst. Das könnten und konnten wir auch nie und viele abgebrochene Therapien zeugen davon. ….. Übrigens finde ich die Heilungs-Zahlen „dogmatischer“ Therapien sehr interessant.
        Auch dir ein schönes Wochenende 💖
        „Benita“

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  2. Ich wäre dir extreeeeem dankbar für eine Quelle dieser Zahlen! Lg s ps: meinem krebskranken Schwiegervater knapp 80jähtigen zahlt das Gesundheitssystem aber schon eine Riesen Latte an Behandlung, obwohl er 0% Chance auf Genesung hat und allein altersbedingt nie wieder einen Beitrag zum BIP leisten wird. Ich hätte gern effiziente Therapie, um meine Arbeitsfähigkeit zu erhalten und meine Krankenkasse sagt, sie zahlt keine Therapie, denn ich habe kein organisches Problem. Auf meine Frage, ob mein Gehirn kein Organ sei, antwortete meine Sachbearbeiterin: „für die Krankenkasse nicht.“

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    • Am Montag oder Dienstag kann ich Dir die Quelle nennen – muss erst nachfragen. Jaja, die KK, die sind das Problem für uns…. Aber das ist wieder so was „echt Sonrisa“, dass Dir so ein guter Spruch einfällt – ich bin immer so empört, dass mir gar nix einfällt in dem Moment zu erwieder – erst hinterher…..

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    • … aber das ist doch auch wieder voll widersprüchlich: Für die Pharmaindustrie sind Gehirne die anders funktionieren ein Schlachtgrube für Profite. „Psychopillen“ kann die KK nicht ablehnen, eben weil es organisch ist. Die Seele zu heilen, den Geist, das Gemüt (…) durch Psychotherapie (…) aber schon.
      Dieses System ist einfach krank in sich. *find*

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      • Hallo, so sehe ich das nicht ganz. Man kann ein traumatisiertes Gehirn auf mehrere ARten „reparieren“ – einmal indem man die Überreaktionen etc. chemisch reduziert, indem man es elektrisch umbaut (etwa Neurofeedback) oder eben über Psychotherapie durch Kompensation, gesunde Vermeidung, Beruhigung, Traumaaufarbeitung. Tabletten sind einfach am wenigsten personalintensiv und daher am günstigsten, außerdem gibts da gute Efizienzsstudien – sowas legen Psychotherapeuten ja leider selten vor. lg s

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      • Hi, also passt es für dich zusammen dass anders funktionierende Gehirne (nicht nur die von Traumatisierten) jederzeit und so lange wie die es eben verschrieben wird Medikamente bekommen können, die Zahlung der Verschreibung keiner Vorprüfung unterliegt, viele anderen therapeutischen Maßnahmen (Psycho-, Ergo- … ob amb. oder stat.) aber zunächst in ihrem Nutzen überprüft werden müssen und es zur Diskussion steht ob und wie viel davon bewilligt wird?

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      • ja, weil der Kostenaufwand erheblich unterschiedlich ist. Mein Medikament kostet im Jahr ca. 158 EUR (angenommene Vollübernahme), wöchentliche Psychotherapie (angenommene Vollübernahme) würde aber 4700 EUR kosten. Für ersteres gibt es gute Effiziensstudien, für zweiteres bei DIS gar keine (oder mir nicht bekannt, ich lasse mich gerne belehren!) einzige (was daran liegt, dass Psychologen sich meist „wissenschaftlich“ mit anderen Themen befassen als mit Psychotherapie – was ja nun geändert werden soll). Als Krankenkasse würde ich das genauso machen: Medikament ja, Therapie nein. Dass das nicht ideal und schon gar nicht langfristig gedacht ist, ist ein anderes Thema – ich kenne auch auch keine Studie zu DIS/DDNOS/kPTBS, die eine effiziente Psychotherapie vorschlägt, die Medikamente in Zukunft überflüssig macht. Dann müsste man natürlich neu rechnen. Lieben Gruß, s.

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      • … und wie gesagt: Ich muss sowieso alles selbst zahlen, außer meine Medikamente. Von daher: Insel der Seeligen, dass das nach Bewilligung bezahlt wird… solches Glück hab ich nicht. lg s

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      • Ah, OK. Danke für die Antwort.
        Zwecks der Effizienz gibt es wohl für alle Richtungen Studien… – Der Spiegel berichtete z.B. Feb. 2018 dass nur ein Drittel darauf anspringt. Also nehmen wir mal an du gehörst zu dem glücklichen Drittel 😉
        Und die Meinungen gehen in unterschiedliche Richtungen…
        Dennoch ist es unserer Ansicht nach zu kritisieren dass es in diesem System wenig Selbstbestimmung gibt: was dem einen hilft, muss für den nächsten nicht zwangsläufig passen. Die Kassen entscheiden aber welche Leistungen auf jeden Fall bewilligt werden (was also auf jeden Fall helfen soll…), und welche sie überprüfen, es Spielraum gibt. Das ist ein Fakt den wir stark kritisieren. Lg

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      • Hallo Wechselwelten, ein Drittel ist erklärbar durch den Placebo-Effekt, der immer so um den Dreh rum an Outcome erzeugt. Alles, was „nur“ ein Drittel Verbesserung macht, ist empirisch in die Tonne zu treten aus wissenschaftlicher Sicht. Demnach: Als KK würde ich selbstverständlich nichts bewilligen, was nur gleich gute Ergebnisse erzeugt wie ein Placebo. Trotzdem fein, wenn ich zu dem Drittel gehöre, dem – egal was, auch gern ein Placebo! Würde ich 100x lieber nehmen als mein Neuroleptikum! – etwas hilft.
        Du hast in dem System 100% Selbstbestimmung: Du kannst morgen einen Aufenthalt zur Traumatherapie und Delfintherapie in Curacao buchen, wenn Du gerne magst. Ich hab davon nur Gutes gehört! Du kannst Medikamente nehmen oder ablehnen. Du kannst Dir eine Therapeutin suchen oder nciht, alles Deine Entscheidung! Nur wenn Du möchtest, dass die Allgemeinheit das alles finanziert, dann prüft jemand im Sinne der Allgemeinheit, ob etwas auch sinnvoll ist für Deine Behandlung oder ob sich da eher jemand (oder ein Berufssstand) daran bereichert (denn so habe ich gerade heute einen Neukontakt mit dem Helferwesen erlebt: Geld her, aber die vereinbarte Hilfe wird verweigert). KK entscheiden nicht, was auf jeden Fall helfen soll; sie machen Kosten-Nutzen-Rechnungen, und leider tun sie das bei psychischen Erkrankungen wesentlich strenger als bei körperlichen (denn wo ist der gesellschaftliche Nutzen, dass auch 85jährige noch künstlihce Hüftgelenke eingebaut bekommen? Klingt hart, aber das sollte man auch mal abwägen, wenn man für arbeitsfähige Menschen eine Psychotherapie aus Kosten-Nutzen-Gründen ablehnt.)
        Kannst Du mir die Quelle vom Spiegel noch genauer definieren, würde ich mir gerne ansehen.
        Ganz lieben Gruß schickt s.

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      • Der Titel des Artikels im Spiegel war „Wie gut wirken Antidepressiva?“, lesbar ist er online, erschienen am 22. Februar 2018 von Nina Weber

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      • Hallo, bitte entschuldige, die Zahlen sind falsch, die ich oben geschrieben habe. Ich hatte das in einer Onlineapotheke rechercherit, dann ist mir eingefallen, ich hab das auch schon mal privat bezahlt und das war sicher nicht so teuer. Gerade habe ich bei meiner Apotheke angerufen: Mein Medikament kostet bei 100% selbstzahlen (lächerliche) 158 EUR PRO JAHR! Da gehen sich gerade 1,5 h Psychotherapie aus um das Geld! Sorry, aber ja, ich würde in dem Fall als KK keinesfalls eine Kostenprüfung anordnen – Bagatellbetrag. Vielleicht magst Du die Zahl im vorigen Beitrag ausbessern, denn ich wollte keinen Unfug verbreiten. lg s.

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  3. Hier die Antwort von demjenigen, den ich nun nach der Quelle gefragt habe:

    Seite 41 der Expertenempfehlung:

    Die systematische Erfassung von Fallserien und Behandlungsstudien zeigt, dass je nach Studie 16.7% bis 33 % dieser DIS-Patient(inn)en eine vollständige Integration erreichten
    (Coons & Bowman, 2001; Coons & Sterne, 1986; Ellason & Ross, 1997).

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